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Schülerverkehr: Beliebter Busfahrer muss gehen

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Busfahrer Heinz Adam Schiffer (v.l.) hatte eigentlich frei, kam aber trotzdem zur Haltestelle und diskutierte mit.  Foto: Meisen
Der Vertrag eines Busfahrers aus Manheim ist ausgelaufen. Er transportierte die Grundschüler des Stadtteils zur Schule. Das ist einigen Eltern so aufgestoßen, dass sie einen Protest und eine Unterschriftenaktion gegen die Kündigung organisierten.  Von
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Kerpen-Manheim

„Wir lieben unseren Busfahrer“, sagen die Schüler Dario und Niklas. „Der ist mit uns schon zu McDonald's oder in die Eisdiele gefahren, war immer lustig und nett zu uns.“ Zur Weihnachtszeit sitzt Heinz Adam Schiffer schon mal als Nikolaus verkleidet hinterm Steuer, auch zu Karneval wirft er sich in ein Kostüm.

Das mögen die rund 20 Manheimer Grundschüler, die am liebsten weiter von ihm zur Grundschule nach Buir gebracht werden wollen.
Doch auch eine Unterschriftenaktion im Ort nutzt nichts. Schiffer, der seit der Schließung der Manheimer Grundschule vor anderthalb Jahren mit seinem eigenen Bus mehrfach am Tag die Schüler zwischen Manheim und Buir hin- und her befördert, hatte am 31. Januar seine letzten Arbeitstag. Denn sein Subunternehmer-Vertrag mit dem Unternehmen „Kathi-Reisen“ ist ausgelaufen und zur Überraschung von Eltern und Schülern nicht verlängert worden. „Kathi-Reisen“ ist von der Stadt seit anderthalb Jahren mit der Beförderung der Manheimer Grundschüler beauftragt.

Besonders fürsorglich

Dass der beliebte Schiffer, der in seiner Freizeit Tambourmajor im Tambourkorps Einigkeit Berrendorf ist, gehen muss, hat in Manheim für einige Unruhe und Proteste gesorgt. Dachdecker Denny Sagel etwa hat im Ort Unterschriften gegen die Kündigung des Vertrages mit Schiffer gesammelt. Den hätten die Eltern als „besonders verantwortungsbewussten, fürsorglichen und umsichtigen Busfahrer“ für ihre Kinder kennen- und schätzen gelernt, sagt Sagel. Die Grundschule in Buir bestätigt dies: „Schiffer hat sich immer super gekümmert“, heißt es da. Er sei sogar in die Schule reingegangen und habe nach den Kindern gesucht, wenn eines nicht an der Haltestelle erschienen sei.

Am 1. Februar, 7.20 Uhr, gab es an der Bushaltestelle am Marktplatz einen kleinen Auflauf, als die Schüler zum ersten Mal mit dem neuen Bus fahren sollten. Die dort mit ihrem Nachwuchs erschienen Eltern waren sich uneins darüber, ob sie den neuen Bus akzeptieren sollten. Schließlich kam auch noch Schiffer selber dazu und diskutierte fleißig mit. Sein Tenor: „Das sind meine Kinder, ich war den ganzen Tag für sie da. Das ist mein Herzblut.“ Seinen eigenen Bus hatte Schiffer gleich um die Ecke geparkt. Falls der neue Bus boykottiert worden wäre, er wäre zur Stelle gewesen.

So weit kam es aber nicht – auch weil Schiffer schließlich selber die Kinder aufforderte, in den neuen Bus zu steigen: Das fanden schließlich auch die Mütter Simone Schauff und Sabine Mertens gut. Zwar lobten auch sie Schiffer, der ihren Kindern gutgetan habe. Doch der Protest gegen seine Ablösung sei etwas aus dem Ruder gelaufen. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder aufgefordert werden, nicht in den neuen Bus zu steigen.“ Das gehe zu weit. „Wir sind ja froh, wenn es überhaupt einen Schulbus nach Buir gibt.“

Eigene Mitarbeiter

Bei der Stadt wird die Sache ganz nüchtern gesehen: Wie Kathi-Reisen den Schulbusverkehr organisiere und wen das Unternehmen damit beauftrage, könne die Stadt nicht beeinflussen, so Sprecher Erhard Nimtz: „Für uns ist wichtig, dass der Schulbusverkehr geregelt ist.“

Kathi Überall, Inhaberin von „Kathi-Reisen“, verweist darauf, dass es nichts Besonderes sei, wenn ein bestehender Vertrag nach seinem Auslaufen nicht verlängert werde. Sie habe sich eigens einen neuen Bus angeschafft, um den Schülerverkehr von Manheim nun selber mit ihren Mitarbeitern bewältigen zu können. Auch die würden nett zu den Kindern sein, verspricht sie: „Zu Weihnachten wollen wir im Bus Adventsstrümpfe mit Süßigkeiten aufhängen.“

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