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Rennsport Museum: Villa Trips wieder geöffnet

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Der TCA-Formel-Junior-Rennwagen (links) kostete 1961 rund 12 000 DM. Daneben einer der ersten motorisierten Go-Karts. Foto: Wilfried Meisen
Das Motorsportmuseum Villa Trips hat nun wieder sonn- und feiertags geöffnet. Wie nahe Ruhm und Leid, Sieg und Tod im Motorsport der 1950er und -60er Jahre beieinander lagen, können die Besucher in dem Museum anschaulich erfahren.  Von
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Kerpen-Horrem

90 PS hatte der TCA-Formel-Junior-Rennwagen, der es damit auf 190 Stundenkilometer in der Spitze brachte. Das Gefährt hatte Wolfgang Graf Berghe von Trips gemeinsam mit dem italienischen Ingenieur Valerio Colotti entwickelt. „Jungen Leuten sollte damit zu vertretbaren Kosten der Zutritt zum Rennsport ermöglicht werden“, erläutert Reinold Louis, während die Besucher den schnittigen Rennwagen im Ausstellungsraum der „Villa Trips“ bewundern können. Doch in der Ecke ist auch ein Wrack zu sehen, das ebenfalls mal ein TCA-Formel-Junior-Rennwagen gewesen war: Der Haufen Blech ist das Resultat eines tödlichen Unfalles auf dem Nürburgring anno 1961. „Bruder Leichtfuß“ habe sich damals in der Formel Junior breitgemacht, bedauerte Louis. Die Rennserie sei so rasch wieder eingestellt worden.

Wie nahe Ruhm und Leid, Sieg und Tod im Motorsport der 1950er und -60er Jahre beieinander lagen, erfahren so die rund 50 Mitglieder des Kerpener Heimatvereines, die von Louis zu einem Besuch in die „Villa Trips – Museum für Rennsportgeschichte“ eingeladen worden sind. Die liegt gleich neben der Burg Hemmersbach in Horrem, wo der legendären Renngraf aufgewachsen ist. Louis, Vorsitzender des Vorstandes der Trips-Stiftung, und Hans Paul Beginn, Schatzmeister des Rennfahrergemeinschaft Scuderia Colonia, führen durch die Ausstellung. Die kann erst seit einigen Wochen wieder jeden Sonn- und Feiertag, 14 bis 18 Uhr, besucht werden. Auch Führungen werden regelmäßig angeboten.

Hans Paul Beginn erläutert den Besuchern an einer Fotoserie, wie es zum tödlichen Unfall des Renngrafen beim Formel-1-Rennen in Monza kam.
Hans Paul Beginn erläutert den Besuchern an einer Fotoserie, wie es zum tödlichen Unfall des Renngrafen beim Formel-1-Rennen in Monza kam.
Foto: Wilfried Meisen

„Wir kämpfen ums Überleben“, informiert Louis gleich am Anfang die Besucher. Denn das Museum, das vom Kapital der Trips-Stiftung finanziert wird, rechne sich im Moment nicht, weil die Zinsen, die das Stiftungsvermögen abwirft, in den vergangenen Jahren zu sehr gefallen seien. „Dieses Problem haben viele Stiftungen.“ Doch man führe Gespräche, um das Museum zu retten und sei da zuversichtlich. Ein Teil der Ausstellung wurde an das Prototyp-Museum in Hamburg abgegeben.

Schnell wird den Besuchern klar, dass eine Schließung ein herber Verlust nicht nur für Motorsportfreunde wäre: Denn die Ausstellung informiert nicht nur über das Rennsportgeschehen sondern auch über Zeit- und Adelsgeschichte. Viele Utensilien des Horremer Grafengeschlechtes Berghe von Trips finden sich. „Es gibt schöne alte Möbel hier“, freut sich Besucherin Angelika Drouin. Ehemann Helmut ist von dem alten, schwarzen Telefon fasziniert, das im Arbeitszimmer des Grafen steht, das nachgebaut wurde.

Louis und Beginn wissen viel zu erzählen: etwa, dass der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß als Trips-Fan erwogen hatte, militärische Flughäfen sonntags für Autorennen freizugeben. Oder, dass Graf Wolfgang mit einem aus vielen Teilen zusammengebauten Rennwagen durchs Dorf fuhr, weshalb die Horremer schon von einem „Blätterteig-Porsche“ sprachen. Der Graf starb 1961 bei einem Unfall beim Großen Preis von Monza und riss 15 Zuschauer mit in den Tod. An der Beerdigung in Horrem nahmen Tausende teil. Ein Zeitzeuge notierte: „Ich habe noch nie so viele harte Männer weinen sehen.“

www.automobil-rennsport.de

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