Am kommenden Montag steht Omar El-Saeidi das letzte Mal als Woyzeck auf der Bühne des Theaters Bielefeld. Dienstag spielt er dort den Münzmatthias in Bertolt Brechts Dreigroschenoper. Sein Publikum im Museum Ludwig interessiert das nicht. Die Viertklässler der Grundschule Mainzer Straße wollen von dem Schauspieler lernen, wie sie sicher auftreten, Texte aufsagen und Aufmerksamkeit erreichen können. Jetzt sollen sie eine bestimmte Schrittfolge (rechter Fuß nach vorne, linker zieht mit, rechter Fuß nach rechts, linker zieht nach usw.) einhalten, die Arme nach oben recken und „Gewähre!“ rufen, in die Knie gehen und der nächsten Gedichtzeile lauschen: „...dass ich ein- und ausgehe in meinem Garten“.
„Blautheater“ heißt das Projekt des Museumsdienstes der Stadt Köln. Die Jungen und Mädchen haben sich Paul Klees Gemälde „Hauptweg und Nebenwege“ (1929) angesehen und in einer spielerischen Übung erfahren, dass Klee sich von einer Nil-Reise hat inspirieren lassen. Deshalb haben sie auch „Das Ägyptische Totengebet“ auswendig gelernt, das sie szenisch aufführen.
Sascha Vredenburg hat seine Kamera vor Yves Kleins „Blaues Schwammrelief“ (1958) aufgebaut, jeweils ein Junge und Mädchen nehmen auf den kleinen Hockern Platz und beantworten Fragen zum Thema blau. „Blau machen?“ „Vielleicht blaue Farbe anmischen?“, schlagen gleich mehrere vor. „Wenn ich zum Chef gehe und sage, ich muss blaumachen, weil meine Großmutter gestorben ist.“ Florian Kreacsik hat sogar einen Zungenbrecher parat: „Blaukraut bleibt Blaukraut, und Brautkleid bleibt Brautkleid.“
Vredenburg studiert in Ludwigsburg szenische Regie und hat schon mehrfach Filme für den Museumsdienst gedreht, die als Anschauungsmaterial auf dessen Homepage zu sehen sind. El-Saeidi –„ich bin ein hessischer Araber“ – wurde in Gießen als Sohn ägyptischer Eltern geboren und gehörte von 2007 bis 2009 zum Ensemble des Schauspiels Köln unter Karin Beier. Für die Projekte mit Kindern im Museum kommt er immer wieder gerne nach Köln.


