Karneval in Köln
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Hans Süper: Der große kleine Mann des Karneval

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Als wäre er nie weggewesen: Hans Süper. Foto: stefan worring
Da saß Hans Süper ganz alleine mit seiner Mandoline auf einem Hocker auf der Bühne - und im Gürzenich hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Süper, Altmeister, Clown und kölsches Original, hatte das Publikum fest im Griff.  Von
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Köln

Wer dabei gewesen ist, schwärmt noch Tage später von einem geradezu magischen Moment: Da saß der große kleine Mann des Kölner Karnevals bei der Prinzenproklamation ganz alleine mit seiner Mandoline auf einem Hocker auf der Bühne – und im großen Gürzenich hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Hans Süper, Altmeister, Clown und kölsches Original, hatte sie alle im Griff. Nach vielen Jahren, in denen er der Karnevalssession stets durch Flucht nach Spanien entkommen wollte, hatte er sich noch einmal zu einem Auftritt im Fastelovend überreden lassen. Der Karneval, so wie er sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt habe, sei nicht mehr „seiner“, hat er in einem Interview für seine Biografie „Mein Leben mit der Flitsch“ gesagt. „Karneval ist heute Krach.“

Für das, was er im Colonia-Duett oder dem Süper-Duett einst gemacht habe, gebe es heute kaum noch Platz. Auch die illustre Gästeschar der feinen Prinzenproklamation war in den letzten Jahren nicht gerade dadurch aufgefallen, den ruhigeren Beiträgen des Programms die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Doch beim Auftritt des 76-Jährigen war es anders. Einer, der dabei war, spricht von der „lautesten Stille aller Zeiten“.

Es sind nur noch wenige Anlässe, bei denen sich der Karnevalsrentner seit 2001 nach dem Ende des Süper-Duetts dem Publikum präsentiert. Mancher Auftritt, bei dem er seine „Flitsch“ auspackt, bleibt nur einem kleinen Kreis vorbehalten. Einer, der ihn noch einmal für Neues begeistern konnte, ist der WDR-Big-Band-Chef Mike Herting, der Süper zur Produktion zweier Alben mit Jazz-Arrangements überreden konnte. „Der spielt auf vier Saiten Akkorde mit sechs Tönen, ganz ausgefuchste Harmonien, ohne zu wissen, was er da eigentlich tut“, schwärmt Herting über Süpers Mandolinenspiel, das dieser sich selbst beigebracht hat, ohne eine einzige Note lesen zu können.

Sein Vater, Mitglied des legendären kölschen Quartetts „Vier Botze“, hatte ihm aus der Kriegsgefangenschaft eine aus einer Apfelsinenkiste gebastelte Mandriola mitgebracht. Mit der habe er sich die ersten Melodien und Harmonien „zusammengefummelt“, erinnert sich Süper. Wenig später schrieb Vater Hans für die Söhne Paul und Hans kleine kölsche Liedchen, mit denen er sie in den Sitzungskarneval der Nachkriegszeit schickte. Heute kaum vorstellbar: Ohne aufwendige Saaltechnik standen die Brüder mit Gitarre und Mandoline als „Zwei Schnürreme“ vor Hunderten Jecken.

Nach ein paar Jahren mit seinem Bruder hatte Süper erst einmal die Nase voll vom Karneval. Stattdessen machte er Musik in Tanzkapellen, verdiente Geld mit allen möglichen Jobs. 1974 rief ihn dann der Karnevalist Hans Zimmermann an. Er suchte einen neuen Partner für das „Colonia Duett“, und Hans Süper ließ sich darauf ein. Die beiden wurden zu den Superstars des Kölner Karnevals. Mit Zimmermann perfektionierte Süper das, was schon die Auftritte mit seinem Bruder ausgezeichnet hatte: ein einzigartiges Timing, das Spiel mit dem Tempo, das auch eine Verlangsamung zuließ, die heute kaum noch einer aushalten kann. So entstand Spannung und Witz, improvisierte Blödelei genau wie die perfekt vorbereitete Pointe.

Hinzu kam der Bruch mit Konventionen: Der langhaarige Beatles-Fan Süper durfte Dinge tun, die sich das bürgerliche Publikum im Saal nicht getraut hätte. Ihm gefielen die derbe Volkstümlichkeit und der Tabubruch. Tommy Engel nennt seinen Freund einen „ungeschliffenen Diamanten“. Und nur weil er sich nie schleifen ließ, habe er seine Qualität halten können.

Als nach 17 Jahren das „Colonia Duett“ zerbrach, hing Süper noch einmal zehn Jahre mit dem „Süper Duett“ dran, das er mit Werner Keppel gegründet hatte. Schon in den 90er Jahren wirkte das, was der leidenschaftliche Hobbyangler machte, exotisch: Während andere Musiker ihre Boxentürme hochrüsteten und fast alle Redner nur noch hochdeutsch sprachen, setzte er weiter auf die leisen, kölschen Töne. Wenn Süper heute mit alten Stücken an diese Zeiten erinnert, ist das mehr als eine sentimentale Zeitreise. Ein Auftritt wie jetzt bei der Prinzenproklamation ist auch eine Mahnung an alle im Saal: Kölner Karneval kann auch heute noch anders funktionieren.

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