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Proklamation: Mitreißender Auftakt mit Samba Alaaf

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Als wäre er nie weggewesen: Hans Süper. Foto: stefan worring
Köln und Rio zelebrieren das Dreigestirn, wie es brasilianisch-kölscher kaum geht. Stehende Ovationen bekommt Hans Süper. Er hatte zwar mit dem Fastelovend abgeschlossen, machte aber für die Proklamation eine Ausnahme.  Von
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Köln

Zu spät. Das dritte Lied zum Auftakt der Proklamation des Dreigestirns der Gruppe Querbeat mit dem Titel „Stonn op un danz“ kam exakt eine Viertelstunde zu spät. Denn schon nach nur wenigen Minuten mit der schrill-bunten Brass-Spaß-Truppe stand die geladene Gesellschaft von 1300 Damen und Herren in Abendgarderobe längst auf den Stühlen.

Sitzen wird ohnehin überbewertet. Dafür sorgten neben den Kölnern vor allem deren brasilianische Begleiterinnen in ihren weit ausladenden Samba-Federkleidern. Optisch wie musikalisch überzeugte Sängerin Monique mit ihrem ohrwurmverdächtigen Sprechgesang „Rio, Kölle, Fastelovend“. Die Umsetzung des Mottos „Fastelovend em Blot – he un am Zuckerhot“ wird – auch wenn die Akustik in manchen Momenten im Saal schwächelte – zu einem „Fest für Augen und Ohren“. Der mitreißende Auftakt, in dem Lieder von Latino-Schönling Ricky Martin („La vida loca“) und Karl Berbuer („Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“) mühelos zu einem Medley verschmelzen, war nur der erste von vielen Samba-Momenten am Freitagabend im Gürzenich. Wenn nicht gerade Jürgen Roters sprach. Der Oberbürgermeister stotterte sich gequält, aber liebevoll durch seinen Redetext. Darin ordnete er Zwangsurlaub für alle Politessen bis Aschermittwoch an und verglich die marode Leverkusener Brücke mit der Regierungskoalition: „Man weiß nie, wie lange sie noch hält und wann sie endlich wieder in Fahrt kommt.“ Rio und Köln attestiert er gar Seelenverwandtschaft. Und dann fängt er auch noch an zu reimen: „Drum lasst uns schnell schreiten zur Proklamation. Typen wie ihr gehören auf den Thron!“

Der Einspielfilm in Hollywood-Manier, der die drei aus dem Dreigestirn vorgestellt hatte, sowie deren Hintergrund-Beleuchtung samt Nebelmaschine draußen vor der Saaltür weckten hohe Erwartungen. Doch Prinz Ralf III. (Görres), Bauer Dirk (Königs) und Jungfrau Katharina (kölsch: Tring), wie sich Axel Busse zu Ehren der Namensgeberin seiner Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring nun nennt, sind keine Superstars, sondern ganz normale, sichtlich nervöse Männer, die „Brücken bauen wollen“ und zum Playback ihr Sessionslied „Karneval em Blot“ mit zitterndem Mikrofon in der Hand darbieten. Und das ist auch gut so. Ihre Botschaft lautet Toleranz und Respekt, wie Prinz Ralf III. reimte („Ov schwazz, ov wieß, ov bunt jescheck. En Kölle sin mir alle jeck.“), nachdem er mit einem „Jaaaa“-Schrei den Saal betreten hatte und minutenlang in der Südkurve seiner Heimatgesellschaft gefeiert wurde, bevor der gebürtige Eifeler zur Begrüßung „Mir all sin Kölle“ auf Brasilianisch ausrief, „weil ich ja angeblich kein Kölsch kann“.

Das Dreigestirn begrüßt sein Volk.
Das Dreigestirn begrüßt sein Volk.
Foto: stefan worring

Stehende Ovationen bekam Hans Süper, noch ehe er überhaupt ein Wort gesagt hatte. Er hat zwar mit dem Fastelovend abgeschlossen, machte aber für die Proklamation eine Ausnahme. Das ehemalige Musik-Quartett „Vier Botze“, zu dem Süpers Vater, der auch Hans hieß, gehörte, hätte in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen gefeiert. Deshalb ließ sich der 76-Jährige zu dem Auftritt überreden. Auf der Flitsch spielte er einige Botze-Schätzchen und Lieder seines Solo-Programms, als wäre er nie weg gewesen.

Harald Toni Schumacher und Ehefrau Jasmin in Feierstimmung.
Harald "Toni" Schumacher und Ehefrau Jasmin in Feierstimmung.
Foto: stefan worring

Was für das Auge waren dann wieder die 14 Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe „Black Diamond’s Magic Brasil“. Mal in Indio-Kostümen und beim Capoeira, mal zur Samba. Am Hofe Ihrer Tollitäten gaben sich zudem Brings, Paveier, Jens Singer als „Dä Schofför“, Knacki Deuser und Höhner die Ehre. Mal kölsch, mal brasilianisch. Mal beides. Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach ließ dazu abwechselnd das Alaaf auf Köln oder Rio ausrufen. Bis Feuerwerk, Konfetti und Ballons das Finale einläuteten. Wozu sitzen?

Das WDR-Fernsehen sendet einen Zusammenschnitt der Proklamation am Samstag, 12. Januar, 20.15 Uhr.

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