26.07.2016
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Im Rhein-Energie-Stadion: Ein Zeichen gegen Homophobie

Schwul-lesbische Fußball-Anhänger tauschen sich bei einem Treffen im Rheinenergie-Stadion aus.

Schwul-lesbische Fußball-Anhänger tauschen sich bei einem Treffen im Rheinenergie-Stadion aus.

Foto:

Michael Bause

Köln -

Patrick Maas sitzt seit stolzen acht Jahren jedes Wochenende auf den rot-weißen Rängen des Kölner Rheinenergie-Stadions.

Er ist nicht nur leidenschaftlicher FC-Anhänger, sondern zugleich Mitglied im schwul-lesbischen Fanclub „Andersrum-rut-wiess“. Der 43-Jährige hat die Fangemeinde selbst mitgegründet und ist Teil des Sprecherrats der QFF (Queer-Football-Fanclubs), die an diesem Wochenende zum 14. Internationalen Treffen in der Kölner Spielstätte tagten.

Das Netzwerk europäischer schwul-lesbischer Fanclubs wurde 2006 ins Leben gerufen und hat sich seit jeher Toleranz und Anti-Diskriminierung auf die Fußballfahnen geschrieben. Die rund 30 Fangemeinden aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz stellen während ihres Zusammenkommens den gemeinsamen Erfahrungsaustausch in den Vordergrund: Zweimal im Jahr tummeln sich blaue Schalke-Schals zwischen den knallgelben Trikots Dortmunder Borussen und roten Bayernmützen. Getrennt in der Farbe, vereint in der Sache.

Zeitpunkt nicht so wichtig

Dass das QFF-Treffen nun im Rahmen des Coming out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger eine gänzlich neuen Medienaufmerksamkeit erfährt, schätzt Maas positiv ein. „Schwul-lesbische Fans müssen mehr Sichtbarkeit erfahren. Nur so können wir gegen Homophobie angehen“, betont er. Den Tenor mancher führender Funktionäre, aktive Spieler könnten sich ihrer Fans wegen nicht offen über ihre Homosexualität äußern, hält er für eine Verkennung der Realität.

Die Stadionränge seien nun mal nicht voll von „homofressenden Neandertalern“. Vielmehr könne man den Fankurven so etwas wie „Selbstreinigungskräfte“ zusprechen: Wem im Stadion homophobe Sprüche über die Lippen kommen, der muss heutzutage mit Gegenwind rechnen. Patrick Maas ist sich sicher: „Die Fans haben dazugelernt.“

Die öffentlichen Reaktionen auf Hitzlspergers Bekenntnis zur Homosexualität würde Netzwerken wie dem QFF die Chance bieten, ihre Sicht auf die Dinge darzustellen. Und die beschränkt sich nicht auf banale Diskussionen über den Zeitpunkt des Bekenntnisses. „Ob vor oder nach Ende der Karriere, ist doch egal“, sagt Chris Schulze, Mitglied der Duisburger Rainbow Zebras. Ein wichtiger Schritt sei getan, einer auf dem Weg zur Normalität, für die auch die QFF kämpfen. Schulze selbst lebt sie bereits: Er ist schwul, geoutet - und seit zwölf Jahren Stadionsprecher des MSV Duisburg.