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Nach Schramma: CDU fahndet nach Kandidaten

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Schramma seine PK
Danke, das war's: Fritz Schramma am Ende der Pressekonferenz, als er verkündete, nicht mehr zu kandidieren, neben ihm Ehefrau Ulla. Für ihn ging Peter Kurth ins Rennen, neuer Oberbürgermeister wird der SPD-Mann Jürgen Roters. Und Schramma? Zieht sich ganz aus der Politik zurück. (Bild: Max Grönert)
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„Das ist ein ehrenvolles Angebot, aber ich kann es nicht annehmen“, sagte Bosbach am Montag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er hatte sich nach der Anfrage der Kölner CDU-Spitze einen Tag Bedenkzeit erbeten. „Ich kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, das macht keinen guten Eindruck“, so Bosbach, der im September zum fünften Mal in Folge für den Bundestag kandidiert. An dieser Bewerbung hält Bosbach fest. „Ich will nicht als Zappelphilipp gelten, das ist nicht meine Art“, so der CDU-Politiker aus Bergisch Gladbach. Zuvor hatte bereits Konrad Adenauer, Enkel des ersten Bundeskanzlers, bekannt gegeben, dass er nicht zur Verfügung stehe.

Trotz seiner Absage bleibt Unionsfraktions-Vize Wolfgang Bosbach (CDU) ganz oben auf der Wunschliste der nordrhein-westfälischen CDU für das Oberbürgermeisteramt in Köln. Bosbach sei „der ideale Bewerber“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende und Kölner Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag-Ausgabe). „Wolfgang Bosbach würde einen glänzenden Wahlsieg erringen.“ Sie prognostizierte einen Erfolg Bosbachs gegen den Kandidaten von SPD und Grünen, Jürgen Roters (SPD) von „80 zu 20“. Der 56 Jahre alte Politiker aus Bergisch Gladbach vereine alle Voraussetzungen auf sich. Er sei Jurist, habe lange politische Erfahrung und sei durch und durch Rheinländer.

Am Sonntag hatte der amtierende OB von Köln, Fritz Schramma (CDU), seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt gegeben. In einer persönlichen Erklärung am Sonntagnachmittag begründete Fritz Schramma diesen Schritt. Er sehe nur durch seinen Rückzug „die Möglichkeit, das Unglück am Waidmarkt aus dem Wahlkampf herauszunehmen.“ Der Respekt vor den Opfern und vor dem Verlust wertvoller Kulturgüter gebiete es, das Thema „aus dem politischen Gezänk herauszuhalten“, sagte Schramma in seiner Erklärung vor den Medien. All seine Appelle seien jedoch „auf tauben Ohren“ gestoßen. Schramma wird unter anderem vorgeworfen, dass er eine eigene Verantwortung für Missstände beim U-Bahn-Bau abgelehnt habe.Seiner Meinung nach verbiete es die Schwere des Unglücks, daraus politischen Profit zu schlagen.

Fünf Minuten später als angekündigt, um 14.05 Uhr, tritt Fritz Schramma vor die Medienvertreter. Das Stadtoberhaupt wird von seiner Ehefrau Ulla bei diesem denkwürdigen Termin begleitet. Mit versteinertem Gesicht hört Kölns First Lady zu, wie ihr Mann seine Rückzugserklärung verliest. Auf dem Tisch stehen ein Dutzend Mikrofone, zusätzliche Stühle müssen hereingeholt werden. An den Kragen seines Sakkos hat Schramma die Anstecknadel mit den Domtürmen geheftet, das übliche Zeichen für die Verbundenheit mit seiner Heimatstadt. Fragen sind nicht zugelassen an diesem Sonntagnachmittag, dafür hat Presseamtschef Gregor Timmer vorab um Verständnis gebeten.

Schrammas Erklärung in bewegten Bildern

Mehrfach, so Schramma, habe er „im Rat und anderen Stellen“ dazu aufgerufen, „dieses schwerwiegende und hochsensible Thema aus dem politischen Gezänk herauszuhalten“. Genutzt hat es nichts. Nun zieht er seine Kandidatur für die im August angesetzte Kommunalwahl zurück. Denn „nur so sehe ich die Möglichkeit, das Unglück am Waidmarkt aus dem Wahlkampf herauszuhalten“. Schramma spricht von einem gemeinsamen Entschluss seiner Familie. Auch in diesem Moment zeigt seine Frau keine Regung.

„Köln ist mein Traumjob“, sagt der scheidende Stadtchef. Er werde bis zum 20. Oktober, dem letzten Tag seiner Amtszeit, seine Pflichten und Aufgaben erfüllen. Er werde der ihm von den Kölnerinnen und Kölner übertragenen Verantwortung nachkommen, „mit Anstand, Würde und Freude, mit Herz und Verstand“.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bekundete Schramma Dankbarkeit für dessen Leistungen. „Selbst wenn es in diesen Tagen nicht so deutlich werden mag: In der Amtszeit von Fritz Schramma hat sich Köln sehr zu seinem Vorteil verändert. Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagte Rüttgers. Vertreter der Grünen im Landtag und im Kölner Stadtrat forderten dagegen den sofortigen Amtsverzicht Schrammas. Schramma habe „auf der ganzen Linie versagt“, so die Düsseldorfer Fraktionschefin Sylvia Löhrmann. Schramma seinerseits machte deutlich, er werde seine Pflichten bis zum letzten Tag seiner Amtszeit, dem 20. Oktober 2009, „engagiert erfüllen“.

Neue Vorwürfe gegen die KVB

Unterdessen werden es neue Vorwürfe gegen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) laut. Nach Informationen des „Spiegel“ hat es im September 2008 erhebliche Auseinandersetzungen zwischen der Bauherrin KVB und den Baufirmen über Probleme mit dem Grundwasser gegeben. Darauf würden interne Dokumente hinweisen. Vor dem Hintergrund, dass am 8. September 2008 ein „erhöhter Wassereinbruch“ festgestellt worden war, beklagten sich die Firmen dem Bericht zufolge zehn Tage später bei der KVB, „dass Sie trotz unserer von uns sehr deutlich dargestellten Gefahr eines hydraulischen Aufbruchs der Baugrubensohle die notwendigen Kernbohrungen untersagen“. Im Hinblick auf die Gefahr für die Baugrube „durch lokale hydraulische Grundbrüche“ sei „diese Verzögerung nicht zu verantworten“.

Die KVB widersprach dieser Darstellung: „Die KVB hat die von der Arbeitsgemeinschaft Los Süd gewünschten größeren Bohrungen für die Abwasserleitungen durch die Decken des Bauwerks Waidmarkt genehmigt - allerdings aus Sicherheitsgründen erst, nachdem die von der KVB geforderten und von der Arbeitsgemeinschaft zunächst nicht vorgelegten statischen Berechnungen geliefert worden waren.“ Ein hydraulischer Grundbruch gilt unter Experten als wahrscheinlichste Ursache für den Einsturz der Archivgebäudes.

Der Aufsichtsrat der KVB will am Dienstag über Konsequenzen entscheiden. SPD und Grüne erwägen, den für den U-Bahn-Bau zuständigen Technik-Vorstand Walter Reinarz (CDU) von seinen Aufgaben zu entbinden.

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