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Maifrauen: 800 Euro für zukünftige Ehefrau

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Bei der Maifrauenversteigerung im Sportlerheim in Buir ging es hoch her. Foto: Anja Musick
Die Mitglieder des Maivereins "Fidele Jungen" haben im Sportlerheim Buir die traditionelle Maifrauenversteigerung gemacht. Die Junggesellen bieten hier für ledige Frauen ab 16, die sie zu den Maifeierlichkeiten begleiten sollen.  Von
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Kerpen-Buir

Frauen? Fehlanzeige. Die sind an diesem Abend streng verboten. Bei der Maifrauenversteigerung des Maivereins „Fidele Jungen“ im Sportlerheim in Buir sind ausschließlich Junggesellen anwesend. So will es die Tradition seit fast 90 Jahren. Dabei geht es aber eigentlich doch nur um das weibliche Geschlecht. Um die Dame des Herzens zu erobern, greifen die Herren tief in die Taschen. Den Beobachter erinnert das Prozedere ein wenig an eine – nun ja Viehauktion möchte man natürlich nicht sagen. Vielleicht eher an eine Versteigerung von schönen Dingen. Obwohl die „Usklöpper“ Thomas Lehmann und Horst Doll nicht so vornehm zurückhaltend daherkommen wie Auktionatoren bei Sotheby's.

Derb wird ein Eisenfass mit einem Hammerstiel bearbeitet. Sämtliche Namen von Junggesellinnen aus Buir werden laut ausgerufen. Dazu gehören alle Mädchen und Frauen ab 16, die nicht verheiratet sind. 300 weibliche Namen stehen in diesem Jahr auf der Liste. Die ältesten Jungfrauen sollen sich deutlich Richtung Rentenalter bewegen, heißt es. Das sind aber nicht viele.

Bei manchen Namen bleiben die Herren auffallend ruhig. Wahrscheinlich sind diese Damen nervig und hässlich wie die Nacht. „Nein, nein. Das muss nicht so sein“, sagt Michael Lehmann, Vorsitzender des Vereins, und lacht. „Vielleicht ist der Freund des Mädchens auch heute einfach nicht da, um für sie zu bieten.“

Bei anderen Namen wiederum werden die Herren sehr lebendig. Sie bieten in fünf Euro Schritten. In den vergangenen Jahren soll es Frauen gegeben haben, die nur bis zu fünf oder zehn Euro eingebracht hätten. Andere wiederum seien den Herren viele hundert Euro wert gewesen, wird erzählt. Stolze 800 Euro hat etwa Daniel Krakowka 2006 für seine Angebetete Jennifer geboten und bezahlt.

Es hat sich wohl gelohnt. Seit 2009 seien sie verheiratet, erzählt Krakowka. Die gemeinsamen Kinder Aaron und Nora sind ein und drei Jahre alt. Die Stimmung im Sportlerheim ist gut. Männer der befreundeten Maivereine aus Berrendorf, Manheim und Etzweiler sind auch da. Es mache Spaß, die Tradition aufrecht zu erhalten, findet Marco Schumacher, Geschäftsführer des Vereins.

„Dörpremmel“ wird in diesem Jahr René Moll. Er bewacht einen Sack, in den Zettel mit den Frauennamen geschmissen werden, für die niemand Geld berappen wollte. Jederzeit noch könne ein Mann aber für einen Zettel bezahlen. Der verschwinde dann aus dem Sack, wird berichtet.

Mit dem eingenommenen Geld finanziert der Verein die Maifeierlichkeiten. So gebe es etwa am Freitag, 24. Mai, eine Maidisco im Zelt auf dem Festplatz. Am Sonntag, 26. Mai, ziehen dann die festlich gekleideten Maipaare durch das Dorf.

Allen voran der Maikönig und die Maikönigin. Maikönig wird der Mann, der für sich selbst am meisten geboten hätte. Maikönigin sei die Frau, die am meisten Geld eingebracht habe. In diesem Jahr wird Kathrin Spoo Maikönigin. Maikönig ist André Hädtke.

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