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Freiluga: Nachhilfe in Sachen Natur

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Freiluga Erpenbeck 01 2012
Unterricht zum Anfassen machte Angelika Burauen - hier mit dem Huhn Emma - fast zehn Jahre lang in der Freiluga. (Bild: Erpenbeck)
Müngersdorf

"Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen." Dieses vom griechischen Philosophen Heraklit (um 520 vor Christus bis um 460 vor Christus) stammende Zitat sei stets ihr Wahlspruch gewesen, sagt die aus dem Dienst scheidende Freiluga-Lehrerin Angelika Burauen. Und am besten springe der Funke über, "wenn Kinder mit allen Sinnen lernen". Die Freiluft- und Gartenarbeitsschule der Stadt Köln, von allen nur Freiluga genannt, sei dafür der perfekte Ort.

Auf dem 4,8 Hektar großen Gelände in Müngersdorf gibt es Tiere von der Honigbiene über Kaninchen und Schildkröten bis hin zu einer schier unüberschaubaren Insektenvielfalt. In den Gemüse-, Obst- und Ziergärten können die Kinder praktisch arbeiten. Bäume und Wiesen laden zum Klettern und Ausruhen ein.

Freiluga Erpenbeck 02 2012
Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte die Freiluft- und Gartenarbeitsschule 1925 gegründet.

Natur für rund 8000 Stadtkinder im Jahr

Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte die Schule 1925 gegründet - als Einrichtung der damals modernen Reformpädagogik. Stadtkinder sollten und sollen dort nach wie vor Kontakt mit der Natur kommen. Burauen brachte in den vergangenen fast zehn Jahren rund 8000 Kinder jährlich aus allen Kölner Schulen Wissenswertes über Flora und Fauna bei. Zunächst gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Heinrich Knüttgen, danach mit ihrer Kollegin Anne Bruchhaus.

Bevor Angelika Burauen hierfür freigestellt worden war, hatte sie als Sonderschullehrerin an der benachbarten Belve, einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, unterrichtet. Jetzt ging die 65-Jährige in Pension.

Beeindruckende Darstellungen von Hühnern

Den letzten Unterrichtstag in der Freiluga widmete sie dem Federvieh, speziell dem Rodeländer Haushuhn. Dann wurde sie von vielen ihrer Weggefährten gebührend mit einer Überraschungsfeier verabschiedet.

"Wisst ihr, wie ein Huhn aussieht?" fragte sie zunächst die Zweitklässler der katholischen Grundschule Gutnickstraße. "Ja" schallt es mehrstimmig zurück. "Dann malt mir mal eins", sagte darauf Burauen. Viele Male hat sie so ihren Unterricht begonnen - und dabei beeindruckende Darstellungen von Hühnern erhalten.

Oft nur wenig Wissen

Die schönsten und die ungewöhnlichsten hat sie gesammelt. Bilder von kunterbunten Hühnern mit vier Beinen, mit Fell, manche auch mit Schlappohren. "Von der Fantasie bin ich jedes Mal beeindruckt. Aber leider machen solche Bilder auch deutlich, dass es bei den Stadtkindern mit dem Wissen um die Natur oft nicht weit her ist. Und die vergangenen zehn Jahre sind die Kenntnisse eher noch zurückgegangen", bedauert sie. Umso wichtiger sei die Zukunft der Freiluga.

An diesem Morgen aber hatte sie schon ganz gut informierte Kinder zu Besuch. Die Grundschüler lernten, wie viele Eier ein Huhn legt (im Jahr 150 bis 260 Stück), was es frisst, dass es Farben sehen kann und wie es artgerecht gehalten wird. Und sie erlebten ein echtes Huhn. Im Unterricht bekam Burauen Verstärkung von der braunen Emma. Sie ist eines von insgesamt sieben Hühnern, die mit ihrem Hahn Konrad auf dem Gartengelände leben.

Was war zuerst da, Henne oder Ei?

Als es am Ende des Unterrichts um Brauens Lieblingsfrage ging - Was war zuerst da, Henne oder Ei? - konnten auch die Kinder nur mutmaßen. Die Lehrerin trug den Kindern auf, daheim Interviews zum Thema zu führen und ihr die Ergebnisse zu schicken.

Eindeutig zu beantworten sei die Frage aber nicht, sagte Angelika Burauen dazu, als die Mädchen und Jungen nicht hinhörten: "Naturgeschichtlich gesehen war weder das Huhn noch das Ei plötzlich einfach da, beide sind das Ergebnis einer viele Millionen Jahre langen Evolution."

Viele Pläne für die Zukunft

Sichtbar traurig waren die Schüler der KGS Gutnickstraße, als sie sich von Burauen, ihrer "Frau Luga", verabschiedeten. Diesen Spitznamen trägt sie, seit ein Mädchen, das bei ihr im Unterricht gewesen war, sie beim zufälligen Wiedersehen in einem Supermarkt so genannt hatte. Ihre Freunde vom Förderverein, darunter Karin Imdahl, Dorothea Erpenbeck, Roland Schüler und Hildegard Jahn-Schnelle überreichten ihr den ersten Frau-Luga-Freiluga-Orden. Gleichzeitig läuteten sie damit eine neue Ära der Umweltbildung rund um die Freiluga ein. "Wir wollen gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Müngersdorf-Mensch-Umwelt-Natur (IMMUN) ein ergänzendes Angebot zur Freiluga-Schule auf den Weg bringen", kündigte Erpenbeck an. Zurzeit erarbeiten die Initiativen ein Programm, bestehend aus Vorträgen, Seminaren und Workshops. "Die Kinder fragten mich so oft, ob sie in der Freiluga schlafen dürften. Vielleicht können wir das in Zukunft ja realisieren, verbunden mit einer Nachtexkursion", sagte Burauen, die der Freiluga im Förderverein erhalten bleibt.

Nachfolger der 65-Jährigen im Amt ist der Kölner Realschullehrer Nikolas Wiese. Er kennt die Freiluga, die Burauen immer "den schönsten Lernort Kölns" nannte, schon aus seiner Referendarzeit. Damals hospitierte er dort. Er freut sich nun schon auf die künftige Zusammenarbeit mit Burauen im Förderverein.

Sie hatte vor Jahren schon damit begonnen, alte Obst- und Gemüsesorten anzupflanzen. Seitdem bleiben in den Sommer- und Herbstmonaten die mitgebrachten Butterbrote oft in den Taschen der Kinder. Viel lieber gehen sie selbst etwas ernten, um es danach mit großem Appetit zu essen. Unterricht mit allen Sinnen eben.

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