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Songs für den perfekten Sonntag

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Bild: Grönert
Die Kölner Sängerin Mariama Jalloh kennen einige vielleicht aus dem "Stecken".

Es gibt Augenblicke, da scheint die Zeit stillzustehen. Meist kommen sie unangemeldet und plötzlich und packen einen so ganz und gar, dass es einen kurzen Moment lang nichts anderes mehr gibt. Ein Geruch kann so etwas bewirken, wenn er eine ferne, dunkle Erinnerung noch einmal aufleuchten lässt. Oder ein Lächeln, das man im Vorbeigehen auffängt. Oder auch eine Stimme, die einen auf rätselhafte Weise erfasst. So wie die von Mariama Jalloh.

Mariama trifft man bei Sonnenschein im Park. Sie ist gern unterwegs und draußen, weil sie da ihre Fühler ausstrecken und sich am besten inspirieren lassen kann. Dann passiert es, dass ein Nachbar zufällig vorbeikommt, fröhlich winkt und berichtet, dass er ihr morgens zugehört hat, als sie mit der Gitarre auf dem Balkon war und dazu gesungen hat. „War super“, strahlt er, und die 22-Jährige bedankt sich mit einem lustigen Knicks. Andere Leute mit ihrer Musik zu berühren, das wünscht sie sich.

Die Bühne und der Auftritt vor Publikum haben Mariama schon früh fasziniert. Geboren ist sie in Freetown. Die Hauptstadt von Sierra-Leone in West-Afrika ist die Heimat ihres Vaters. Als sie ein Jahr alt war, zog die Familie ins Bergische, nach Refrath, wo die Mutter herkommt. Dort verbrachte Mariama dann auch Kindheit und Jugend. Als Schülerin machte Mariama mit beim Jugendclub des Kölner Schauspiels. Sie stellten dort ein Theaterstück auf die Beine, das sie schließlich in der Kalker Schlosserei aufführten. Später, da war sie 18 Jahre alt, hat sie auch einmal bei einem Musical mitgewirkt und ist damit im Stadtgarten aufgetreten. Besonders stolz ist sie auf die Zeit, als sie Background-Sängerin bei Adé Bantu war. Der Musiker lebt in Köln und dem nigerianischen Lagos und ist Begründer des antirassistischen Musikprojektes „Brothers Keepers“, an dem sich viele renommierte afrodeutsche Künstler beteiligen. Als Mariama mit Bantu und seiner Band, der „Afrobeat Academy“, auf Tournee war, reifte der Entschluss, sich voll und ganz der Musik zu widmen.

Mit 16 hatte sie angefangen, etwas an der Gitarre zu zupfen, seit zwei Jahren übt sie intensiv und wo immer es sich anbietet. Das kann ein Balkon in der Dasselstraße sein, bei Freunden in Berlin oder bei den Großeltern auf dem Sofa. „Es müssen irgendwie interessante Orte sein, und ich muss auch eine gewisse Ruhe haben, damit alles auf mich einwirken kann“, erzählt sie und ergänzt: „Die Musik kommt dann irgendwann heraus, ich lasse das einfach passieren.“ Ihre Solostücke sind bestimmt von Mariamas weicher, dunkler, sehr souliger Stimme und haben einen „starken schwarzen Anteil“, wie sie selbst sagt. Begleitet vom Spiel der Akustik-Gitarre ergibt das einen ungeschminkten, in seiner Einfachheit sehr zugänglichen und vor allem gefühlsbetonten Sound. „Meine Musik mache ich immer auch, um zu reflektieren, was mich gerade beschäftigt, was in mir vorgeht“, erklärt sie, „und ich möchte andere Leute daran teilhaben lassen.“ In einem ihrer neuen Songs - er ist noch nicht ganz fertig und hat deshalb auch noch keinen festen Titel - geht es zum Beispiel um „das Gefühl, das man hat, wenn plötzlich alles klappt und es einfach gut läuft“, so die Sängerin. Es dreht sich darum, wie es sich anfühlt, von neuem, frischem Mut, von Übermut beseelt zu sein und dann bei Nacht im Park die Schatten zu jagen: „Let's take a walk in the park and chase shadows after dark.“

Es fällt Mariama schwer, ihre Musik einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen. Weil ihre Lieder die Vertonung so zahlreicher und unterschiedlicher Inspirationen sind, zu denen ein Erlebnis im Park oder einer Bahnfahrt ins Bergische genauso gehören wie ein Radiosong oder ein Abend im Club. Zu Hause hat sie in letzter Zeit gerne Bob Marleys Album „Burnin“ auf den Plattenteller gelegt. Begeistert ist sie auch von „Finding Together“, dem letzten Studioalbum des aus Chicago stammenden Rappers Common. Und ganz wichtig: die Jazzsängerinnen Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Ebenso beeindruckt sie, was hierzulande produziert wird. Dazu gehören die Stücke des Rappers Sammy Deluxe, die Lieder des afrodeutschen Sängers und Songwriters Patrice oder das, was die Berliner Sängerin Inga Humpe von dem Electro-Pop-Duo „2raumwohnung“ macht. „Das ist so schön“, schwärmt Mariama.

Momentan hält sich die Sängerin mit Jobs und der Gage für Solo-Auftritte über Wasser. Sie arbeitet im „Stecken“, einem Club in der Maastrichter Straße, wo ihrer Meinung nach „die beste Musik der Stadt“ läuft. Ihr erstes eigenes Album ist auch schon in Arbeit, und in den Stücken darauf sind sie und ihre Gitarre zu hören. „Total analog“, so Mariama und ihrer Meinung nach „mit Liedern, die man sich bestimmt gut morgens, zum Start in einen perfekten Sonntag anhören kann.“

Das nächste Konzert steht unmittelbar bevor. Bereits morgen Abend tritt Mariama beim „L'Afrique, C'est Chic“-Festival auf, das vom Funkhaus Europa im Kölner Stadtgarten (Venloer Str. 40, Eintritt: 12 Euro, Beginn 21 Uhr) veranstaltet wird. Zum Line-up gehören dann auch Adé Bantu und einige andere hochkarätige Musiker aus afrikanischen Metropolen. Mariama freut sich, dabei zu sein. Vielleicht bietet sich ihr ja eine neue Gelegenheit, mal wieder die Zeit stillstehen zu lassen.

Musiker, die vorgestellt werden möchten, wenden sich an den „Kölner Stadt-Anzeiger“, Telefonnummer: 2 24-23 23 / 22 97, E-Mail: KSTA-Stadtteile@mds.de, Anschrift: Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln. Bewerber sollten aktuelle Musikproben auf CD oder als Sounddatei zusenden.

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