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Müll und Graffiti: Darum ist es am Rhein nicht schön

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Vollgeschmierte Brückenpfeiler: Sämtliche Mauern und Gebäude dieses Rheinabschnitts sind besprüht und bemalt. Auf der Zoobrücke haben sich gleich mehrere Graffiti-Sprüher verewigt. (Fotos: Bilder: Hennes, Rakoczy)

Ein Sonntag im strahlenden Sonnenschein, ein wunderbarer Tag für einen Spaziergang am Ufer des Rheins. Hier ist es schön wie sonst fast nirgends, heißt es im Volkslied „Warum ist es am Rhein so schön?“. Doch das linke Kölner Rheinufer zwischen Altstadt und Riehl können die Dichter Adolf von Bergsattel und Franz Suppan nicht gemeint haben. Hier lachen keine „sorglosen Herzen fröhlich“. Und erst recht „feuchtet sich kein Auge, wenn’s von Heimatstolz leuchtet“.

Stattdessen wühlt ein Mann in den übervollen Müllcontainern, die hier angekettet herumstehen, damit Flusskreuzfahrtschiffe ihren Abfall entsorgen können. Das Rheinufer hier ist ein stinkender Müllplatz. „Für eine Millionenstadt wie Köln ist so ein Rheinufer überhaupt nicht repräsentativ“, sagt Maria Weiß aus dem benachbarten Agnesviertel verärgert. In den Nachbarstädten sehe es da ganz anders aus. „In Bonn und Düsseldorf stehen Hunderte Bänke, die trotz Hochwassers gut gewartet oder rechtzeitig ersetzt werden.“ In Köln hingegen stoße man lediglich auf Lücken oder vergammeltes „Krummholz“. Auf einer dieser voll gekritzelten Bänke sitzt Katinka Weber und sagt als Kölnerin einen für viele Kölner unvorstellbaren Satz: „In Düsseldorf ist es schön. Hier nicht.“

Folgenlose Versprechungen

Köln zwischen Rheinkilometer 689 und 690, das Ufer ist Teil des von der Politik versprochenen „Erlebnispfads“. Dass damit ein Parcours durch Müll über schlecht geflicktes Straßenpflaster und Busparkplätze vorbei an miserablen Graffiti, verwilderter Uferböschung und Blumenbeeten ohne Blumen gemeint war, ist unwahrscheinlich. An der Machabäerstraße endet der schöne Teil der linksrheinischen Uferpromenade, über die an schönen Wochenenden Tausende Kölner und Touristen pilgern. Danach beginnt der Abschnitt, den die Stadt in ihrem Sachstandsbericht zum Masterplan schlicht „sanierungsbedürftig“ nennt. Eine Untertreibung.

Ungenutztes Kapital

Die Gestaltung dieses Uferabschnitts galt einst als vorbildlich. Über die Jahre ist die rund fünf Meter hohe Befestigung zwischen Promenade und höher gelegener Rheinuferstraße verwildert. Unkraut überwuchert verfallene Treppen mit rostigen Geländern. Die als Aussichtspunkte angelegten Vorsprünge sind besprüht. Das Areal wird als Parkplatz missbraucht. „Das ist doch ungenutztes Kapital“, sagt Katinka Weber. Wo jetzt Autos und Busse parken, könnten attraktive Plätze, Außengastronomie oder Kinderspielplätze entstehen. Stattdessen passe alles prima zum Kölner Schmuddelimage. „Durch die vielen Mauern und die asphaltierte Straße wirkt die Promenade ziemlich statisch und wenig einladend“, sagt eine Spaziergängerin aus Koblenz über den Rest verblasster Gestaltungselemente. Ein paar Bäume, buntere Beete oder auch ein kleines Café könnten hier schon viel bewirken. „So wie in Berlin an der Spree. Da wurde einfach Sand aufgeschüttet, und schon war die Strandbar fertig.“ Auch die Bastei hat bessere Tage gesehen. „Zu vermieten“ steht übergroß im Fenster. Architekt Wilhelm Riphahn hat 1924 das zeitlos schöne Gebäude auf die Reste eines Festungsturms gebaut. An der Rheinseite steht Petrus auf einem Podest. Der Schutzpatron der Fischer und Schiffer ist vor Taubendreck kaum zu erkennen.

Der Autor des städtebaulichen Masterplans, Albert Speer, spricht vom „Rheinraum als urbane Bühne“. Köln nutzt diese Bühne nicht. Speer empfiehlt die Sanierung des Rheinufers, auch um attraktive Rundgänge für Touristen zu ermöglichen. Hier an der Bastei könnte nach Speers Vorschlägen eine Fußgängerbrücke zum Rheinpark gebaut werden. Auch diese Idee gehört nicht zu den Prioritäten städtischer Stadtentwicklungspolitik. Eine junge Kölnerin mit Kinderwagen schaut neidisch auf die rechte Rheinseite. Die Zoobrücke sei ihr „zu laut und unangenehm“, um mal zu Fuß das Ufer zu wechseln. Speers Brückenidee findet sie „toll“.

Der weitere Uferabschnitt bis zu den Riehler Rheinauen wird zum Niemandsland. Hier scheint alles erlaubt. In einer Bretterbude werden Fahrkarten verkauft. Würde sich ein Kölner Privatmann oder Gastronom erlauben, so etwas vor die Tür zu stellen, hätte er die Ordnungshüter der Stadt am Hals. Hier darf Sperrmüll die „urbane Bühne“ verschandeln.

Traumstellplatz für Camper

Dabei ist es nicht so, dass sich das Ordnungsamt nie blicken ließe. Doch das hat eher das ungewöhnliche Grüppchen an Wohnmobilisten im Visier, das hier wild campiert. „Stören wir hier?“, fragt ein junger Camper mit kostenfreiem Traumstellplatz, nach eigenen Angaben ein Arzt auf Jobsuche. Die Frage scheint berechtigt. Solange sie die einzige Belebung eines trostlosen Uferabschnitts sind, bleiben die Camper wohl das kleinste Problem. „Uns ist klar, dass die Rheinpromenade hier ansprechender gestaltet werden muss“, sagt Caroline Wagner, die sich als Stadtraummanagerin um den öffentlichen Raum in Köln kümmern soll. Derzeit ermittle man, was alles im Argen liegt. Sofortmaßnahmen zur Pflege von Beeten oder Böschungen liefen bereits. Bei größeren Projekten sei die Umsetzung jedoch schwierig.

Überlegungen, die Promenade zur autofreien Zone zu machen, Gastronomie dort anzusiedeln, eventuell gar den Platz für einen Flohmarkt zur Verfügung zu stellen, gebe es schon länger. Wann konkrete Maßnahmen folgen, könne sie jedoch nicht sagen. Sanierungsmaßnahmen zwischen Hohenzollernbrücke und Malakoffturm am Schokoladenmuseum und der Bau des Rheinboulevards im Rechtsrheinischen hätten eine höhere Priorität.

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