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Deine Sitzung: Kebekus und der tapfere Salamist

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Carolin Kebekus begeisterte bei Deine Sitzung. Foto: stefan worring
Wunderbar pointiert nehmen Carolin Kebekus und Olaf Bürger bei Deine Sitzung das Kölner Brücken-Dilemma aufs Korn. Auch die Nummer der beiden als Ernie und Bert aus der Sesamstraße überzeugt. Die Sitzung feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.
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Köln

Umwerfend, so eine anarchische Karnevalssitzung ohne jeglichen Respekt vor humoristischen Untiefen. So umwerfend, dass es Winkemariechen Britta Pallada, dessen Funktion im Wesentlichen daraus besteht, an den richtigen Stellen zu winken, vom Hocker in ihrer Bütt riss. Was zum Glück folgenlos blieb.

Das war aber auch ein Seegang beim „Tusch der Karibik“, mit dem Deine Sitzung ihr zehnjähriges Metteinander feiert, in der - ganz pazifistisch - statt Raketen abzufeuern imaginäre Mettbrötchen geformt werden, wenn eine Nummer besonders gut gefällt. Dazu gab es mehrere Anlässe. Mal sind es nur feine Nebensatz-Seitenhiebe von Olaf Bürger gegen die Politik im Bund, wenn er verwundert fragt, warum sich Peer Steinbrück so sehr an seine Nebenbeschäftigung klammere: „Soll er das doch sein lassen mit der Politik.“

Dann ist es das Duett mit Co-Kapitäns-Papagei Carolin Kebekus, mit dem sie das Kölner Brücken-Dilemma frei nach Peter Maffay singend („Vor sieben Brücken wirst du steh’n, das andre Ufer nur von Ferne sehn. Sieben Mal wirst du der Affe sein, denn erst in Bonn-Beuel kommst du über’n Rhein.“) deuten. Das ist einfach wunderbar pointiert. Ebenso wie die Nummer der beiden als Ernie und Bert aus der Sesamstraße, die die Piraten als Partei kielholen, nachdem Ernie gesteht, ihr beigetreten zu sein. Worüber Bert wiederum sich wundert („Du hast doch gar keine Ahnung von Politik.“) und Ernie erwidert: „Ja, eben drum.“

Ein weiterer Höhepunkt der Meuterei auf dem Bounty, bei der die Freibeuter auf einem wehrlosen Schokoriegel herumtrampeln, ist der Besuch von Ehrenpräsidentin Isabel Trimborn. Seit ihrem Ausstieg bei Deine Sitzung im Jahr 2008 veranstaltet sie feucht-fröhliche Abende in Seniorenheimen mit Lappen-Strip und Killer-Rollatoren, zeigt aber auch ein Herz für Menschen mit Menstruationshintergrund, indem sie Kebekus eine Mettbrötchen-Kette schenkt. Für Sex-Appeal sorgen die Funken Blau-Weiß Feinripp aus Brück mit Tänzen zu Pokerface und Kölsch-Medley. Und im Märchen „Der tapfere Salamist“ streiten Salamisten, Flönzisten und die Zeugen der Fleischwurst um die Frage der Wurstpellen-Beschneidung. Gastredner Volker Weiniger brilliert als kampftrinkender Sitzungspräsident, dem die Ratingagentur Pappnas & Pur das Leben schwer macht.

„Mein ganzes Leben habe ich dem Alkoholismus in der fünften Jahreszeit geopfert. Und jetzt bezweifeln die unsere Leistung am Glas.“ Das junge Publikum (geschätztes Durchschnittsalter 25 bis 45) tut dagegen, was es kann, bestellt noch ein Fässchen und feiert sich selbst.

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