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Protest: Kampfhundesteuer wieder abgeschafft

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Hundebesitzer machten im Stadtrat ihrer Empörung über die neue Hundesteuer Luft.  Foto: Meisen
Der Protest hat geholfen. Die Kampfhundesteuer in Kerpen ist vom Tisch. Ursprünglich hatte die Stadt geplant sogenannte "Listenhunde" mit 820 Euro pro Jahr zu besteuern - zu viel für manche Besitzer.  Von
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Die erst im Dezember vom Stadtrat beschlossene und seit Anfang des Jahres gültige „Kampfhundesteuer“ in Kerpen wird wieder abgeschafft. Auch „normale“ Hunde sollen nicht mehr so stark wie eigentlich geplant besteuert werden. Dies beschloss der Stadtrat am Dienstagabend. Hunderte von Hundebesitzern waren einem Aufruf der neu gegründeten Initiative „Pro Hund Kerpen“ gefolgt, die im Internet bei Facebook auf das Thema aufmerksam gemacht und 1200 Unterschriften gegen die neue Steuer gesammelt hatte. Die Hundebesitzer verfolgten die Diskussion im Sitzungssaal, der so überfüllt war, dass zeitweise aus Gründen des Feuerschutzes erwogen wurde, die Sitzung erst gar nicht anzuberaumen.

3500 Euro für 10 Huskys

820 Euro sollten laut dem Beschluss von Dezember Besitzer von Hunden im Jahr an Steuern zahlen, die als „Kampfhunde“ gelten. Sie sind auf einer entsprechenden Rasseliste des Landes verzeichnet und heißen deshalb auch „Listenhunde“. Die hohe Steuer empfindet etwa Evelyn Behrends als reine „Willkür“. Ihre Amerikanische Bulldogge sei nicht gefährlicher als andere Hunde, beteuert die alleinerziehende Mutter. Der Hund stamme noch aus einer Beziehung. Sie könne keine 820 Euro aufbringen,. Aber auch die Besitzer von „normalen“ Hunden machten ihrem Unmut Luft – etwa Karl-Peter Robens aus Türnich. Er fährt gerne Hundeschlittenrennen und nennt zehn Huskys sein Eigen: Nach den ursprünglichen Plänen der Stadt hätte er dafür 3500 Euro zahlen müssen. Bis Ende 2012 waren es noch 1320 Euro.

Nach langem Hin und Her sowie mehreren, teilweise geheimen Abstimmungen setzte sich schließlich eine neue Steuerfestsetzung durch, für die eine Mehrheit aus CDU, Grünen, FDP und BBK/ UWG stimmte: Demnach wird es keine Kampfhundesteuer mehr geben. Für einen Hund müssen jetzt 100 Euro Steuern gezahlt werden. Bei zwei Hunden sind es 130 Euro je Tier, bei drei und mehr Hunden jeweils 160 Euro. Die SPD und der Vertreter des Sozialen Bündnisses Kerpen (SBK) verteidigten dagegen die Kampfhundesteuer. Es gebe viele Menschen, die vor solchen Hunden Angst hätten. Die jedoch hätten anscheinend keine so gute „Lobby“. Durch eine hohe Steuer solle eine Vermehrung von Kampfhunden verhindert werden.

SPD und SBK unterlagen aber im Gegensatz zum Dezember diesmal bei der Abstimmung, weil die BBK/UWG-Fraktion und die FDP-Fraktion ihre Meinung geändert hatten und diesmal auch gegen die Kampfhundesteuer stimmten. Dabei hatte die FDP-Fraktion noch den Vorschlag gemacht, die Kampfhundesteuer nur auf solche Tiere zu begrenzen, die keinen bestandenen Wesenstest vorweisen können. Doch damit konnte sie sich nicht durchsetzen.

61 „Listenhunde“ gemeldet

Unter den rund 4500 registrierten Hunden in Kerpen sollen 61 „Listenhunde“ sowie noch 28 weitere als gefährlich eingestufte Tiere sein, wie die Stadtverwaltung darlegt. Vier Beißattacken seien bei diesen insgesamt 89 Tieren festgestellt worden, was einem Prozentsatz von rund fünf Prozent entspreche. Dagegen liege der Prozentsatz von gefährlichen Vorfällen bei normalen Hunden bei lediglich 0,5 Prozent. Wäre es bei der im Dezember geplanten Besteuerung geblieben, hätte die Stadt Mehreinnahmen von rund 90 000 Euro erzielt.

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