23.07.2016
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E-Zigaretten in Köln: Die Gäste „rauchen“ erst mal weiter

Bei der E-Zigarette wird die zu inhalierende Flüssigkeit, das Liquid, verdampft. Ob das Rauchen von E-Zigaretten unter das Nichtraucherschutzgesetz fällt, ist rechtlich noch ungeklärt.

Bei der E-Zigarette wird die zu inhalierende Flüssigkeit, das Liquid, verdampft. Ob das Rauchen von E-Zigaretten unter das Nichtraucherschutzgesetz fällt, ist rechtlich noch ungeklärt.

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dpa

Köln -

In einer Kölner Cocktailbar kann man in den letzten Wochen immer häufiger Gäste bei einer Tätigkeit beobachten, die sich offenbar schwer definieren lässt. Die Menschen führen einen Gegenstand zum Mund, der einer Zigarette ähnelt; sie ziehen daran, wie man dies bei einer Zigarette tut und atmen danach etwas aus, was wie Qualm aussieht.

Dass diese Leute gleichwohl überzeugt sind, nicht zu rauchen und somit auch nicht gegen das Gesetz zu verstoßen, liegt in erster Linie daran, dass der Gesetzgeber den Prozess des Rauchens klar definiert hat als „das bewusste Einatmen von Rauch verbrennender Pflanzenteile bis in die Mundhöhle oder bis in die tieferen Atemwege und Lunge." 

Der einzige in Kläger in Köln

Im Lorbass, einer seit 2007 bestehenden Bar im Belgischen Viertel, würde das Ordnungsamt indes weder verbrennende Pflanzenteile noch Aschenbecher oder ausgedrückte Kippen ausfindig machen können. Was man - und wenn auch nur bei genauem Hinschauen - durch die Luft wabern sieht, ist Dampf. Denn beim Konsum von elektronischen Zigaretten, abgekürzt e-cigs, wird nicht ein Krümel Tabak verbrannt.

Lediglich eine winzige Menge Flüssigkeit wird erhitzt und ähnlich dem Prinzip von Nebenmaschinen im Dampf umgewandelt.

Bei den austauschbaren Flüssigkeits-Depots kann der „Dampfer" zwischen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wählen und entscheiden, ob er diese mit oder komplett ohne Nikotin konsumieren will.

Ungeachtet der Tatsache, dass beim Zug an einer elektronischen Zigarette also gar nicht zwangsläufig Nikotin konsumiert wird, hat das NRW-Gesundheitsministerium bei der Einführung des verschärften Nichtraucherschutzgesetzes den Eindruck erzeugt, als sei nun auch der Gebrauch der elektrischen Zigarette an allen Orten verboten, an denen die herkömmlichen Raucherwaren nicht mehr verwendet werden dürfen.

Lorbass-Wirt Kamil Zaremba ist wahrscheinlich nicht der einzige, der sich über diese Maßregelung ärgerte, aber er ist der erste in Köln, der dagegen klagte.

Aus Sicht des 34-Jährigen widerspricht das Rauchverbot dem sozialen Gedanken der Gastronomie und zerstört eine Tradition, die aus seiner Sicht „gerade in einer Bar" nicht wegzudenken sei. Anwaltlich vertreten wird Zaremba vom Verwaltungsrechtler Holger Schwemer. Und für diesen ist die Rechtssituation eindeutig.

„Wassermelone und Kardamon“

„Das zum ersten Mai 2013 geänderte Gesetz erwähnt den Gebrauch der eZigarette nicht explizit im Gesetzestext, sondern ausschließlich in der Begründung", sagt der Hamburger Professor. Im Gesetzestext selbst werde nur von „Rauchen“ gesprochen und damit vom Vorgang der Pyrolyse, zu der es beim Gebrauch der E-Zigarette aber gar nicht komme. Deshalb könne die Neufassung des Gesetzes auch nicht auf die elektronische Zigarette angewendet werden.

Wie Zaremba gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger sagte, steht noch nicht fest, wann vor dem Kölner Verwaltungsgericht verhandelt wird. Solange kein rechtskräftiges Urteil erwirkt sei, dürfe jedoch weiter elektronisch geraucht werden, ohne dass das Ordnungsamt einschreite. Derweil drückt ein prominenter Kölner, nämlich Gerd Köster, „dem klagenden Wirt alle Daumen".

Er als ehemals „sehr starker Raucher" verdankt der E-Zigarette seine Abkehr von der Raucherei „und zwar völlig ohne Entzug". Inzwischen sei er ein leidenschaftlicher Dampfer und freue sich an der Vielfalt von Geschmacksaromen, die er teilweise selber mischt. „Wassermelone und Kardamon beispielsweise schmeckt super!"

Nach Einschätzung von Dac Sprengel, dem Vorsitzenden vom Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH), dürfte das Thema E-Zigaretten noch massiv auf uns zukommen. Bisher stammten die hauptsächlich übers Internet vertriebenen Geräte vorwiegend aus China. Inzwischen hätten jedoch auch namhaften Tabakkonzere das Geschäft erkannt und die entsprechenden Produkte in der Schublade. Die Firma British American Tobacco verfügt laut Sprengel bereits über ein fertiges Modell, das innerhalb der nächsten Monate auf den europäischen Markt kommen soll.