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Stolpersteine: Neue Gedenksteine für Nazi-Opfer

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Emil Überberg mit Frau Wanda, Tochter Horty und Sohn Wolfgang. 1940 ist Überberg von den Nationalsozialisten ermordet worden.  Foto: Repro: Patrick Nikodem
Am Kölner Mauspfad erinnert ein neuer Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig an den 1940 von Nazis ermordeten Kölner Emil Überberg. Den heute lebenden Verwandten Überbergs war das Schicksal ihrer Großonkels bisher unbekannt.  Von
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Brück

Für Patrick Nikodem ist es ein bewegender Moment, als Künstler Gunter Demnig den golden glänzenden Quader in den Boden schlägt. Nikodem ist der Großneffe von Emil Überberg, jenem arbeitslosen Friseur, dem die Nachbarschaft zu einem Heim der Hitlerjugend und seine undiplomatische Ader mit 42 Jahren das Leben kostete. „Die Nazis haben ihn für geistig unzurechnungsfähig erklärt“, sagt Historiker Fritz Bilz von der Brücker Geschichtswerkstatt. Überberg, ermordet 1940, wurde Opfer der Euthanasie.

Zum Gedenken an Überberg und sein Schicksal hat die Geschichtswerkstatt einen von Demnigs berühmten Stolpersteinen gestiftet. Der befindet sich am Brücker Mauspfad, direkt neben der Bushaltestelle Mauspfad Brück. Unweit von dem Gelände des längst abgebrochenen Mauserhofs, in dem Überberg mit seiner Frau und zwei Kindern lebte.

„Club von Zuhältern und Sittlichkeitsverbrechern“

„An den Überberg’schen Garten grenzte das HJ-Heim“, berichtet Werkstatt-Vorsitzende Brigitte Bilz, während Demnig den Stein im Boden verankert. „Die Hitlerjungen benahmen sich wohl häufiger daneben.“ Eines Tages werfen die Jugendlichen Stöcke in einen Kirschbaum und treffen dabei Überbergs Sohn Wolfgang am Kopf. Emil Überbergs Frau beschimpft daraufhin die Hitler-Jugendlichen als Drecksäcke. Der Vater legt noch einen drauf: Abends geht er zu den HJ-Führern, entschuldigt sich nicht für seine Frau, sondern nennt die Organisation einen „Club von Zuhältern und Sittlichkeitsverbrechern“.

Weil sich Emil Überberg auch nach einer Anzeige und Verhaftung widerspenstig und uneinsichtig zeigt, veranlassen die Nazis eine Untersuchung seines Geisteszustands. Diagnose: „Schizophrenie“.
Damals muss Überberg für seine direkte Art mit dem Leben bezahlen: Er wird in die Heilanstalt Düren eingewiesen, 1939 werden die Insassen erst nach Waldheim in Sachsen gebracht, dann in die Tötungsanstalt Brandenburg/Havel. Am 11. oder 12. April 1940 wird Überberg ermordet.

Unbekanntes Schicksal des Großonkels

Beim Studium der Sondergerichtsakten im Staatsarchiv Düsseldorf sind die Mitglieder der Geschichtswerkstatt auf Überberg gestoßen: „Ich habe die Akte mit Gänsehaut gelesen“, sagt Brigitte Bilz. Mittlerweile hat die Werkstatt sogar eine Broschüre über Überberg veröffentlicht.

Patrick Nikodem ist seiner Familie durch die Recherche der Brücker Historiker um einiges näher gekommen. Vorher wusste er nichts vom Schicksal seines Großonkels. „Das Thema ist verdrängt worden in der Familie“, sagt der 44-jährige Kölner: „Was vorher vergessen oder nicht bekannt war, ist ein entscheidendes Thema geworden.“ Nikodem steht nun auch mit Emil Überbergs Kindern Horty und Wolfgang in Kontakt, die hochbetagt im Ausland leben. Auch sie habe die steinerne Erinnerung an ihren Vater sehr bewegt.

Die Broschüre über Emil Überberg kann bei der Geschichtswerkstatt für fünf Euro bestellt werden, Telefon 84 18 58.

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