Karneval in Köln
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Ähzebär un Ko: Ultimatum für den Geisterzug

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Im vergangenen Jahr fand der Geisterzug nicht statt. Foto: Max Grönert
Wenn der Veranstalter Ähzebär un Ko nicht bis Freitag ein umfassendes Organisations- und Sicherheitskonzept für den Geisterzug vorlegt, wird das Ordnungsamt die Veranstaltung nicht genehmigen. Schon im vergangenen Jahr ist der Geisterzug ausgefallen
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Köln

Es wird verdammt eng für die Geister. Die Veranstalter des Geisterzugs Ähzebär un Ko müssen bis Freitag dem städtischen Ordnungsamt ein umfassendes Organisations- und Sicherheitskonzept vorlegen. Gelingt dies nicht, ist der Spuk auch in diesem Jahr vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat: Dann wird das Ordnungsamt die Veranstaltung nicht mehr genehmigen. Schon im vergangenen Jahr ist der Geisterzug ausgefallen, weil die Veranstalter das Sicherheitskonzept nicht finanzieren konnten.

In gut zwei Wochen an Karnevalssamstag soll der Geisterzug in Ehrenfeld starten und über die Venloer Straße stadteinwärts bis zum Gertrudenplätzchen an der Ecke Apostelnstraße/Breite Straße ziehen. So ist es zumindest von Ähzebär un Ko geplant. Das Ordnungsamt muss den Geisterzug absegnen, jedoch fehlen der Behörde noch sämtliche Antragsunterlagen der Veranstalter, ohne die der Umzug nicht genehmigt werden kann. „Wir haben kein Verkehrslenkungskonzept, keine Rettungspläne, keine Angaben über die Anzahl der vorgesehenen Ordner – wir haben im Prinzip nichts“, sagt Ordnungsamtsleiter Robert Kilp.

Lange Tradition

Als 1991 der Rosenmontagszug wegen des Golfkriegs abgesagt wurde, initiierte der Verein Ähzebär un Ko den Geisterzug. Er war eigentlich eine Anti-Kriegs-Demo, in die sich aber auch viele Menschen in Kostümen einreihten – auch aus Protest gegen die Absage des Rosenmontagszugs. 2012 fiel er aus finanziellen Gründen aus.

Die Tradition der Geisterzüge ist viel älter. „In Köln gibt es seit 1860 Geisterzüge an Karnevalssamstag“, sagt Michael Euler-Schmidt, stellvertretender Direktor des Stadtmuseums. Die hatten „eine politische Komponente und einen chaotischen, lärmenden Charakter“, so der Historiker. Schon früher fand der Zug nicht immer statt. „Er ging regelmäßig unregelmäßig“, weiß Euler-Schmidt. Die Zugteilnehmer fanden sich spontan zusammen. Darunter waren teilweise auch Traditionskorps in voller Gardeuniform.

Im Dezember hätten Kilps Mitarbeiter den Organisator von Ähzebär un Ko, Erich Hermans, angemailt und sich nach seinen Plänen erkundigt, sagt Kilp. Vor zwei Wochen habe das Amt ihn erneut angeschrieben – aber erst vorgestern habe Hermans geantwortet. Die Angaben, die Hermans in seiner Mail gemacht habe, seien völlig unzureichend, erklärt Kilp. „Wir haben ihm nun eine Deadline bis Freitag gesetzt. Bis dahin müssen die Unterlagen da sein.“ Der Amtsleiter weist darauf hin, dass es in Köln allein 80 Karnevalsumzüge in den Veedeln gebe. „Die haben alle ihre Hausaufgaben gemacht und längst alles geregelt“, mahnt Kilp und betont: „Wir wollen doch auch den Geisterzug.“

Hermans räumt ein, dass die Kommunikation mit dem Ordnungsamt von seiner Seite aus etwas schleppend verlaufen sei. „Das hätten wir besser machen können.“ Hauptproblem der Organisatoren ist die Finanzierung der strenger gewordenen Sicherheitsauflagen. Zum Beispiel müssten Schilder gemietet werden, um den Verkehr großräumig umzuleiten, wenn der Zug Gürtel und Innere Kanalstraße überquert. Auch sind mehr Ordner erforderlich. Von rund 7000 Euro bei den vergangenen Geisterzügen lägen die Kosten nun bei etwa 15000 Euro.

„Diesen Betrag haben wir noch nicht zusammen. Dafür brauchen wir noch Sponsoren“, sagt Hermans. Die Stadt habe bereits einen Zuschuss zugesagt und werde zusätzlich das Geld, dass durch den im vergangenen Jahr ausgefallenen Geisterzug nicht abgerufen wurde, bereitstellen. Auch das Festkomitee gibt dessen Sprecherin Sigrid Krebs zufolge „mehrere tausend Euro“. Wie viel Geld Ähzebär damit bereits zusammenhat, will der Verein nicht sagen. Aus dessen Umfeld heißt es jedoch, dass bislang noch nicht einmal die Hälfte der 15000 Euro gesammelt werden konnten. Überlegungen, den Geisterzug als Demonstration anzumelden, weil dann die Polizei den Zug begleiten müsste und die Veranstalter keine teure Sicherheitsfirma beauftragen müsste, seien vom Tisch. „Wir geben die Hoffnung jedenfalls nicht auf. Der Geisterzug soll gehen“, sagt Hermans kämpferisch.

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