26.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Kölner Stadt-Anzeiger | Auf Vier-Sterne-Niveau: Ralf Richter plant Obdachlosen-Hotel
30. September 2013
http://www.ksta.de/933588
©

Auf Vier-Sterne-Niveau: Ralf Richter plant Obdachlosen-Hotel

Schauspieler Ralf Richter arbeitet zusammen mit Pfarrer Hans Mörtter an einer luxuriösen Unterkunft für Obdachlose.

Schauspieler Ralf Richter arbeitet zusammen mit Pfarrer Hans Mörtter an einer luxuriösen Unterkunft für Obdachlose.

Foto:

dpa

Köln -

Es gibt vielleicht ein halbes Duzend Sieben-Sterne-Hotels auf der Welt. Das Burj-al-Arab in Dubai zählt dazu, oder die Seven Stars Galleria in Mailand. Auch Köln soll bald eines haben – zumindest dem Namen nach. Denn mit dem Ultraluxus mondäner Nobelherbergen hat die Kölner Unterkunft wenig gemein: Im „7 Sterne Hotel“ sollen ausschließlich Wohnungslose übernachten. Die Pension ist ein Projekt von Pfarrer Hans Mörtter, Schauspieler Ralf Richter und Künstler Cornel Wachter, die einen gleichnamigen Charity-Verein gegründet haben.

Mindestens 30 ansprechend gestaltete Einzelzimmer mit Dusche schweben den Initiatoren vor. Sie möchten Wohnungslosen eine Alternative bieten zu den bekannten Notunterkünften mit Schlafsälen, die keine Privatsphäre zuließen, sagt Mörtter. Auch diese Menschen hätten  ein Recht auf einen Schlafplatz mit „Würde“.

Suche in der Innenstadt

Noch fehlt dem Vorhaben jedoch etwas ganz Entscheidendes: Ein passendes Gebäude. „Wir suchen ein Haus in der Innenstadt. Dort ist der Lebensmittelpunkt der meisten Wohnungslosen“, sagt Mörtter. Zurzeit liefen Gespräche mit einigen Besitzern infrage kommender Immobilien, unter anderem mit der Deutschen Bahn. Wegen der aktuellen Verhandlungen wolle er aber noch nicht sagen, welche Häuser dies seien, erklärt Mörter. Ist erst einmal ein Gebäude gefunden, ist Umbau und Betrieb bereits durchgeplant. Die Hotelräume werden gemeinsam von Künstlern und Wohnungslosen gestaltet. Ein Online-Werkzeughandel unterstützt das Projekt mit Arbeitsmaterialien.

In der Herberge können die Gäste Ärzte kontaktieren, die sich bereiterklärt haben, kostenlos zu behandeln – auch ohne Krankenversicherung. Eine Fortbildungseinrichtung bietet Jobs an und Hilfe bei einem Neueinstieg in den Arbeitsmarkt. Gekocht wird in einer Gemeinschaftsküche. Damit das Hotel Wirklichkeit werden kann, benötige man rund drei Millionen Euro unter anderem für die Basisausstattung und die Anschubfinanzierung, schätzt Mörtter. Dafür müsse jedoch noch einiges an Spenden gesammelt werden.

Die Übernachtung ist entgegen erster Agenturberichte für Wohnungslose gratis. Wenn Betroffene über die Stadt in die Einrichtung vermittelt würden, trage die Verwaltung die Kosten. Für Gäste, die unangekündigt kommen, zahle der „7 Sterne Hotel“-Charity Verein, der sich wiederum durch Spenden finanziert, erläutert Mörtter. Ein oder zwei Sozialarbeiter werden im Hotel vor Ort sein, ein anderer Mitarbeiter hat ein Auge auf die Ausgaben und Anschaffungen. Ansonsten besorgen „festwohnende Insassen“ den Betrieb, wie der Pfarrer erklärt: Wohnungslose, die für eine gewisse Zeit in dem Hotel leben und dort Aufgaben übernehmen, etwa an der Rezeption. Extra bezahlt werden sie nicht. „Sie bekommen ja weiterhin ihren Hartz IV-Satz und ihr Wohnungsgeld von der Stadt“, sagt Mörtter.

Vorbilder in Moskau und New York

Mit Wohnungslosen, die den Betrieb regeln, haben ähnliche Hotelprojekt wie in Moskau, New York oder Berlin durchweg positive Erfahrungen gemacht, berichtet Mörtter. „Da kommt kein Kratzer ans Hotel. Sie sind stolz auf ihre Arbeit.“ Zudem wüssten die Mitarbeiter genau, wer wohnungslos ist und wer nicht. Denn Menschen, die nicht auf der Straße leben, sollen hier nicht unterkommen. „Die erkennen ihre Leute. Sie sind Realisten.“

Stolz auf sich zu sein, das sei ein Gefühl, was Mörtter auch den Gästen mit einem ansprechend gestalteten Hotel vermitteln möchte. „So fühlen sich die Menschen wahrgenommen und bekommen wieder Hoffnung.“ Und mit der Rückkehr der Hoffnung seien sie auch „wieder bereit, mit der Gesellschaft in einen Dialog zu treten – und wieder ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten“. Wenn man es schaffe, sie dazu zu verhelfen, sich wieder ins Gemeinwohl einzubringen, dann hätten sie „die Kurve gekriegt“. Und zum Kurvekriegen gebe es für Wohnungslose nur eine Alternative, sagt Mörtter: „Auf der Straße zu sterben.“

www.7sternehotel.com