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Austausch: Zirkus ohne Grenzen

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Die Sprache ist wohl die größte Herausforderung  dieses Austauschs. Manchmal verständigen sich die Artisten einfach mit Handzeichen.
Die Sprache ist wohl die größte Herausforderung dieses Austauschs. Manchmal verständigen sich die Artisten einfach mit Handzeichen.
Foto: michael bause
Köln

Es ist laut im Forum der Gesamtschule Holweide – so, wie es sich gehört, wenn über 80 junge Zirkusartisten aufeinandertreffen und trainieren. Fußgetrappel ist zu hören, Hula-Hoop Reifen landen scheppernd auf dem Boden, vor allem aber wird laut durcheinandergeplappert. Das Besondere an der heutigen Trainingseinheit des Circus Zappelino: die üblichen deutschen Wortfetzen mischen sich mit russischen Tönen.

Zu Besuch bei der Zirkus-AG der Gesamtschule Holweide sind neun Schüler und der Trainer einer russischen Zirkusschule aus Kölns Partnerstadt Wolgograd. Zehn Tage lang sind die Schüler in Köln, leben in den Familien der deutschen Zappelino-Jugendlichen und erarbeiten mit ihnen ein gemeinsames Programm, das sie am Samstag zum Städtepartnerschaftsfest aufführen werden. Dafür wird nun fleißig trainiert. In einer ruhigeren Ecke des Forums üben Gastschülerin Galina Soloveva und der deutsche Elftklässler Ruben Jäger eine gemeinsame Jonglage-Nummer. „Sie ist viel besser als ich“, sagt Ruben zwischen zwei Durchgängen anerkennend, Galina winkt ab. Viel Zeit zum Reden bleibt aber nicht, Galina will Ruben eine neue Technik zeigen.Interkultureller Unterricht par excellence.

„Unsere deutschen Schüler haben sich riesig auf den Besuch aus Russland gefreut“, erzählt Zirkusleiterin Kerstin Gaden. „Sie sind sogar freiwillig eine Woche lang jeden Mittag zu einem Crash-Kurs in russischer Sprache gekommen, um besser auf ihre Gäste vorbereitet zu sein.“ Ehrensache sei das, finden Paula Schomann und Lena Goddyson, beide in der siebten Klasse. „Wir haben auch Plakate gemalt, mit einer kyrillischen Begrüßung und den Namen unserer jeweiligen Austauschschüler“, erzählt Paula. Sie grinst. „Gut, das mit dem Kyrillisch ist ein bisschen schiefgegangen, weil man unsere Malereien nicht entziffern konnte – aber der Wille war da!“

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Die Sprache – das ist wohl die größte Herausforderung dieses Austauschs. „Unsere Gastschülerin spricht kein Deutsch und kein Englisch“, erzählt Paula. „Wir verständigen uns mit Handzeichen. Da kann es schon mal etwas dauern, bis man versteht, was der andere will.“ So geht es vielen innerhalb der Gruppe. Da die Russen zwischen zwölf und 16 Jahre alt sind, sind auch ihre Englischkenntnisse sehr unterschiedlich. Oft hilft nur die ein oder andere Übersetzungs-App fürs Handy – wobei sehr kuriose Missverständnisse entstehen können. Leo Frangenberg, dessen Familie ebenfalls einen Schüler aufgenommen hat, versuchte zum Beispiel, bei einer Autofahrt durch Köln zu erklären, dass es derzeit viele Baustellen in der Stadt gebe. Die App entschlüsselte die Information allerdings in „Sünde überall in Köln“. Entsprechend fiel auch der Gesichtsausdruck von Gastschüler Dennis aus. Erst die Rückübersetzung ins Deutsche löste das Rätsel auf – und sorgte für laute Lacher für die restliche Autofahrt.

In den Trainingseinheiten des Zirkus fällt zudem auf, dass der kulturelle Unterschied der beiden Nationalitäten sehr groß ist. „Wir merken, dass Zirkus in Russland Hochleistungssport ist. Wo hier bei uns der Spaß im Vordergrund steht, geht es im Zirkus Balakirev zunächst um Leistung. Das sind nicht zwei Welten, das sind zwei Planeten“, so Zappelino-Betreuerin Margarita Lewit, die selbst aus Weißrussland kommt und übersetzend zur Seite stehen kann. „Wer hier im Circus Zappelino jongliert, darf trotzdem auch Flugakrobatik ausprobieren oder mit dem Einrad fahren. In der russischen Gruppe ist es hingegen so, dass Jongleure ausschließlich jonglieren. Ihr Trainer kann nicht recht verstehen, warum wir mit denen jetzt trotzdem gerne eine Menschenpyramide ausprobieren möchten – für eine gemeinsame deutsch-russische Nummer.“

Das wirke sich auch auf die Jugendlichen aus, die in vielen Dingen eine größere Vorsicht walten lassen als ihre Gäste „Wir merken, dass die Gastschüler erst dann bei einer Übung mitmachen, wenn sie sich vorher bei ihrem Trainer rückversichert haben, dass sie das wirklich dü