Karneval in Köln
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Kostümtest: Was zieh ich an?

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Ein Traum aus Tüll in Pink und Grün. Foto: Michael Bause
"ksta.de"-Mitarbeiter Philipp Haaser war beim Karnevalsmarkt in der Lutherkirche auf Kostümsuche. Das umfangreiche Angebot macht die Auswahl nicht leicht, bringt aber auch viele Ideen für die Session.  Von
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Köln

Am Stand der Maskenbildnerin kommt die Frage wie beiläufig, über Pandakopf, Blütenhut und Fuchsmaske hinweg, gerichtet an eine unentschlossene Kundin: „Wissen Sie denn schon, was Sie werden wollen?“ Obwohl ich mir das ganze Jahr immer wieder den Kopf zerbrochen habe, kommt die Not, sich auf ein Kostüm festzulegen, doch unvermittelt. Schwer zu sagen, ob die üppige Auswahl auf dem Karnevalsmarkt in der Lutherkirche die Entscheidung einfacher oder schwieriger macht. Die Kundin neben mir scheint sich jedenfalls noch nicht festlegen zu können.

Definitiv kneipentauglich: die Uniform, die auch Napoleons Offizieren gestanden hätte.
Definitiv kneipentauglich: die Uniform, die auch Napoleons Offizieren gestanden hätte.
Foto: Michael Bause

Auf der Veranstaltung in der Lutherkirche ist am diesem Abend fast kein Durchkommen mehr. Ein Dutzend Stände mit schwarzen Frack-Jacken, Piratenhemden, Perücken, Masken, fantastisch bestickten Uniformjacken, ausgemusterten Pailletten-Shirts und ungewöhnlichen Narrenkappen sind im Kirchenraum aufgebaut. Im Vorraum stehen noch mehr Kleiderständer. Dazwischen die überwiegend in wetterfester Winterkleidung erschienenen Besucher und der Duft frischer Bratkartoffeln mit Rosmarin. Direkt am Eingang zum Kirchengelände quillt ein kleiner Raum fast über vor historischen Kostümen. Und hier soll meine Suche nach dem Kostüm für diese Session beginnen. Und vielleicht sollte man sich ja auch mehrere Kostüme zurechtlegen. Karnevalskisten sind selten zu voll.

Fantasievolle Eigenkreationen

Schnell gemacht: Panda, oder auch der Rapper Cro.
Schnell gemacht: Panda, oder auch der Rapper Cro.
Foto: Michael Bause

Wärmend, bunt und fröhlich für den Umzug im Veedel, schrill und psychedelisch für ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit bei der bevorzugten Sitzung oder gepflegt-elegante Anarchie für den Kneipenkarneval – fest steht, dass es nicht einen einzigen Anlass, sondern eine Vielzahl von Szenarien gibt, die es unter ästhetischen und praktischen Gesichtspunkten bestmöglich abzudecken gilt.

Reich verzierte Uniformjacken, Säbel und Degen, weiße Perücken, ein grün schimmernder Frack und Ballkleider in allen Farben – die Kleiderständer im ersten Raum auf dem Markt können die Unmengen historischer Kostüme kaum halten. „Das ist nicht für den Straßenkarneval geeignet“, stellt Julia Pasternak klar. Mit zwei Freunden verkauft sie die prunkvollen Gewänder. Über viele Jahre veranstalteten sie einen „Ball des Casanova“ in Venedig. Bis zu 60 Mitarbeiter versorgten sie mit Rokoko- und Barock-Kostümen aus ihrem Fundus. Eine verhältnismäßig schlichte Jacke, die ein Soldat aus Napoleons Armee getragen haben könnte, erregt meine Aufmerksamkeit. Pasternak und Kollegen haben die Kleider nach historischen Vorlagen genäht. So erklärt sich auch der Preis. 180 Euro soll die Jacke kosten. Schmerzt es sie trotzdem, die Sachen wegzugeben? „Ich freue mich, wenn jemand meine Sachen zu würdigen weiß und in einem meiner Kleider zu einem schönen Fest geht“, meint sie.

Ich schlüpfe in die Jacke und mache mich auf die Suche nach den passenden Utensilien, um der Uniform die nötige Würde zu verleihen. An vielen Ständen werden fantasievolle Eigenkreationen verkauft. Eine handgefertigte, paillettenbesetzte Narrenkappe bietet sich farblich an, das Rot der frontal applizierten Spülbürste nimmt die Farbe der Schulterklappen auf.

Knallbunt und warm

Ein nur bedingt furchteinflößendes Monster.
Ein nur bedingt furchteinflößendes Monster.
Foto: Michael Bause

Eine Fliege in ähnlichen Farbtönen, die obligatorische Clownsnase und ein Stock, mit dem wahrscheinlich die Gäste des Casanova-Balls ausgerufen wurden, unterstreichen die jecke Autorität meines Alter Egos. Und tatsächlich schiebt sich meine rechte Hand automatisch zwischen die Knopfreihen der Jacke, recke ich das Kinn, und sondieren meine Augen das Geschehen auf dem Schlachtfeld – definitiv kneipentauglich.

Ganz anders wirken die knallbunten Tüllkostüme am nächsten Stand. Zunächst hatte es mir nur der turmartige Riesenhut angetan. Doch rasch überzeugt mich die Verkäuferin, auch den weißen Umhang, die in Pink und Knatschgrün gehaltenen Ärmel sowie passend gefärbte Baumwollhandschuhe anzulegen. Im Spiegel bemerke ich, dass eine Rasur angebracht gewesen wäre. Die Stoppeln verhindern, dass märchenhaften Assoziationen aufkommen. Trotzdem: Auffallen würde ich damit, auch nachts auf dem unbeleuchteten Nachhauseweg.

Zu guter Letzt verwandele ich mich in ein grünes Monster, das jedoch nur eingeschränkt furchteinflößend daherkommt. Einige angeheftete Plastikblümchen, die Maske aus grünen Stoff- und braunen Lederstreifen sowie ein Blütenhelm verleihen dem grünen Fusseloverall eine eher florale Anmutung. Lange halte ich es in dem Kostüm jedoch nicht aus – für Innenräume definitiv zu warm.

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