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Gutenmorgenköln: Gruselbesuch im Kölner Zoo

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Halloween im Kölner Zoo
Schon am frühen Abend strömten die Massen in den Kölner Zoo. (Alle Bilder: Jo Schwarz)
Riehl

Wir wollten uns gruseln. Unsere Tochter hat sich ein Hexenkostüm angezogen. Mein Mann hat schon morgens den Kürbis ausgehöhlt. Das, was uns dann bei der Halloween-Feier im Kölner Zoo erwartete, übertraf aber all unsere Vorstellungen. Der Weg vom Parkhaus über die Behelfsbrücke zum Zooeingang glich einer Pilgerreise ins heilige Land. Nur dass die Kostüme untypisch waren. Protestaktion der Toten. Wir fordern mehr Platz im Sarg! Vor dem Eingang blitzte uns kurz der Gedanke "Wir gehen wieder" durch den Kopf. Die Menschenmenge stand bis zur Straße. Tausende kleine Geister, Mütter, Väter, Betreuer. "Wir schreiben euch allen die Telefonnummer in die Hand. Dann könnt ihr anrufen, falls ihr abhanden kommt", schärft eine Betreuerin ihren Siebenjährigen ein. "Ich will zum Gruseln", kreischt eine gut einen Meter große Spinne, während Mama sie über die Schulter legt und wieder abzieht. Ich denke fieberhaft über ein Alternativprogramm nach. "Kino, Lauras Stern. Fünf Bücher vorlesen. Nachtwanderung mit Stirnlampe im Wald. Zehnmal Flugzeug durch die ganze Wohnung. McDonalds." Aber unsere Tochter will: "Zum Gruseln!"

Also stehen wir an. Geister im Schneckentempo. Nach zehn Minuten finden wir Kasse fünf. Sie ist ein bisschen abgelegen. Sie ist unsere Rettung. Wir stehen nur zwanzig Minuten an. Dann nochmal zehn Minuten am Eingang. Als wir drin sind, ist die Stimmung gruselig. Unterirdisch. Vampire bei Sonnenschein sind Scherzkekse dagegen. Eine Frau hat mir ihre Banane an den Hexenhut geschmiert. Unsere Tochter bockt, weil sie nicht als erste durch die Drehtür gehen durfte. Mein Mann hat eine Kindergruppe im Nacken, die seit einer halben Stunde den Käuzchenruf übt.

Erst beim Hexenfeuer beruhigen wir uns wieder ein wenig. Der größte Geisterauflauf lichtet sich. Das Familienurteil, heute keinesfalls mehr anzustehen, nicht bei der Geisterbahn, nicht bei den Gruselgeschichten und nein, auch nicht beim Kinderschminken, entspannt uns. Das Feuer knistert. Es riecht gut. Eine Statue sieht im lilafarbenen Scheinwerferlicht von Unten zum Fürchten aus. Hohle Augen, spitze Brauen, ein versteinerter Mund. Die anwesenden Insekten, Hexen und Gehenkten des Zoopersonals sind auf gruselige Art freundlich. Wir lassen die Geisterbahn hinter uns (zehn Meter Schlange), den Zauberer (Stehen in der zwölften Reihe), das Spektakel "Unsichtbares sichtbar machen" (sechs Meter Schlange), den Eulenturm (gefühlte fünfhundert Menschen um eine Eule) und auch das Kinderschminken (zwölf Meter Schlange bei der Abstempelstation, dann nochmal sechs Meter vor dem Schminktisch). Eine befreundete Familie, mit der wir verabredet waren ruft an: "Wir finden keinen Parkplatz. Wir suchen seit über einer Stunde. Uns reichts. Wir fahren heim." Unsere Tochter heult, weil ihre Freundin nicht kommt. "Sie ist als Spinne verkleidet!"

Ganz hinten, am Ende wird das Theaterstück "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" aufgeführt. Wir rechnen mit fünfzehn Metern Schlange. Ich sage zu meiner Tochter: "So toll ist das Märchen jetzt auch nicht." Mein Mann sagt: "Wenn zu viele anstehen, gehen wir nach Hause. Und du bekommst noch irgendwo ein Eis."

Und dann? Der freundliche Vampir am Eingang winkt uns durch. Wir laufen, wir rennen in den Saal. Wir bekommen noch Sitzplätze in der vorletzten Reihe. Keine Schlange. Kein Warten. Nur ein Teufel mit drei goldenen Haaren. Der Abend ist gerettet.

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