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Hinter den Kulissen: Ein Fußballspiel dauert drei Wochen

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FC-Fans
FC-Fans beim 2:0-Heimsieg des 1. FC Köln gegen Hannover 96. (Bild: Worring)
Köln

Ein Spiel dauert drei Wochen – jedenfalls für die Polizei. Das verdeutlicht ein Blick auf das Einsatzdiagramm vor dem Heimspiel des 1. FC Köln gegen Hannover 96.

17 Tage vor dem Anpfiff beginnen die Vorbereitungen für die Sicherheit rund um das Bundesligaspiel am Sonntag. Die so genannten szenekundigen Beamten (SKB) der Kölner Polizei haben sich mit ihren Kollegen in Hannover in Verbindung gesetzt, haben abgefragt, wie viele Problemfans voraussichtlich nach Köln reisen werden. In den folgenden Tagen klären Polizei, Bundespolizei, KVB, der private Stadion-Wachdienst, die Fanbeauftragten, Vertreter der Fanprojekte und der Verein in zahlreichen Gesprächen die Details.

Die Polizei überlegt, mit wie vielen Einsatzkräften sie planen muss. Die Bundespolizei teilt mit, in welchen Zügen die Fans aus Hannover vermutlich anreisen undvon wo nach wo sie die Problemfans begleiten wird. Die KVB plant zusätzliche Bahnen ein. Fanbetreuer steuern Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der Szene bei. „Ein solches Event mit 50.000 Zuschauern ist ein Gesamtkunstwerk“, sagt Volker Lange.

Hannover ist kein Risikospiel

Seit einem knappen Jahr leitet der 50-jährige Polizeioberrat die Einsätze bei Fußballspielen in Müngersdorf. An diesem Sonntag um 13 Uhr sitzt Lange entspannt in seinem Büro auf der Wache in Ehrenfeld, Venloer Straße. Die Vorarbeit ist geleistet, in viereinhalb Stunden ist Anpfiff. Anders als die Partien gegen Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen wird die Begegnung gegen Hannover 96 nicht als Risikospiel eingestuft. Dennoch rechnen die szenekundigen Beamten mit etwa 140 Problemfans aus Hannover.

Auf Kölner Seite erwartet die Polizei knapp 250 so genannte „Event-orientierte“ Stadionbesucher – potenzielle Krawallmacher, die einem Streit nicht aus dem Weg gehen würden. „Alle übrigen wollen ein friedliches Fußballspiel erleben, und wir sorgen für die Rahmenbedingungen“, sagt Lange. Vor zwei Jahren hatte die Polizei 40 gewaltbereite Rocker aus Hannover festgenommen, die mit Hannibal-Lecter-Masken und mit Quarzsand befüllten Handschuhen eine Kneipe an der Aachener Straße überfallen wollten.

13.30 Uhr: In einem Konferenzraum auf der Wache in Ehrenfeld treffen sich die szenekundigen Beamten aus Köln und Hannover zur Einsatzbesprechung. „Das Tagesziel ist, dass wir alle gesund nach Hause kommen“, formuliert es der Besprechungsleiter. Sein Kollege lässt sich per Handy von einem Beamten der Bundespolizei die Situation im Zug schildern. Die 140 Hannoveraner werden um 14.38 Uhr in Deutz einfahren. Dort stünde ein Zug der KVB bereit, der sie problemlos ins Stadion bringen könnte. Aber die Bundespolizisten haben mitbekommen, dass die Fans zum Hauptbahnhof fahren und einen Stadtbummel unternehmen möchten. „Dann müssen wir sie eben da empfangen und zum Neumarkt dirigieren“, sagt Lange. Auch die KVB plant um.

14.00 Uhr: Volker Lange und sein Stellvertreter Ralf Remmert fahren zum Stadion. Ihr Ziel: Die „Regiezeile“ in der Osttribüne. Hier sitzen Polizei, Wachdienst und Stadionsprecher in mehreren Büros nebeneinander – mit Blick ins Stadion. Zwei Hundertschaften aus Bonn und Aachen sind heute im Einsatz. Lange weist deren Chefs in die Lage ein.

14.45 Uhr: In der „Regiezeile“ sitzt Hauptkommissar Michael Schmidt vor 13 großen Monitoren. Insgesamt 48 fest installierte Kameras überwachen das Geschehen vor und im Stadion. Per Joystick kann Schmidt jede einzelne bewegen, kann Ausschnitte heranzoomen, einzelne Sequenzen aufzeichnen oder Standbilder ausdrucken. Heute soll er helfen, einen Kölner Stadionbesucher ausfindig zu machen, gegen den die Staatsanwaltschaft Gelsenkirchen wegen eines Becherwurfs beim Auswärtsspiel des FC auf Schalke ermittelt. Der Vorwurf: Körperverletzung. Sollte Schmidt den Mann entdecken, würden Beamte der Hundertschaft ihn in einem ruhigen Moment ansprechen und seine Personalien feststellen. „Dann kann wieder gehen und das Spiel gucken“, erklärt Lange, „wir machen das alles völlig unaufgeregt.“ Doch der Gesuchte lässt sich nicht blicken.

15.15 Uhr: Auf ihrem Stadtspaziergang sind die 140 Hannoveraner inzwischen in der Spichernstraße gelandet, diskret begleitet von der Polizei. Als die Beamten erfahren, dass die Hannoveraner eine Stammkneipe von Kölner Fußballfans im Belgischen Viertel suchen, eilen Beamte voraus und erkunden die Lage. Schnell geben sie Entwarnung, das Lokal ist leer. Es bleibt friedlich. Vom Neumarkt schickt die KVB ihre Sonderbahn zum Rudolfplatz, von wo die Hannoveraner zum Stadion fahren.

16.30 Uhr: Im „Kurvengespräch“ in der „Regiezeile“ mit Fanbetreuern beider Vereine und dem FC-Fanbeauftragten Rainer Mendel zieht Lange ein erstes zufriedenes Fazit – keine besonderen Vorkommnisse. Das ändert sich eine Stunde später: Kurz nach Anpfiff laufen fünf verletzte Fans aus Hannover Polizisten auf der Vorwiese in die Arme. Sie seien von 25 Kölnern überfallen und verprügelt worden. Es bleibt der einzige Zwischenfall an diesem Nachmittag.

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