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Casting: Die kölsche Seele ist eine Diva

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Beim Casting für "Loss mer singe" im Bürgerhaus Stollwerk ging es dieses Jahr hoch her, auch wenn sich das kölsche Publikum stellenweise als sehr kritisch entpuppte.  Foto: michael bause
Acht Teilnehmer hatten am Freitag beim Casting für die Loss mer singe-Veranstaltungen ihre Feuertaufe. Erstmals fand das Casting im Bürgerhaus Stollwerk statt. Die Gewinner mussten das launenhafte Publikum mühsam überzeugen.  Von
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Köln

Die decke Trumm kam als Instrument auf der Bühne nicht vor, in den Liedtexten der Nachwuchshoffnungen wurde aber munter für den Fasteleer getrommelt. Acht von mehr als 30 Gruppen und Solisten, die sich fürs Casting beworben hatten, überstanden am Freitagabend ihre jecke Feuertaufe; Helmut Frangenberg vom Loss-mer-singe-Team moderierte den Abend, der erstmals im Bürgerhaus Stollwerck stattfand.

Vor fast 400 Gästen nicht nur selbst zu singen und zu spielen, sondern die Zuhörer möglichst zum Mitsingen und -tanzen zu bewegen ist schon eine Herausforderung, mehr noch aber, die kölsche Seele zu treffen. Und die entpuppte sich an diesem Abend als launenhafte Diva. Hochdeutsch verstand sie gar nicht, tausendmal abgenutzte Reime auf Rhing ließen sie kalt, selbst Sambarhythmen bewegten sie nicht, solange der Sound nicht live erzeugt wurde. Musizierten Bands aber mit Selbstbewusstsein  und Elan, dann strahlte die Diva, und die Gäste tanzten und sangen - so, wie's  zur Vorbereitung der Mitsingabende im Karneval sein soll.

 Dave Zwieback eröffnete den Abend mit  schwungvollem Sound zu originellem Text. "Krümmel en d'r Trööt" war im Lied das Symbol für einen ziemlich dumm gelaufenen Abend – eine schöne kölsche Idee.  Mark (mit k!) Freuer hatte es danach nicht leicht, sich mit hochdeutschen Liedern über erregte Hunde und allerlei Alkoholika Gehör zu verschaffen. Und der schwul-lesbische Chor erreichte selbst in stimmlich großer Besetzung mit seinen kölschen Liebeserklärungen nicht den ganzen  Saal.

Die Band Lupo hatte  trotz extrem schlichter Reime leichteres Spiel.   Posaune und Geige brachten die Gäste zum Tanzen und den Saalboden zum Beben, hier waren erste „Zugabe“-Rufe zu vernehmen.  Andreas Münzel, der zur eigenen Klavierbegleitung sang, entstaubte bei seiner Präsentation Belafontes „Angelina“ und fand zur Melodie kölsche Worte. Mit dem Jogger-Lied als zweitem Beitrag lieferte er den ideenreichsten und lustigsten Text des Abends, in dem sich Volksjaade, Krampfwade, Dampfschwade und Parkpfade reimten.

„Kuhl und de Gäng“ hat Ohwurmqualitäten

Mit  Bläsersatz traten die Kölschen Adler auf, die  mitreißend spielten, wenn sie auch  noch nicht viel Eigenes im Programm hatten. „He Amigo spell“ von Renate Fuchs trugen sie aber gekonnt vor und hatten auch bei einer kölschen Version des „Hamburger Veermaster“ die Mitsänger auf ihrer Seite. Selbst wenn „Old Colonia“ ein ausgesprochen  merkwürdiger Name für Köln ist.

 Salvatore La Rosa zählte zu den Opfern der arg verzerrenden und dumpf klingenden Lautsprecheranlage im großen Saal. Als Solist  mit Playback-Orchester konnte er die Sambastimmung seiner schönen kölschen Geschichten rund um den Karneval nicht wirklich überzeugend vermitteln. Ganz präsent, spielfreudig, mit punktgenauen Einsätzen und starkem Frontmann beschloss die zehnköpfige Band „Kuhl und de Gäng“ das Casting. Ihr Lied „Su“, das quasi eine Kurzform des kölschen Grundgesetzes ist, hat Ohrwurmqualität.

Wie auch bei den Kneipen-Mitsingabenden wählten die Besucher zusammen mit der Loss-mer- singe-Jury  die Sieger aus, die im Februar mit bekannten Bands wie Brings, Querbeat und Knittler, mit Bläck-Fööss-Musikern und dem Team von Loss mer Singe im Tanzbrunnen auftreten können. Das werden 2013 „Kuhl un de Gäng“ und Andreas Münzel sein. Kuhl un de Gäng errangen auch den Publikumspreis. Zudem wurde der Förderpreis der Kreissparkasse vergeben: Die Sieger, dieses Mal die Band Lupo,  gewinnen dabei eine professionelle Studioproduktion.

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