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Ausstellung: Tiefer Blick in rechte Strategien

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Hochinteressant gestaltete sich die Einführung in die Ausstellung zum Rechtsextremismus.  Foto: Reiner Züll
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die Ausstellung "Die braune Falle" eröffnet. Im Berufskolleg Eifel wird authentisches Material aus der rechtsextremen Szene gezeigt. Auch die "Karriere" eines Rechtsradikalen wird dargestellt.  Von
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Der Verfassungsschützer Horst Jodscheid führte die Besucher in der Aula des Kaller Berufskollegs Eifel gezielt zu einer der vier Ausstellungsvitrinen, deren Inhalt an brauner Widerwärtigkeit kaum zu überbieten ist. Unter dem Glas ist ein Spiel „Jude ärgere Dich nicht“ zu sehen, das dem Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ ähnelt. Allerdings: Die Startfelder tragen Namen wie Dachau, Mauthausen oder Auschwitz, das Spiel endet schließlich in der Mitte auf dem Zielfeld „Gaskammer“. In den anderen drei Vitrinen sind unter anderem Schlagringe, Baseballschläger, Hetzschriften und Nazi-Embleme als hässliche Zeugen rechtsradikaler Gewalt, von Fremdenfeindlichkeit und braunem Gedankengut zu sehen.

„Die braune Falle“ in Kall

Noch bis zum 14. Dezember präsentiert das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in der Aula die Rechtsextremismus-Ausstellung „Die braune Falle“, die am Dienstagabend eröffnet wurde. Franz Foltz, Leiter des Berufskollegs, hatte sich darum bemüht, diese Präsentation, die hauptsächlich Schüler, Jugendliche und Heranwachsende ansprechen soll, nach Kall zu holen.

Anhand von sechs Stationen zeigt die Ausstellung die rechtsextremistische Karriere des fiktiven Mario S. auf, der bei der Suche nach Orientierung, Halt und Stärke in die rechtsradikale Szene gerät. Zunächst ist er Kamerad, dann Anstifter und schließlich Täter. Über einen langen und schwierigen Weg schafft er den Ausstieg, als er selbst erschrocken von seiner Brutalität ist. Von seinen ehemaligen Kameraden wird er bedroht und als Verräter beschimpft.

Die braune Falle
Auf zahlreichen Schautafeln sind authentische Hetz-Plakate und Bilder von rechten Schmierereien abgebildet.
Foto: Reiner Züll

Die Ausstellung, die seit zehn Jahren durch die Republik wandert, war nach Bekanntwerden der NSU-Morde und der Aufdeckung der Zwickauer Zelle völlig neu gestaltet worden. Wie Horst Jodscheid dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, wird sie jedes Jahr nur zehnmal vergeben, und zwar „vorrangig“ in den neuen Bundesländern, so der Verfassungsschützer. Im Kreis Euskirchen sei die Ausstellung nun zum ersten Mal zu sehen.

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Schulleiter Franz Foltz an die Verlegung der 23 Stolpersteine in Kall. Viele Schulen aus dem Kaller Raum und dem Schleidener Tal hätten im Vorfeld der Aktion an der Aufarbeitung der Schicksale der Kaller Juden mitgewirkt. Er hoffe deshalb, dass das Interesse der Schüler und Jugendlichen auch diesmal wieder möglichst groß sei: „Hier geht es darum, jungen Leuten vor Augen zu führen, in welchen Schritten sich eine Karriere im rechtsextremistischen Milieu vollziehen kann. Wir wollen Strukturen deutlich machen, um zu verhindern, das junge Leute unreflektiert in eine solche Organisation hineingeraten.“ Vize-Landrat Hans Schmitz erinnerte an das Aufdecken der Zwickauer Zelle und die damit in Verbindung stehenden Morde. Das habe deutlich gemacht, dass Rechtsradikale nicht mehr durch Springerstiefel und Bomberjacke auffallen: „Die braune Falle tarnt sich mit dem Gewand der Bürgerlichkeit und der Normalität. Das macht die Gefahr so tückisch.“

„Wir sind bei unserer Arbeit auf die Mitarbeit und das Vertrauen der Bürger angewiesen“, sagte Cordula Hallmann, die Referatsleiterin beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Rechtsextremisten versuchten vorwiegend, junge Erwachsene anzuwerben. „Und das leider nicht ganz erfolglos“, berichtete Cordula Hallmann, die auch auf die Kameradschaft Aachener Land hinwies, die in der Eifel aktiv sei.

Die Zahl der militanten, gewaltbereiten Rechtsextremisten steige stetig an. Derzeit gebe es 22.400 Rechtsextremisten im Lande, von denen 9800 als gewaltbereit eingestuft werden. „Das ist fast jeder Zweite“, sagte Referatsleiterin Hallmann.

Die braune Falle
Schulleiter Franz Foltz bei seiner Eröffnungsansprache.
Foto: Reiner Züll

Von den 755 rechtsextremistischen Gewalttaten im vergangenen Jahr seien 350 fremdenfeindlich motiviert gewesen. „Statistisch findet jeden Tag in diesem Land eine fremdenfeindliche Gewalttat statt“, resümierte die Verfassungsschützerin.

Der Direktor des Steinfelder Hermann-Josef-Kollegs, Heinrich Latz, war angetan von der Ausstellung. Alle Schüler der Mittel- und Oberstufe werden die Ausstellung innerhalb des Geschichts- oder Politikunterrichts besuchen. In der Mittelstufe sei das Thema Rechtsextremismus in den vergangenen Wochen Schwerpunktthema gewesen.

Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ äußerte Schulleiter Franz Foltz die Hoffnung, dass viele Schüler und Jugendliche die Ausstellung besuchen. Doch auch Vertreter von Vereinen oder Organisationen seien eingeladen, hinter die Fassaden des Rechtsextremismus zu schauen.

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