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Karnevals-Check: Brandgefährliche Maskerade

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Produkttester
Ernstes Geschäft mit jecker Ware: Daniel Fischer, Produkttester der Bezirksregierung Köln, hat in dieser Session gemeinsammit einem Kollegen 250 Karnevalsartikel untersucht. Jeder vierte hatte Mängel. (Bild: Kraniqi)
Köln. 

Ohne Feuerzeug geht Daniel Fischer dieser Tage nicht zur Arbeit. Auf dem Parkplatz eines Outlet-Verkaufs für Karnevalsartikel reißt der Produktkontrolleur der Bezirksregierung die Packung eine rweißen Kinderperücke auf und hält sie über die Flamme. Sofort kräuselt sich das künstliche Haar, dann zerfrisst das Feuer langsam die gesamte Perücke. „Der Artikel muss sofort aus dem Verkauf genommen werden“, ordnet Fischer an und verstaut das Beweismittel in einer Tüte. Denn in Brand geraten dürfen Perücken nicht.

Auch in dieser Session ist die Bilanz der Kontrolleure ernüchternd. Rund 250 Karnevalsartikel sind überprüft worden, jeder Vierte wies Mängel auf. Besonders häufig entsprachen Perücken, falsche Bärte, Masken und Spielzeugpistolen nicht den Anforderungen. Bei Masken fehlten oft Luftschlitze, so dass Erstickungsgefahr besteht, Pistolen knallten zu laut und Bärte waren zu leicht entzündbar.

Daniel Fischer und sein Kollege Peter Imbusch müssen bei ihrer Kontrolle in einem Geschäft am Kölner Stadtrand nicht lange nach Mangelhafter Ware suchen. An einer Kleiderstange hängen auf mehreren Metern Länge Kinderkostüme: Biene Maja, Indianer, Clown. Die Umhänge haben eine gefährliche Gemeinsamkeit: Sie lassen sich nur mit zwei Schnüren am Hals verschließen. „Kinderkostüme dürfen bis Größe 134 keine Schnüre am Hals haben“, belehrt Fischer die Geschäftsführerin und bietet ihr an, die verbotenen Bändchen einfach abzuschneiden.

Notgedrungen wird sie später zur Schere greifen. Mehrfach haben sich bereits Kinder auf tragische Weise an Schnüren von Kleidungsstücken stranguliert. Seit 2005 verbietet eine europäische Norm deshalb generell solche Bändchen. „Ich hätte gedacht, dass die Kontrollen dieses Jahr etwas besser ausfallen, weil wir voriges Jahr schon einiges beanstandet haben. Das ist aber nicht so“, stellt Fischer fest.

Bei den verbotenen Artikeln handele es sich oft um alte Ware, die längst nicht mehr produziert wird. Die beanstandeten Karnevalsartikel werden ausführlich im Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit in Düsseldorf untersucht. Hier wird falschen Bärten und Perücken auch nicht mit einem Feuerzeug, sondern gleich mit einem Bunsenbrenner eingeheizt. „Die Prüfverfahren sind genau vorgeschrieben. Wenn Produkte aber schon bei einer Feuerzeugflamme anfangen zu brennen, kann da etwas nicht stimmen“, erklärt Imbusch. Sollten die Prüfer wiederholt verbotene Artikel in einem Geschäft finden, droht den Inhabern ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro.

Trotz der strengen Kontrolle bleibt die Geschäftsführerin des Ladens gelassen. „Unsere Zentrale befindet sich nicht in Köln, der Einkauf wird aus Belgien gesteuert“, sagt sie. Einfluss auf die Auswahl der verkauften Ware habe sie nicht. „Ich kann nur nachbestellen“, sagt sie. Viele Kostüme, die in dem Geschäft angeboten werden, sind in China hergestellt worden. In einem der Gänge des Ladens wühlt Sophia Jacob nach Kostümen für ihre Kinder. Dass von einigen Verkleidungen eine Gefahr ausgeht, überrascht sie nicht. „Im Billigpreissegment gehe ich nicht davon aus, dass immer alles in Ordnung ist, deshalb schaue ich mir die Sachen genau an“, sagt sie.

Auch die Kontrolleure empfehlen, sich beim Kauf der Karnevalsartikel auf die eigenen Sinne zu verlassen. „Wenn eine Maske unangenehm riecht, sollte man die Finger davon lassen“, empfiehlt Fischer. Im Labor haben die Chemiker des Landesinstituts bei vielen Masken eine zu hohe Konzentration Von Weichmachern nachgewiesen. Die beschlagnahmte Ware packt Daniel Fischer in eine große Tüte. Auch drei Teufelsmasken hat der Produktprüfer einkassiert. Bei zwei der gruseligen Artikel fehlt der Luftschlitz in Höhe des Mundes, bei einer dritten Maske des gleichen Typs ist an gleicher Stelle ein Loch eingestanzt. „Es scheint Qualitätsschwankungen zu geben. Jede Maske muss Luftöffnungen von insgesamt 1300 Quadratmillimetern Größe haben“, sagt der Kontrolleur.

Nun werden die Masken im Labor nicht nur auf ihre Luftdurchlässigkeit, sondern auch auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht. Wenn in dieser Woche der Straßenkarneval beginnt, wird sich auch Daniel Fischer ins närrische Getümmel stürzen. Er wird in Schlaghose und Plateauschuhen vor die Tür gehen und auf 70er Jahre machen. Er ist sich sicher, dass seine Verkleidung den Richtlinien entspricht. Auf die Feuerprobe will er deshalb verzichten. „Ich habe mein Kostüm noch nicht angezündet und werde es auch nicht tun“, bekennt er, steigt ins Auto und steuert mit seinem Kollegen den nächsten Karnevalsladen an.

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