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Skate-Aktion: „Beim Fahren fühle ich mich frei“

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Stadt Skater
Über 300 Menschen kamen zum „Greenskate“. (Bild: Max Grönert)
Köln

Der Aufruf in den sozialen Netzwerken, am Samstagnachmittag beim „Greenskate“ die Kölner Straßen „beben“ zu lassen, zeigt die erhoffte Wirkung. Über 300 junge Leute tummeln sich am Concret Wave Skateshop an der Venloer Straße. Sie tauschen sich aus, bestaunen die mitgebrachten Fahrutensilien ihrer Kollegen, oder versorgen sich schnell noch mit Protektoren aus dem Geschäft.

Als gegen 15.30 Uhr ein lauter Schlachtruf ertönt, kommt plötzlich Bewegung in das Straßenfest. Die Meute springt auf ihre Longboards – sie sehen so ähnlich aus wie Skateboards, nur wesentlich länger, bis zu 120 Zentimeter – und bahnt sich in Gruppenformation ihren Weg durch Ehrenfeld. Weil dafür nicht nur die Gehwege, sondern auch die gesamte Fahrbahn in Beschlag genommen wird, kommt dort, wo der lange Tross vorbeizieht, der Verkehr zum Erliegen. Nicht jeder ausgebremste Autofahrer nimmt das mit Humor. Manche lassen es auf ein gefährliches Kräftemessen ankommen.

Viele der Guerilla-Boarder haben kleine Kameras auf ihren Helmen montiert oder versuchen mit ihren Handykameras, das Abenteuer festzuhalten. Angekommen am Kreisverkehr vor dem Hilton Hotel erlauben sich die Boarder einen weiteren riskanten Spaß. Sie durchfahren das Rund immer und immer wieder, bis ein Großteil des langgezogenen Fahrerfeldes aufgeschlossenen hat. „Einfach eine sehr, sehr geile Aktion“, sagt Skater Bünni.

Die Kölner Polizei zeigt sich während des gesamten Flashmobs zurückhaltend und lässt die Boarder ohne größeres Eingreifen gewähren. Ein einzelne Motorradstreife tut das vermutlich einzig sinnvolle in diesem Moment: Sie hilft bei der Regulierung des Verkehrs, damit die Teilnehmer zügig passieren können. Am Hauptbahnhof angekommen, sammeln die Boarder sich für ein „Klassenfoto“ auf der Domtreppe.

Viele junge Frauen haben sich unter die Teilnehmer gemischt. Etwa Pia Päuser, die sich gegen das kühle Wetter mit einer Snowboardmütze ausgerüstet hat, ist sogar aus Dortmund angereist: „Wir dachten, es ist bestimmt super, so viele Longboarder auf einem Fleck zu treffen. Sonst fährt man ja nur mit kleineren Gruppen von höchstens zehn Leuten“, sagt die Studentin. Vor zwei Jahren hat die 22-Jährige das Longboard als sportliche Alternative zum Surfen für sich entdeckt: „Man fühlt sich beim Fahren so herrlich frei.“ Sie zieht den Reißverschluss ihrer Strickjacke nach unten und entblößt ein weißes T-Shirt mit dem gemeinsamen Logo: „Wir sind die Longboarder Girls.“

Offiziell organisiert haben will das Spektakel natürlich niemand. Jemand, der aber dennoch ziemlich gut Bescheid weiß und freimütig über den Ablauf und Hintergründe Auskunft gibt, ist Alexander Luxat. „Die Aktion findet im Rahmen des internationalen Earth-Days statt und soll ein Zeichen setzen für alternative und umweltfreundliche Fortbewegungsmittel. Wir sehen das Ganze aber auch als Chance, um zu zeigen, dass wir Longboarder auch reguläre Verkehrsteilnehmer sein können“, sagt der 39-Jährige, der nach eigener Aussage bereits seit 30 Jahren auf den rollenden Brettern unterwegs ist. Wie viele andere der Anwesenden ärgert es ihn, dass Skateboards in Deutschland immer noch als Spielzeug bewertet werden und somit weder auf Radwegen noch auf öffentlichen Straßen benutzt werden dürfen. „Die Verletzungsgefahr ist doch nicht größer als bei anderen Fortbewegungsmitteln“, betont Luxat. „Wer Abbremsen will, der tut einfach einen Fuß auf den Asphalt und gut ist es.“ Und tatsächlich: Alle Teilnehmer des Greenskates erreichen das Ziel, den Rheinpark, nach rund 45 Minuten währender Geisterfahrt unverletzt und ohne Unfälle.

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