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Ratsturm steht bald völlig nackt da

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Bild: Stef
Viele Figuren am Turm sind stark beschädigt.

Stifter sind verärgert, Künstler entsetzt. Kopien aus Kalkzementmörtel seien keine Lösung.

Was wird aus den Ratsturmfiguren? Am Ende der Informationsveranstaltung, zu der Oberbürgermeister Fritz Schramma am Montag ins Rathaus eingeladen hatte (wir berichteten), waren Stifter und Künstler nicht viel schlauer als vorher. Bis auf die Tatsache, dass der Gutachter Thomas Lehmkuhl, der die Risse in 117 der 119 Figuren eingehend untersucht hatte, ein vernichtendes Urteil gefällt hat.

„Alle Figuren müssen abgebaut werden. Sie stellen eine Verkehrsgefährdung dar“, sagte Lehmkuhl am Dienstag. Die Ursache für die Risse in den Figuren aus Naturstein („Weiberner Tuff“) ist nach seinem Gutachten völlig eindeutig. „Durch die präventive Tränkung mit Acrylharz über mehrere Tage und Wochen sind sie so hart geworden, dass sie reißen mussten. Eine Restaurierung ist nicht möglich.“

Bis zu 80 Kilogramm seien in jede Figur geflossen. 45 Figuren hätten schon Risse gezeigt, bevor sie 1995 auf den Turm kamen. Die seien notdürftig mit Kitt geflickt worden. Lediglich zwei Figuren (Albertus Magnus und Adolph Kolping) seien dieser Behandlung nicht unterzogen worden. Sie waren lediglich mit Kieselsäureester behandelt worden. „An ihnen sind keinerlei Schäden erkennbar“, sagte der Diplom-Restaurator. Die Firma, die das Tränkverfahren im Auftrag der Stadt durchgeführt hatte, argumentiert dagegen, die starre Verankerung der Figuren am Fuß und im Rücken habe zu den Rissen geführt. „Das kann nicht sein“, so Lehmkuhl, „weil 21 Figuren auch oberhalb der Verankerung gerissen sind.“ Er werde zwar ein Restaurierungskonzept entwickeln, „auch wenn ich das für aussichtslos halte“, so der Restaurator. Die Alternativen seien Kopien aus Kalkzementmörtel („Das ist am Turm vom Original nicht zu unterscheiden“) oder Künstler und Bildhauer zu bitten, neue Figuren zu schaffen. „Das ist alles eine Frage des Preises.“ Die Kopien würden mit rund 7000 Euro zu Buche schlagen, bei neuen Figuren sei mit rund 15 000 Euro zu rechnen.

„Man kann den Stiftern doch nicht allen Ernstes zumuten, dass billige Kopien auf den Turm kommen und die kaputten Originale sollen sie sich in den Vorgarten stellen“, sagt Konrad Gilges, Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter und Mit-Stifter der Figur des Robert Blum, eines Revolutionärs von 1848. „Da stehen dann Besucher aus aller Welt vor dem Ratsturm und lassen sich billige Betonfiguren zeigen.“ Die Stadt müsse die Figuren bei den Künstlern neu in Auftrag geben, in Vorleistung treten und auf Schadenersatz klagen. „Das kann doch nicht Aufgabe der Stifter sein“, so Gilges.

Kopien auf dem Ratsturm hält auch der Bildhauer Titus Reinarz, Schöpfer von fünf Figuren, darunter der unversehrte Albertus Magnus, für „absurd“. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Künstler mal einfach so auf ihre Urheberrechte verzichten.“ Der Ratsturm wird nach seiner Restaurierung, die spätestens im Frühsommer 2006 abgeschlossen sein wird, zunächst, so Lehmkuhl „nackt dastehen“. Egal, für welche Variante sich die Stadt entscheide. „Vor 2007 wird da gar nichts geschehen.“

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