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„Das Lädchen“: Geschäftemachen gegen die Not

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Hildegard Oschika (r.)
Verkaufen für einen guten Zweck: Vereinsvorsitzende Hildegard Oschika (r.) und Mitarbeiterin Silvia Kleinebeckel. (Bild: Hennes)
Köln

„Ein Hauch von Tradition und alter Familienatmosphäre umweht alle diese lange gehüteten Kostbarkeiten, Schmuck, Tafelsilber, oft noch mit dem Namenszug der Ahnen, geschliffene Gläser, gestickte Decken, auch einfache Gebrauchsgegenstände, Tisch- und Bettwäsche.“ So fasst Paula Müller-Schaffrath in ihrer 1977 verfassten Chronik zusammen, was „Das Lädchen“ in der Neven-DuMont-Straße ausmacht. In diesen Tagen hat es sein 90-jähriges Bestehen gefeiert.

Im Februar 1922 wurde sein Träger, der gemeinnützige „Frauenverein für Verkaufsvermittlung von Wertgegenständen aus Privatbesitz“, von engagierten Frauen gegründet; federführend war Adele Meurer. Das Ziel war, Kölner Familien zu helfen, die in der Weltwirtschaftskrise in Not geraten waren. Sie konnten Kostbarkeiten wie Schmuck, Silberzeug und edle Porzellane dank Vermittlung des Vereins von Fachleuten taxieren lassen, und wenn sie mit dem Preis einverstanden waren, wurden die Sachen von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen verkauft. Der Erlös geht an den Anbieter.

Genau so funktioniert das „Lädchen“, das 1922 am Quatermarkt eröffnete und nach mehreren Umzügen 1958 in den Laden nahe des Appellhofplatzes wechselte, bis heute. Die Einrichtung sei „einmalig in der Bundesrepublik“, schrieb Paula Müller-Schaffrath, von 1964 bis 1982 Vereinsvorsitzende .

In der Vorstandsgeschichte tauchen bekannte Namen auf wie Brügelmann, von Oppenheim, Neven DuMont und Haubrich. Seit August 2000 führt Hildegard Oschika den Verein. Nach wie vor, sagt sie, gelte der Leitsatz: „Im Lädchen wird nicht verdient, sondern geholfen.“ Wer Dinge aus Privatbesitz veräußert, erhält den Betrag, der dem Verkaufspreis entspricht. Mit dem Aufschlag, den der Käufer zahlt, deckt der Laden seine laufenden Kosten. Vier Frauen sind in Teilzeit angestellt, dazu kommen 35 Ehrenamtlerinnen.

Die Ware stamme etwa von Menschen, die „sich kleiner setzen“, in ein Altenheim umziehen oder ihren Kindern Bargeld schenken statt Habseligkeiten vererben wollen. Das Sortiment reicht von alter, jahrzehntelang gehüteter Aussteuerware über Porzellanfiguren bis zu Besteck; den größten Anteil macht aber der in Kommission genommene Schmuck aus. In einer ersten Begutachtung im Büro wird entschieden, ob die Gegenstände kostbar genug sind. Bei positivem Ergebnis wandern die Dinge weiter zum Taxator, vom Goldschmied bis zum Kunsthistoriker.

Wenn das „Lädchen“ am Ende des Jahres einen Überschuss erwirtschaftet, wird dieser an soziale Einrichtungen gespendet. In den zurückliegenden Jahren waren das insgesamt mehr als 18 000 Euro, die unter anderem an das Hospiz für palliative Therapie in Köln. „Das Lädchen“, Neven-DuMont-Straße 17–19, ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr offen.

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