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Gericht: Eine Spur führt zu den Hells Angels

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Foto: dpa
Ein 33-Jähriger soll bei einem Bauunternehmer in Kerpen Schutzgeld erpresst haben. Er musst sich seit Donnerstag vor dem Kölner Landgericht wegen versuchter räuberischer Erpressung verantworten. Eine Spur führt zu den Hells Angels.  Von
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Köln/Kerpen

Welche Verbindung gibt es zwischen dem angeklagten Krzystof P. und dem umstrittenen Motorrad- und Rockerclub Hells Angels? Vor dem Landgericht Köln muss sich der 33-Jährige seit Donnerstag wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Mitarbeiter eines Kerpener Bauunternehmers an den Tagen 5., 6. und 7. Juni genötigt zu haben, in der Absicht, sich selbst zu bereichern. In der Anklageschrift ist von Schutzgelderpressung die Rede.

Wiederholt soll P. die Mitarbeiter des Bauunternehmers aufgefordert haben, ihrem Chef eine Botschaft zu überbringen. Darin soll es geheißen haben, der Unternehmer schulde jemandem Geld und er, der nun Angeklagte, wolle diese 16 000 Euro nun abkassieren. Bei einem dieser Besuche soll er eine Pistole bei sich gehabt und diese auch vor den Mitarbeitern vorgezeigt haben, um die Ernsthaftigkeit seines Anliegens zu untermauern.

Ahnungslos

Ganz offenbar kannte der Angeklagte den Bauunternehmer nicht, denn bei seinem ersten Besuch auf dem Firmengelände in Horrem redete er – ahnungslos – mit ihm persönlich, hielt ihn jedoch für einen Mitarbeiter und erkundigte sich nach Aufenthaltsort des Chefs. Dieser gab sich in der Situation auch nicht zu erkennen und erwiderte nur, der Vorgesetzte sei nicht da. Als P. am 7. Juni ein drittes Mal in der Firma erschien, seine Forderung gegenüber den Mitarbeitern wiederholte und schließlich mit einem Schlagbohrer als Pfand vom Gelände verschwinden wollte, lief er der Polizei in die Arme und wurde festgenommen.

P. selbst gibt an, er habe eigenständig gehandelt und wisse nicht mehr, warum er dies getan habe. Er gesteht die Tat, kann aber zum Motiv und Tatdetails kaum etwas sagen. Wiederholt habe er an den Tattagen Alkohol und Marihuana zu sich genommen. Ob er bei seinen „Besuchen“ auf dem Firmengelände mit dem Eingreifen der Hells Angels gedroht habe, wollte Richterin Sibylle Grassmann von ihm wissen. Womit genau er gedroht habe, erinnere er nicht mehr, aber die Hells Angels seien es nicht gewesen, sagt der Angeklagte. Möglich sei, dass er darauf hingewiesen habe, dass er Mitglieder der Hells Angels kenne.

„Weiß ich nicht mehr“

„Sollte es eine Schutzgeld-Erpressung sein“, fragte die Richterin. „Weiß ich nicht mehr“, lautete die von einer Dolmetscherin übersetzte Antwort. Als er die Mitarbeiter ein zweites Mal aufsuchte, muss er wohl mit einem tätlichen Gegenangriff gerechnet haben. Zumindest sagt er, er habe die Waffe nur mitgenommen, um sich gegebenenfalls selbst verteidigen zu können. „Haben Sie damit gedroht, den Chef zu erschießen?“, fragte Grassmann. „Ich glaube nicht“, so die Antwort. P. war für eine Weile unter der Adresse des ehemaligen Vereinsheims der Hells Angels in Frechen gemeldet. Dazu sagte der Angeklagte, ihm sei eine Stelle als Gerüstbauer angeboten worden, dazu habe er jedoch einen Wohnsitz angeben müssen. Ein Bekannter habe ihm dann dort am Mühlenweg eine Meldeadresse verschafft. Es gebe einen Hintergrund zu den Hells Angels, räumte der Verteidiger Ulrich Rimmel ein, aber dies habe nichts mit der Tat zu tun.
Für Freitag, 30. November, wird das Urteil erwartet.

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