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Toiletten: Wohin, wenn man mal muss?

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Modernes Toilettenhäusschen
Modernes Toilettenhäusschen eingangs zum Wallrafplatz. (Bild: Hennes)
Köln

Wohin in Köln, wenn man mal muss? Einfach ins nächste Restaurant? Oder ins Kaufhaus? Und wenn die bereits geschlossen haben? Weit und breit kein Schild, das einem den Weg weist zu einem stillen Örtchen. Also doch in die Büsche? „Wir können nicht fürs Wildpinkeln 35 Euro Bußgeld verlangen und gleichzeitig kaum öffentliche Toiletten anbieten“, ereiferte sich Bettina Houben (FDP) auf der jüngsten Sitzung des Gesundheitsausschusses.

Mit Empörung reagierten auch die anderen Politiker auf den Verwaltungsbericht zum Toilettenkonzept. Es gab und gibt zu wenig öffentliche Toiletten in Köln. „Das ist beschämend für eine Großstadt in Deutschland“, sagte Ursula Gärtner (CDU).

Von alledem, was Politiker vor zwei Jahren per Ratsbeschluss an Ausbau gefordert hatten, ist kaum etwas umgesetzt worden. „Uns fehlt das Geld“, sagte eine Mitarbeiterin des Bauverwaltungsamtes zur Begründung.

Insgesamt 82 öffentliche WCs hat die Stadt verzeichnet. Die meisten sind aber nur zu bestimmten Tageszeiten zu erreichen, weil sie sich in städtischen Einrichtungen wie Museen befinden. Nur 21 sind rund um die Uhr benutzbar, sie liegen meist in der Innenstadt.

Sehr eng wird die Lage für ältere Menschen mit Rollator oder für Rollstuhlfahrer. Für sie sind 31 öffentliche Toiletten eingerichtet, aber nur zwei davon im 24 Stunden Betrieb. „Diese Leute können sich nach 20 Uhr kaum mehr in der Innenstadt aufhalten“, sagt Horst Ladenberger, Leiter des Zentrums für selbstbestimmtes Leben.

Köln verliert Vergleich mit Düsseldorf

Im Vergleich mit Düsseldorf stehe Köln schlecht da. Dort gibt es 22 barrierefreie Toiletten, rund um die Uhr erreichbar. Ihre genaue Lage ist sogar auf einer eigenen Website „Düsseldorf barrierefrei“ samt Stadtplan verzeichnet: „Ein vergleichbares Angebot hat Köln bislang nicht.“ Die Stadt Köln nennt auf ihrer Internet-Präsenz nur acht behindertengerechte, öffentliche Toiletten.

Ideen, wie die Situation verbessert werden kann, gibt es. So sollten beispielsweise Gastwirte mit der Aktion „Nette Toilette“ dazu ermuntert werden, ihre WCs für die Allgemeinheit zu öffnen. Eine monatliche Entschädigung von 50 Euro für eine normale Toilette und 150 Euro für eine barrierefreie wurden ihnen dafür in Aussicht gestellt. Aber einerseits fanden sich nur wenige Interessenten, andererseits fehlt schlicht das Geld.

Die klamme städtische Haushaltskasse führt auch dazu, dass an manchen Orten WCs seit Jahren geschlossen sind. Eine Sanierung bereits vorhandener Anlagen in den U-Bahn-Haltestellen Deutz/Messe, Rudolfplatz, Äußere Kanalstraße und der Tiefgarage Kaiser-Wilhelm-Ring soll mindestens 180.000 Euro kosten. Laut Haushaltsplan gebe es kein Geld dafür. Planungen für andere Anlagen seien auch nicht möglich – aus Personalmangel. Auch auswärtige Planer könnten damit nicht beauftragt werden – weil es im Brückenamt niemanden gebe, der sie betreuen kann.

Es wird gespart

Künftig wird noch mehr gespart: Weil die WC-Container an den Poller Wiesen und am Rodenkirchener Rheinufer laut Verwaltung zu selten genutzt werden, werden sie abgeschafft. Auf der Bezirkssportanlage Poller Wiesen gibt es zwar Toiletten, sie können nur nicht betrieben werden, weil über den zweiten Arbeitsmarkt kein Personal zur Verfügung gestellt werden kann.

Bleibt also oft doch nur der Sprung in die Büsche? Dass sich gegen das Erleichtern im Freien durchaus etwas machen lässt, beweist die rege Nutzung der Urilifte an zuvor beliebten Freiluft-Ecken unter der Severinsbrücke und am Bayenturm. „Es gibt dort kein Wildpinkeln mehr“, teilte die Verwaltung mit.

Ein Vorhaben konnte die Verwaltung in jüngster Zeit doch noch umsetzen: Das stille Örtchen in der U-Bahn-Haltestelle Venloer Straße/Gürtel, das nach seiner Eröffnung 1989 nur für kurze Zeit in Betrieb war, wird wieder in Betrieb genommen – frisch saniert.

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