Wenn sich demnächst die Präsidenten der 56 deutschen Profi-Fußballvereine mit den Bossen von DFB und DFL zum geplanten Krisengipfel gegen Gewalt in den Stadien treffen, werden sie womöglich einen Vorschlag des Kölner Polizeioberrats Volker Lange diskutieren. Lange ist Einsatzleiter bei den Heimspielen des 1. FC Köln – und Erfinder des von ihm selbst sogenannten „Mobilen temporären Teilausschlusses“, kurz: MTTA. Die Idee kam ihm nach dem Chaos im Düsseldorfer Relegationsspiel, erzählt er.
Was etwas sperrig klingt, könnte sich als durchaus wirksames Mittel gegen die verbotenen Feuerwerksfackeln im Stadion erweisen. Sobald im Fanblock eine Pyrofackel aufleuchtet, sollen nach Langes Vorstellung künftig riesengroße, feuerfeste Vorhänge vom Stadiondach fallen und den Fans die Sicht aufs Spielfeld versperren. „Auf den Planen könnte ein Piktogramm mit einer durchgestrichenen Fackel aufgedruckt sein, dazu ein Spruch wie zum Beispiel »Vorübergehend geschlossen wegen Pyrotechnik« oder »Kein Spiel, solange die Fackel brennt«.
Von der Unterbrechung wäre zwar auch die Masse der friedlichen Zuschauer betroffen. Aber Lange setzt darauf, dass nicht zuletzt durch die Anti-Pyro-Plane auch aus ihren Reihen der Druck auf die Krawallmacher steigt. Er ist überzeugt: „Unseren stärksten Partner in der Auseinandersetzung mit den Straftätern haben wir in den vielen Tausend friedlichen Fans.“
Und der Polizeioberrat meint es ernst. Er hat seinen Vorschlag ausgearbeitet und unter anderem an den DFB, die Stadt Köln und den 1. FC Köln geschickt. „Ich will damit kein Geld verdienen, kein Patent anmelden. Aber ich will die Diskussion anregen“, sagt Lange. Bei der Suche nach Lösungen für das Pyrotechnik- und Gewaltproblem in deutschen Stadien dürfe es keine Tabus geben. „Wir müssen über vieles nachdenken.“
Samstagmorgen gegen 3.25 Uhr: An einer Tankstelle in Longerich stopppt eine Polizeikolonne einen Bus, der auf dem Weg in die Schweiz ist. (Bild: Stinauer)
Beim 1. FC Köln sieht man das offenbar ähnlich. „Die Idee von Herrn Lange ist durchaus kreativ, darüber kann man diskutieren“, findet der FC-Fanbeauftragte Rainer Mendel. Er gibt bloß zu bedenken: „Einzellösungen bringen uns allerdings nicht weiter. Wir brauchen gemeinsame Lösungen, die für alle Vereine und in allen Stadien gelten.“ Denkbar ist, dass in Köln ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet werden könnte.



