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Homosexuelle Tiere: CSD im Kölner Zoo

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Schwule Tiere
Pinguine sind monogam - hat sich im Zoo ein Männchen-Paar gefunden, bleiben beide einander treu und bebrüten sogar Steine. (Bild: Grönert)
Riehl

Tiemen versteht sich gut mit Männchen und mit Weibchen seiner Gattung. Er neckt sich mit beiden - und wählt auch beide als Sexualpartner. Tiemen ist ein Okapi im Kölner Zoo, ein Paarhufer aus der Familie der Giraffenartigen. Sein Verhaltensmuster ist nicht ungewöhnlich. Viele Tiere zeigen homosexuelles Verhalten oder sind wie Tiemen bisexuell. Früher wurde Homosexualität im Tierreich „nur als Randrauschen“ wahrgenommen, erklärt Zoobegleiterin Birgit Schäfer. Heute hingegen sei dies ein spannendes Thema, das jetzt Anlass zu einer besonderen Zooführung gibt.

Verhalten früh dokumentiert

Tiemen und seine bisexuellen Artgenossen stehen im Zoo in der Nähe der Zebras, für die es in Köln seit einigen Jahren eine reine Hengstgruppe gibt. Grund war die isolierte Stellung der Zebrahengste. „Sie waren die Verstoßenen - noch nicht reif genug für die Weibchen“, erklärt Birgit Schäfer. Die Zoobegleiterin schildert das „Schulhofgehabe“ der Hengste, die bei Kämpfen gegeneinander ihre Stärke beweisen können. Wenn sie dann das erste Mal auf Stuten treffen, werden sie aufgrund ihrer Durchsetzungsstärke sofort akzeptiert.

Ganz im Gegensatz zum Onager im Gehege nebenan. Der asiatische Esel hat das Kämpfen gegen Geschlechtsgenossen nie geübt und kann sich jetzt nicht behaupten. „Der kriegt keine Schnitte“, sagt Schäfer. Rein männliche Tiergruppen können also von Vorteil sein, folgert sie.

Das dabei beobachtete homosexuelle Verhalten sei seit den 1950er Jahren dokumentiert, erinnert Birgit Schäfer an Schilderungen „eindeutiger Paarsituationen“ bei männlichen Giraffen. Damals sei das als Revierverhalten gedeutet worden - absurd, findet die Zoo-Begleiterin. Schließlich könne man evolutionäre Entwicklungen nicht einfach übersehen. Heutzutage werde im Zoo Homosexualität in verschiedenen Abstufungen betrachtet: Zeitweise homosexuelles Verhalten mit und ohne sexuelle Interaktion und permanent homosexuelles Verhalten.

In der schwülen Luft des Regenwaldhauses zeigt Schäfer die Bonobos aus der Gruppe der Menschenaffen. Sie gehen besonders offensiv mit ihrer Sexualität um und kompensieren Stress mit Sex - sowohl homo- als auch heterosexuell. Wer mit wem, scheint dabei Nebensache zu sein. Auch Vögel gehen den Beobachtungen in Zoo zufolge häufig gleichgeschlechtliche Beziehungen ein. Birgit Schäfer berichtet über Pinguine, die monogam leben. „Wenn sie sich einmal entschieden haben, ist daran nichts mehr zu ändern“, sagt die Zoobegleiterin und erinnert an einen viel beachteten Fall im Bremerhavener Zoo: Dort blieben schwule Pinguinpaare selbst dann zusammen, als weitere Weibchen hinzugeholt wurden. In Ermangelung von Eiern hätten die Männerpaare Steine bebrütet.

Im Kölner Zoo haben rein weibliche Flamingo-Paare eine entschieden erfolgreichere Taktik entwickelt, um Jungtiere aufzuziehen. Sie stehlen die Eier von Artgenossen und bebrüten sie selbst. Jedoch kann dieses Verhalten auch zu Problemen führen, wie bei Möwen beobachtet wurde. Weibliche Tiere paaren sich mit Männchen, vertreiben sie anschließend und brüten als weibliches Paar sämtliche Eier aus. Für die Weibchen bedeutet das später doppelt so viele hungrige Schnäbel, die gefüllt werden müssen. Das führt zu kleineren Jungtieren im Vergleich zum Nachwuchs heterosexueller Möwen-Paare.

Birgit Schäfer und das Team der Tierpfleger sind nach jahrelangen Beobachtungen überzeugt, es sei durchaus kein widernatürliches Verhalten, wenn sich Tiere mit dem gleichen Geschlecht paaren - allenfalls die Gründe dafür seien noch nicht eindeutig geklärt. Zum Christopher-Street-Day wird das erstmals Thema einer Führung.

Die Führung „Homosexualität im Zoo“ mit Drag-Queen Julien Voyage beginnt am Samstag, 3. Juli, um 14 Uhr, Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Termine anlässlich der Gay Games: 4. und 5. August, 12 Uhr, Anmeldung im Internet.

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