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Rhein-Geschichte: Als sich die Eisschollen stauten

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Eisschollen Rhein
Eisschollen auf dem Rhein auf einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1940. (Bild: Marion Piroth)
Köln. 

Die Zeiten, als der Rhein komplett zugefroren war, sind lange vorbei. Zuletzt war das vom 14. Februar bis zum 4. März 1929 der Fall. Damals hatte der Winter die Stadt über Wochen fest im Griff, mit Dauertemperaturen um minus 22 Grad. In einer Nacht wurden sogar minus 40 Grad gemessen. Der Fluss führte nur wenig Wasser, dicke Eisschollen trieben den Strom hinab.

Der Autor Hans Hermann Josef Fuchs hat die letzte große Eiszeit in einem Beitrag festgehalten. Die Schollen, schreibt er, kamen an den scharfen Stromkrümmungen, vor allem an der Loreley und bei Unkel zum stehen. Das Eis staute sich kilometerlang.

Am 16. Februar 1929 kamen die Eismassen in Unkel zum Stehen. Vier Tage später war das abermals der Fall. Die Menschen konnten zu Fuß von einem zum anderen Rheinufer gehen. Natürlich war der Rhein nicht zugefroren. Die riesigen Eismassen hatten sich bei Unkel lediglich über- und untereinandergeschoben. Als die Eisdecke wieder aufgebrochen war, verwirklichten vier Unkeler die Idee, auf einer Eisscholle nach Köln zu fahren. Eine Bank, einen Ofen zum Aufwärmen, eine Fahne mit dem Schild „Gruß aus Unkel“ und Enterhaken hatte das Quartett mit an „Bord“. Bei Bad Honnef gerieten die Vier mit ihrer Scholle auf Grund, konnten sich aber befreien und erreichten am späten Nachmittag Köln. Dort wurden sie von der Hafenpolizei in Empfang genommen.

Zuletzt trieben im Januar und Februar 1963 Eisschollen auf dem Rhein. Seither blieb der Fluss eisfrei. Das hat mehrere Gründe. Durch die Begradigungen des Flusses hat sich die Fließgeschwindigkeit beträchtlich erhöht. Die Wassertemperatur ist durch die Industrieanlagen entlang des Flusslaufs auch gestiegen. Und die Zeitspannen extremer Kälte sind deutlich kürzer geworden. Auch wenn es momentan nicht so aussieht. Die ersten Eisgänge auf dem Rhein sind laut Hermann Josef Fuchs aus dem Winter 53/52 vor Christus überliefert: In seinem Kommentar über den Gallischen Krieg spricht Cäsar vom Abbruch eines 60-Meter-Teils der im Jahre 53 v. Chr. in Urmitz gebauten Rheinbrücke, um den Germanen die Benutzung dieser Brücke zu Einfällen unmöglich zu machen. Der Vermutung liegt nahe, dass die Brücke im Winter 53/52 v. Chr. am rechten Ufer durch Treibeis oder Hochwasser stark beschädigt wurde und Cäsar diesen Unfall in seinem Bericht überging.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war Eis auf dem Rhein keine Seltenheit. So teilt der Kölnisch-Preußische Polizeipräsident in einer Bekanntmachung der „Kölnischen Zeitung“ vom 22. Januar 1823 mit: „Da die Eisdecke auf dem Rhein heute mittag bis in die Gegend von St. Kuniberts-Kirche vorgerückt ist, so steht zu erwarten, daß binnen kurzem die Eisdecke eine sichere Passage vor hiesiger Stadt darbieten wird. Der Zeitpunkt und die Stelle, wo das Eis auf dem Rhein ohne Gefahr passierbar werden kann, wird noch näher bekanntgegeben.“

Eine sichere Passage zu garantieren, das schafft die Stadt Köln anno 2012 beim Decksteiner Weiher nicht. Heute heißt es nur: Betreten auf eigene Gefahr.

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