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Umsiedlung: Im Frühjahr soll es richtig losgehen

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Auch im Winter wird an den Häusern in Manheim-neu weitergebaut. Vier Gebäude sind bereits bezogen. Foto: Meisen
Seit drei Wochen kommt die Post, denn die ersten vier Häuser sind bezogen in Manheim-neu. 30 weitere Behausungen sind aktuell im Bau. Doch im Frühjahr wird es im Umsiedelungsort richtig losgehen mit den Neubauten.  Von
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Kerpen-Manheim-neu

Briefzusteller Rolf Krokowski zieht mit dem gelben Bus eine Runde durch Manheim-neu. Im Umsiedlungsort werden seit drei Wochen Briefe und Pakete zugestellt. „Viel ist es noch nicht, ich habe ungefähr zehn Sendungen am Tag“, erzählt Krokoski. Bei vier Häusern, die erst bezogen sind, sei aber nicht mehr zu erwarten. „Alle bewohnten Häuser liegen am Römerweg.“ Der kann sich so die Keimzelle des neuen Manheim nennen, auch wenn am Umsiedlungsstandort zwischen Kerpen und Blatzheim auch an anderen Ecken schon gebaut wird. Die Erschließung aller Baugrundstücke ist abgeschlossen. Die Firma Strabag, die das Wege-, Kanal- und Leitungsnetz im Auftrag von RWE gebaut hat, ist mit ihren Mitarbeitern schon abgezogen. Auch die Ansammlung an Bürocontainern am Ortseingang wurde bereits wieder abgebaut. Von hier aus hatte die Strabag die Erschließungsarbeiten koordiniert. Rund 30 Häuser sind im Moment im Bau.

Postbote Rolf Krokowski stellt seit drei Wochen die Briefe und Pakete im neuen Ort zu. Bislang sind vier Häuser bezogen.
Postbote Rolf Krokowski stellt seit drei Wochen die Briefe und Pakete im neuen Ort zu. Bislang sind vier Häuser bezogen.
Foto: Meisen

Rasch sollen es mehr werden: „Im Frühjahr wird es richtig losgehen“, schätzt Erhard Nimtz, Sprecher der Stadtverwaltung. Zur Zeit lägen bei der Stadt 86 Bauanträge vor, die schon genehmigt seien oder noch bearbeitet würden. Auch solle dieses Jahr noch mit dem Friedhof als erster öffentlichen Einrichtung und mit der neuen Kreisstraße zwischen Bergerhausen und Dorsfeld begonnen werden. Über die wird Manheim-neu besser ans Straßennetz angebunden. Besonders die neue geplante Autobahnanschlussstelle Elsdorf, die bei Kerpen-Geilrath gebaut wird, soll so besser erreichbar sein. Gerüstbauer Willi Frohmann und seine Kollegen können nicht bis zum Frühjahr warten: Sie müssen jetzt im Winter ein Gerüst an einem Einfamilienhaus hochziehen, das im Rohbau schon steht: „Das Wetter ist im Moment schlimm. Hier ist alles noch frei, und so weht ein eiskalter Wind“, berichtet Frohmann. Er sei mit seiner Firma öfter in Manheim-neu beschäftigt und so schon entsprechend abgehärtet.

Inge und Heinz Jakob Breuer lassen gerade ihr neues Wohnzimmer tapezieren und anstreichen. In wenigen Tagen wollen sie einziehen.
Inge und Heinz Jakob Breuer lassen gerade ihr neues Wohnzimmer tapezieren und anstreichen. In wenigen Tagen wollen sie einziehen.
Foto: Meisen

Aber auch anderswo in Manheim-neu wird draußen gearbeitet und gefroren: „Es zieht wie Sau“, beklagt sich so auch Dirk Fuchs, der mit einem kleinen Bagger für seine Firma Probelöcher produziert und sie hinterher wegen der Niederschläge mit einer Plane abdeckt. „Wir müssen wissen, wie der Untergrund ist“, erklärt er. „Sobald es wieder wärmer ist, fangen wir nämlich mit dem Bau von Fußwegen und mit der Bepflanzung an.“
Auch im kleinen Gewerbegebiet, das direkt auf beiden Seiten der Kreisstraße 17 entsteht, tut sich etwas. Armin Pettke, Mitarbeiter einer Bergheimer Baugesellschaft, überwacht dort die Errichtung einer Firmenhalle für die Manheimer Elektroinstallationsfirma Braun, die wie eine Reihe anderer Manheimer Unternehmen mit umsiedeln wird. „Das ist dann wohl das erste gewerbliche Gebäude im neuen Ort“, sagt er. An die alte Heimat denken Georg Gans (84) und Heinz-Otto Sürth (86) noch mit Wehmut zurück. Seit ein paar Tagen wohnen die beiden Schwäger mit ihrer Familie in einem Doppelhaus, Nachbarn gibt es bislang kaum: Ob sie sich schon wohlfühlen? „Was ist das für ein Gefühl, wenn man vertrieben wird?“, entgegnet Georg Gans. „Es ist schwer.“ Sürth pflichtet ihm bei: „Das alte Manheim fehlt.“ Sie hoffen darauf, dass sich das neue Dorf im Frühjahr mit Leben füllen wird und auch viele alte Nachbarn, Freunde und Bekannte dann wieder in der Nähe wohnen.

Franz-Otto und Gisela Jusen wollen im April umsiedeln. „Sie lassen gerade in ihrem neuen Haus die Fliesen verlegen und räumen selber ein bisschen auf. Gerade schleppen sie einen dicken Stein, der im Haus nicht mehr gebraucht wird, ins Auto. „Morgen kommen die Türen.“ Heinz Jakob und Inge Breuer wollen schon bald in Manheim-neu wohnen. „Wir werden Samstag in einer Woche umziehen“, erzählen sie. Heinz-Jakob Breuer ist 71 Jahre alt. Da sei es wichtig, möglichst früh mit umzusiedeln. „Sonst läuft einem die Zeit davon.“ Gerade wird ihr neues Wohnzimmer tapeziert und gestrichen, das schon wohltemperiert ist: Dass sie am Umzugstag auch einen Telefonanschluss haben werden, glaubt Heinz-Jakob Breuer nicht. „Wir sind bei Netcologne und haben denen schon lange per Fax und per E-Mail mitgeteilt, wann wir umziehen. Ich denke aber nicht, dass es klappt.“

Ein Nachbar musste schließlich drei Monate auf seinen Telefon- und Internetanschluss warten. Woran es hapert, soll jetzt in Gesprächen mit den Telefongesellschaften geklärt werden. Das Thema sei auch für die Stadt ärgerlich, betont Nimtz: „In jedes Haus ist schon eine Telefonleitung verlegt worden. Es geht jetzt nur noch um die Anbindung an das weitere Netz.“
Abgesehen vom Telefon klappe es mit der Umsiedlung aber gut, findet Breuer. „Wir sind zufrieden.“ Im fast fertigen Haus konnte so schon eine Premiere gefeiert werden. „Heute haben wir zum ersten Mal gekocht. Es gab gefüllte Schweinerouladen mit Röstis und es hat gut geschmeckt.“

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