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Stadionmiete des 1. FC Köln : Sportstätten weisen FC-Angebot zurück

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Nur noch 500 000 Euro Miete pro Saison will der 1. FC Köln für das Stadion zahlen. Foto: Rainer Dahmen
Der Kölner Sportstätten-Aufsichtsrat hat das Angebot des 1. FC Köln, eine deutlich geringere Stadionpacht zu zahlen, als völlig unzureichend abgelehnt. Dennoch ist die Stadt weiterhin gewillt, dem Klub unter die Arme zu greifen.  Von
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Auch wenn er zu den Einzelheiten des Mietangebots für das Rhein-Energie-Stadion, das der 1. FC Köln der Stadt am Mittwochabend übermittelt hat, keine Angaben machen darf, die Verärgerung über die Offerte des Zweitligisten war Andreas Köhler deutlich anzumerken. „Es ist weder rechtlich noch betriebswirtschaftlich annehmbar“, sagte der Aufsichtsratschef und CDU-Politiker nach der Sitzung des Gremiums am Freitag. Das Ergebnis dürfte den Klub nicht überraschen: Das Angebot wurde einstimmig abgelehnt. Wäre man auf den Vorschlag eingegangen, hätte die Stadt „bereits gezahlte Pacht für das laufende Geschäftsjahr zurückerstatten müssen“, sagte Köhler.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat der Klub vorgeschlagen, rückwirkend für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. Juni endet, und für die neue Saison jeweils 500.000 Euro Miete zu zahlen. Der Mietvertrag sieht dagegen jährliche Zahlungen von 3,49 Millionen Euro vor. Die Stadt müsste also auf sechs Millionen Euro verzichten. Das entspricht genau der Liquiditätslücke, die FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle zum 30. Juni schließen muss.

Bei einer Laufzeit des Mietvertrags von zehn Jahren enthält das FC-Angebot die Annahme, dass der Verein davon acht Jahre in der Bundesliga spielt. Pro Jahr sollte zusätzlich zur aktuellen Miete, die in der Ersten Liga 6,885 Millionen Euro beträgt, eine weitere Million gezahlt werden. Nach sechs Bundesliga-Jahren in Serie, also frühestens am Ende der Saison 2018/19, wären nach diesem Vorschlag die Mietschulden beglichen. Immer vorausgesetzt, dass der Aufstieg in der kommenden Spielzeit gelingt und danach kein Abstieg dazwischen kommt.

Der FC hat überhaupt nichts begriffen

„Der 1. FC Köln hat überhaupt nicht begriffen, worum es eigentlich geht“, sagt ein Insider. „Die Stadt muss auf Dauer mehr Stadionmiete verlangen – und nicht weniger.“ Ließe man sich auf den FC-Vorschlag ein und überweise gar bereits gezahlte Mieten zurück, sei das eine unzulässige Subventionierung des Profifußballs. „Damit machten sich die Geschäftsführung der Sportstätten und der Aufsichtsrat mit hoher Wahrscheinlichkeit der Untreue schuldig.“

Trotz dieser Offerte ist die Stadt Köln weiterhin bereit, dem Klub unter die Arme zu greifen. Das bisherige Kompromissangebot der Kölner Sportstätten (KSS) sieht nach Informationen dieser Zeitung eine Zweitliga-Miete von zwei Millionen Euro von der kommenden Saison an vor. Sollte der Verein in die Bundesliga aufsteigen, würde sich die Miete auf neun Millionen Euro erhöhen. Dabei geht die KSS davon aus, das der Klub von den kommenden zehn Spielzeiten mindestens sechs in der Bundesliga verbringt. Das würde der Stadt im Vergleich zum aktuellen Vertrag innerhalb von zehn Jahren Mehreinnahmen von sechs Millionen Euro bringen.

Darüber hinaus haben die Sportstätten eine Bonusliste erarbeitet, auf der im Detail festgelegt ist, welche Zusatz-Zahlungen der FC zu erbringen hat, sollte er im DFB-Pokal unter die letzten Vier kommen, in der Bundesliga auf einem einstelligen Tabellenplatz landen oder sich gar für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren.

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Sollten die Verhandlungen, die in der Woche nach Pfingsten mit einem „vermittelnden Gegenangebot“ der Stadt fortgesetzt werden, scheitern, ist juristisch höchst umstritten, ob der Klub am Ende der nächsten Saison aus dem alten Mietvertrag aussteigen kann, den er vor einem Jahr vorzeitig um weitere zehn Jahre verlängert hat. Sollte das geschehen, fallen alle Rechte am Rhein-Energie-Stadion an die Sportstätten GmbH zurück, einschließlich der Namensgebung und der Vermarktung.

„Diese Drohung geht ins Leere. Der Klub muss sich endlich bewegen“, sagt der Insider. Man könne schwerlich einerseits mit Unternehmen über die Vergabe des Stadion-Caterings ab 1. Juli für eine Laufzeit von zehn Jahren verhandeln, sich davon Einnahmen von drei bis fünf Millionen erhoffen und gleichzeitig mit der Kündigung des Mietvertrags drohen.

SPD-Fraktionschef Martin Börschel wundert sich angesichts der verfahrenen Situation auch darüber, dass der Klub die Gespräche über eine mögliche Übernahme des Stadionbetriebs von den Mietvertragsverhandlungen entkoppelt hat. Könnte der FC anhand eines belastbaren Wirtschaftsplanes nachweisen, dass sich mit dem Stadion unter Einbeziehung der Premium-Partner und Sponsoren der Klubs mehr verdienen lässt, hätte das sicher positive Folgen für den Mietpoker.

In einer Stellungnahme bezeichnete der 1. FC Köln die betriebswirtschaftlichen Gründe, die zur Ablehnung des Angebots seitens der Kölner Sportstätten geführt haben, als sachlich falsch. FC-Geschäftsführer Alexander Wehrlesagte: „Eine genaue Begründung, an welcher Stelle das Angebot nicht passt, wurde uns bislang noch nicht mitgeteilt."

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