26.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Festkomitee Kölner Karneval: Kein „Charlie Hebdo“-Wagen im Kölner Rosenmontagszug

Skizze des geplanten Wagens für den Rosenmontagszug

Skizze des geplanten Wagens für den Rosenmontagszug

Köln -

Nach den Diskussionen über den Persiflage-Wagen zu den Pariser Terroranschlägen hat das Festkomitee Kölner Karneval den Wagen am Mittwochabend aus der Planung für den Rosenmontagszug zurückgezogen. In einer Pressemitteilung des Festkomitees heißt es, man stehe zwar immer noch zur Aussage des Entwurfs. Aber: „Wir möchten, dass alle Besucher, Bürger und Teilnehmer des Kölner Rosenmontagszuges befreit und ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben.“ Und ein Wagen, der „die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt“, sei nicht gewollt. Aus diesem Grund sei entschieden worden, den Bau des geplanten „Charlie Hebdo“-Wagen zu stoppen.

Die Idee für das Gefährt ist in der vorigen Woche vorgestellt worden. Nachdem das Festkomitee die Teilnahme beschlossen hatte und über verschiedene Entwürfe im Internet abgestimmt worden war, hatten sich Fragen gestellt, darunter die der Sicherheit für Zugteilnehmer und Zuschauer: Besteht eine Gefahr durch einen möglichen Anschlag?

Keine konkrete Gefahr

Nach derzeitigen Erkenntnissen nicht, sagte die Polizei. Behördensprecher Christoph Gilles betonte am Mittwochnachmittag, bevor die Entscheidung des Festkomitees bekannt wurde, erneut: „Uns liegen keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung vor.“ Einzelheiten zum angedachten Schutzkonzept wollte er nicht verraten. Eine Option wäre nach Angaben aus Polizeikreisen unter anderem gewesen, den „Charlie Hebdo“-Wagen von getarnten Spezialkräften begleiten zu lassen.

Nach Informationen aus Polizeikreisen hatten sich mehrere Karnevalisten besorgt geäußert, im Zug in der Nähe des Wagens zu laufen – aus Angst, Ziel eines möglichen Anschlags zu werden. „Gegenüber dem Festkomitee wurden solche Ängste nicht kommuniziert“, teilten die Karnevalisten am Mittwochabend mit. Wenngleich: „Einige Rückmeldungen haben uns auch von besorgten Bürgern erreicht, die wir sehr ernst nehmen.“

1461732

Kürzlich hatten sich Zugleitung und Polizei getroffen, um über die Sicherheit zu diskutieren – das allein ist nicht ungewöhnlich, das geschieht jedes Jahr. Diesmal allerdings ging es konkret auch um den geplanten Persiflage-Wagen zu „Charlie Hebdo“.

Ein Mitarbeiter der Abteilung Staatsschutz empfahl Zugleiter Christoph Kuckelkorn, den Wagen so zurückhaltend wie möglich zu gestalten und zum Beispiel auf das Zeigen von provokanten Mohammed-Karikaturen zu verzichten. Überredungskunst sei in dem Gespräch nicht ansatzweise nötig gewesen, berichtet ein Ermittler. Kuckelkorn habe diese Einschätzung geteilt: „Wir wollen unsere Position und unsere Haltung aufzeigen, aber wir wollen auf keinen Fall weiter provozieren.“

Da war er sich immer auch mit Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach einig. Allerdings werde man keinerlei Risiko eingehen, „nicht für die Leute, die im Zoch mitgehen und nicht für die Jecken, die am Straßenrand stehen“, so Ritterbach am Mittwochnachmittag. Für eine Verunsicherung bei einigen Zugteilnehmern und Besuchern zeigte er Verständnis. Aber: „Wir kennen nur Gesellschaften, die sich um den Wagen beworben haben.“

Oberbürgermeister Jürgen Roters plädiert nach den Worten seines Sprechers Gregor Timmer noch wenige Stunden vor der Absage durch das Festkomitee dafür, den Wagen mitziehen zu lassen. Es sei für den Karneval wichtig, dass er sich „solidarisch zeigt mit denen, die Witz und Karikatur pflegen“. Deshalb habe der Entwurf seinen berechtigten Platz im Zug, zumal der Witz nicht so überzogen sei, dass er andere Menschen provoziere und für neue Auseinandersetzungen sorge.

Auf dem „Charlie“-Wagen wären die Mitglieder der Kölnischen Karnevalsgesellschaft gefahren. Deren Sprecher Wolfgang Baldes hatte vor dem gestrigen Rückzug des Entwurfs gesagt, man verlasse sich auf die Gefahreneinschätzung der Polizei und auf Gespräche mit dem Festkomitee, wonach auch mit einem Islamwissenschaftler abgeklärt worden sei, dass das Motiv des Wagens keine religiösen Gefühle und Ansichten verletze.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?