29.07.2016
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Bis Januar geöffnet: Zugabe für zwei Weihnachtsmärkte

Familie Taenzer genießt den Bummel ohne Vorweihnachtsstress.

Familie Taenzer genießt den Bummel ohne Vorweihnachtsstress.

Köln -

Es war ein Zufall, der Familie Taenzer zum Heumarkt geführt hat. Die vier aus Widdersdorf spazierten durch die Altstadt, bis sie auf den Trubel aufmerksam wurden. Auf dem Platz wirkte dann alles genau so wie vor dem Fest: Menschen schlendern zwischen den Verkaufsständen umher, die Glühweintasse fest in der Hand. Vor der Kasse der Eisbahn erreicht die Warteschlange am frühen Donnerstagnachmittag eine Länge von knapp 20 Metern. „Wir sind begeistert“, sagt Marina Taenzer. „Jetzt kann man das ganze ohne Stress genießen.“ Das Urteil ihres Mannes Thorsten beschränkt sich auf ein einziges Wort: „Perfekt.“

Zum ersten Mal gehen in Köln zwei Weihnachtsmärkte in die Verlängerung. „Heinzels Wintermärchen“ mit der Eislaufbahn auf dem Heumarkt sowie der „Alpenzauber“ im Mediapark. „Es ist ein Experiment für uns. Am Ende werden wir wissen, ob es sich lohnt“, beschreibt die Inhaberin eines Mützenstandes die Einstellung der Händler.

Die Premiere mit Öffnungszeiten bis ins neue Jahr hinein ist fast so etwas wie ein Tabubruch. Die Verwaltung und der Rat haben bislang darauf bestanden, dass die Weihnachtsmärkte auf städtischem Grund und Boden am Abend vor dem 24. Dezember schließen müssen. Mit dem neuen Eisbahn-Konzept für den Heumarkt wurde diese Regelung gelockert. Der Mediapark unterliegt ohnehin keiner Beschränkung, da der Platz nicht der Stadt, sondern einem Unternehmen gehört.

Neuer Name: Wintermarkt

„Wir brauchen ein Angebot für die Zeit zwischen den Jahren“, sagt der Geschäftsführer von Kölntourismus, Josef Sommer. „Früher kamen die Besucher zu uns und haben sich vergeblich erkundigt, auf welchen Markt sie noch gehen könnten. In diesem Jahr haben wir ein angemessenes Angebot.“ Die FDP fordert seit Jahren, die Weihnachtsmärkte als Wintermärkte zu verlängern. Köln brauche für die Ferienzeit ein besseres Angebot für Touristen“, sagt der wirtschaftspolitische Fraktionssprecher Reinhard Houben. Dabei „sollte auch die Idee eines Kulturfestivals, zum Beispiels mit Bezug auf die Heiligen Drei Könige und den Krippenweg, in die Überlegungen einbezogen werden“.

Das sehen führende Politiker der rot-grünen Mehrheit anders. „Man muss als Kommune den Kommerz nicht künstlich über die Feiertage und die Zeit danach ausdehnen“, findet SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Börschel. Er habe den Eindruck, dass „die Kölner und auch die Touristen mit den bisherigen Öffnungszeiten zufrieden sind“. Für Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz ist ein Mehr an Öffnungstagen nicht zwangsläufig ein Gewinn: „Man kann eine Marke auch verwässern, indem man sie beliebig macht. In Köln haben die Weihnachtsmärkte Tradition, anderswo mögen das Wintermärkte sein.“ Sie halte es beispielsweise für „affig, einen Alm-Abtrieb in Weiß zu feiern oder ein Oktoberfest am Südstadion“.

Hamburger Nachtvergnügen

#image Die Städte halten es nach eigenem Ermessen. Der Christkindlesmarkt in Nürnberg ist bis Heiligabend 14 Uhr geöffnet, ebenso der Markt am Münchner Marienplatz. In Hamburg bleiben die Stände am Jungfernstieg bis zum 6. Januar stehen, in der Silvesternacht schließen sie erst um zwei Uhr nachts. Für den Düsseldorfer Weihnachtsmarkt gilt die gleiche Bestimmung wie mit Ausnahmen auch in Köln – am 23. Dezember ist Schluss. Der Veranstalter des Weihnachtsmarktes am Stadtgarten hat zwar freie Hand. Indes hält Stadtgarten-Geschäftsführer Norbert von der Grün eine Verlängerung des privaten Marktes an der Venloer Straße über Heiligabend hinaus nicht unbedingt für sinnvoll: „Ich finde, die Marke Weihnachtsmarkt wird langsam ein bisschen überstrapaziert.“