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Schüler-Streiche: Abitur-Scherze arten aus

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Abitur Köln
Schülerinnen der Liebfrauenschule räumen auf. Die Tagesbilanz: Zwei Verletzte durch ein Bengalisches Feuer und eine Schlägerei. (Bild: Neumann)
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Für die Schüler ist es ein spielerischer „Krieg“ in der letzten Woche vor dem Abitur, für die Schulleitung schlicht Vandalismus. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde die Fassade der Liebfrauenschule in Lindenthal mit Apfelmus, Eiern und Milch beschmiert. Am Mittwochmorgen artete dann eine Wasserschlacht aus. Die Abiturienten in Nordrhein-Westfalen haben derzeit ihre letzte Schulwoche. Die Schüler verkleiden sich und veranstalten Abi-Gags. Traditionell ärgern Schüler der einen Schule die der anderen. Es herrscht Ausnahmezustand – Unterricht ist kaum möglich.

Am Mittwochmorgen haben sich Schüler des benachbarten Apostelgymnasiums und des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums um das abgeschlossene Gelände der Liebfrauenschule versammelt. Die Abiturienten-Gruppen beschimpften sich gegenseitig, Fahrräder wurden umgeworfen, dann flog ein Bengalisches Feuer durch die Luft. Eine 19-Jährige wurde dabei leicht am Fuß verletzt.

„Ich habe das Feuer erst gar nicht gesehen“, sagt sie. „Wir haben nur Wasserbomben geworfen, aber bei Pyrotechnik hört der Spaß auf.“ Zwischen zwei Schülern sei es außerdem zu einer Schlägerei gekommen, schildert eine Schülerin der Liebfrauenschule.

„Hier werden eindeutig Grenzen überschritten“, sagt Schulleiterin Ingrid Schulten-Willius. Die Angriffe erfolgten neuerdings auch nachts und richteten Schaden an. Die Liebfrauenschule, das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium (HVB) in Sülz und das Irmgardis-Gymnasium in Bayenthal haben deshalb in diesem Jahr erstmalig einen Wachdienst organisiert. Ein Wächter mit Hund fährt dazu zwei bis drei Mal pro Nacht zur jeweiligen Schule und überprüft die Lage, um Verschmutzungen zu verhindern. Knapp 54 Euro pro Nacht zahlt die Liebfrauenschule dafür. An den anderen Schulen ist von einem ähnlichen Preis auszugehen. „Bei uns läuft das über Kontakte“, sagt Herbert Zangerle, stellvertretender Schulleiter am HVB. Private Sponsoren finanzierten den Wachdienst.

Doch die Sicherheit ist trügerisch: Das HVB wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag trotzdem mit Eiern und Tomaten beworfen. Der Wachdienst sei „ein hilfloser Versuch, die Sache in den Griff zu bekommen“, gesteht Zangerle. Dabei bereiten die eigenen Schüler keine Probleme. Die Schule stehe mit ihnen im Gespräch. Weitaus mehr beschäftigen die Schulleitung Aktionen fremder Abiturienten. Doch an die komme man nicht heran.

Das Irmgardis-Gymnasium schaltete die Polizei ein, nachdem die Fassade in der Nacht von Donnerstag auf Freitag stark beschmutzt wurde. 40 bis 50 Jugendliche seien vor Ort gewesen. Die Polizei wurde gerufen und konnte zwölf Schüler festhalten und namentlich erfassen. Die Motive der Schüler und die Beziehungen zwischen den Gymnasien sind undurchsichtig. Manche Abiturienten sollen sich verbündet haben. Doch warum ausgerechnet die Liebfrauenschule und das HVB zur Zielscheibe der Schüler wurden, ist unklar. „Das sind voll die Bonzen“, heißt es bei den einen,„die sind feige“ bei den anderen. Jeder weist selbst die Schuld an den Ausschreitungen von sich. Klar ist: Die Schüler schaukeln sich gegenseitig hoch.

Der Sicherheitsdienst ist eine Reaktion auf Aktionen der vergangenen Jahre, die regelrecht ausgeufert sind. An der Liebfrauenschule wurde eine Kastanie abgesägt, auf dem Schulhof klebte morgens eine Schicht schwer abwaschbarer Farbe. Die Schulleitung erstatte Strafanzeige. Das HVB wurde sogar mit Fäkalien beschmiert. Auch andere Schulen waren Opfer von Schmutzattacken.

Am Freitag ist der Spuk wahrscheinlich vorbei. Dann begraben die künftigen Reifeprüflinge den Krieg bei einer gemeinsamen Party. Nach den Osterferien beginnen die Klausuren. Die Schulleiter fürchten aber schon jetzt das Chaos im nächsten Schuljahr. „Für unseren Hausmeister ist das die schlimmste Woche“, sagt Ingrid Schulten-Willius.

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