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Fantasy-Rollenspiele: „Peng!“ – und er fällt um

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Die Live-Rollenspieler sind nicht nur in Burgen zu Hause. Auch in der freien Wildbahn frönen sie ihrem Hobby.  Foto: Thomas Michalski
Beim Live-Action-Rollenspiel kann man für ein Wochenende in eine fantastische Welt abtauchen. Jetzt verwandelte sich das Haus Dalbenden in Urft in eine Akademie für Zauberei. 70 Teilnehmer stellten Lehrer, Schüler und Magier dar.  Von
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Kall-Urft

Die Akademie Ayd Owl steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Magister haben ihre Geldgeber verärgert und suchen dringend einen neuen Sponsor. Doch das ist nicht das einzige Problem: Die neugierigen Schüler hören neuerdings in den Gängen des ehrwürdigen Gebäudes geisterhafte Stimmen, die von einem geheimnisvollen Artefakt tuscheln. Und das alles, während die Mitglieder der befreundeten Akademia Cantus Harmoniae zu Tharemis zu Gast sind.

„Wir wissen natürlich, dass das alles nicht echt ist“, betont Néomi Havinga. Sie gehört zu den Menschen, deren Hobby das Live-Action-Rollenspiel (LARP) ist. Für die Dauer eines Wochenendes schlüpfen sie in die Haut einer selbst erdachten Figur und spielen diese Rolle innerhalb einer Geschichte, die von den Organisatoren erdacht wurde. Die Mitspieler sind im echten Leben Ärzte, Lehrer oder IT-Mitarbeiter. „Es gibt eigentlich keinen Berufszweig, in dem man kein Larper findet“, so Havinga.

Havinga ist dieses Mal selbst Organisatorin und sitzt im Haus Dalbenden in Urft vor einem Laptop und mehreren großen Zettelstapeln. Noch zwei Stunden dauert es, dann wird der Kanzler das Essen eröffnen und die Geschichte soll lebendig werden. Das Landschulheim verwandelt sich in eine Akademie für Zauberei. Mit einem siebenköpfigen Organisationsteam, in dem die LARP-Vereine Condra und Engonien zusammenarbeiten, hat Havinga die Handlungsstränge erarbeitet, Dekorationen aufgebaut und die Verpflegung organisiert.

Die Geisterstimmen sind vorher aufgenommene Audiodateien, die an verschiedenen Stellen abgespielt werden. Wer alle Hinweise mitbekommt, kann sich, wie bei einer Schnitzeljagd, auf die Suche nach einem versteckten, besonderen Gegenstand machen.

Rollenspiel
Julia Brocher, die Dozentin für Kreaturen, arbeitet im wirklichen Leben im Kölner Zoo und hält eine Boa Constrictor als Haustier.
Foto: Tim Nolden

70 Leute sind der Einladung gefolgt, um in das fiktive Leben in der Akademie Ayd Owl einzutauchen. Ihre Figuren müssen die Spieler selber schaffen und natürlich auch für die passenden Kostüme sorgen. Viele der Fantasy-Freunde nähen ihre Kleidung selber. „Das ist wie Urlaub. Man denkt in dieser Zeit gar nicht über Hausarbeit oder Probleme auf der Arbeit nach“, erklärt Julia Brocher aus Köln. Sie ist mit einer Boa Constrictor im Käfig angereist, schließlich spielt sie die Dozentin für Kreaturen.

Natürlich macht sich keiner der Spieler die Arbeit, nur für ein Wochenende Kostüme zu nähen und sich einen Charakter auszudenken. Viele von ihnen spielen regelmäßig, und mit jeder neuen Geschichte entwickelt sich die gespielte Figur weiter.
Einige Personen sind allerdings für die Handlung, die die Spieler nicht kennen sollen, wichtig. So übernimmt Jeremias Weber die Rolle des Kanzlers Ezekiel Stauffer, der der Kopf der Akademie ist. Mittlerweile schlüpft er zum vierten Mal in das Kostüm Stauffers. „Normalerweise spiele ich eine ganz andere Figur“, erzählt er. Eigens für die Veranstaltung im Eifeler Landschulheim dachte er sich, auf Bitten der Organisatoren, den Rektor aus.

„Als Inspiration dienten ein Dozent der Uni Köln und der Rektor aus den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett“, so Weber. Die restlichen Spieler konnten sich im Vorfeld aussuchen, ob sie Schüler oder Lehrer sein wollen. Die Dozenten können zudem Vorlesungen anbieten. Thema ist dabei die Magie. Mitunter werden realwissenschaftliche Themen in ein fantastisches Gewand gepackt und aufbereitet. Ganze Bücher hat der Verein mittlerweile als Hintergrundwissen für „seine Welt“ verfasst.

Wie Cowboy und Indianer

Man mag sich bei dem Ganzen fragen, wie man ein Wochenende lang überzeugend einen Zauberer spielen kann, ohne wirklich zaubern zu können. „Bei uns gilt: Man kann, was man darstellen kann“, erklärt Havinga. Da allen Spielern daran gelegen ist, eine möglichst stimmige Welt zu schaffen, gibt der Zaubernde seinem Gegenüber Hinweise darauf, was er gerade zaubern möchte, so dass derjenige mitspielen kann. „Im Grunde ist es wie beim Cowboy-und-Indianer-Spiel. Der eine sagt «Peng!» und der andere fällt um“, so Havinga. Überhaupt ist das Ziel des Wochenendes das gemeinsame Rollenspiel. Es geht nicht darum, etwas zu gewinnen oder besser als die anderen zu sein. Die Rollenspieler wollen gemeinsam in eine Fantasiewelt abtauchen.

Allerdings ist das Wochenende in Urft nur eines von vielen Angeboten für Live-Rollenspieler. Bei anderen Veranstaltungen werden Abenteuer erlebt, Schlachten geschlagen oder einfach einmal Tavernen besucht. Im Kampf benutzen die Spieler Waffen mit Polsterüberzug. Auch dabei gilt natürlich, dass man aufeinander acht gibt. Im Schaukampf ist das gemeinsame Spiel wichtig. Verletzt werden oder gar sterben kann ein Charakter nur, wenn der Spieler das möchte und indem er es spielt.

Allerdings könnte ein unfairer Spieler etwaige Verletzungen ignorieren. Das aber kommt so gut wie nie vor. „Wenn wirklich eine Art Schiedsrichtiger gebraucht wird, müssen die Organisatoren das machen. Aber das ist in den seltensten Fällen nötig“, so Havinga.

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