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„Lebenswerte Veedel“: Preisgekrönt und gefährdet

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Singkreis in einer Kita am Kölnberg.  Foto: Bause
Das preisgekrönte Kölner Projekt „Lebenswerte Veedel“ bemüht sich, die Spaltung zwischen Arm und Reich ein wenig zu schließen. Doch nun will die Stadt die Stellen der elf Koordinatoren streichen – und damit 600.000 Euro einsparen.  Von
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Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich vertieft sich. Das stellt die Jury des Preises „Soziale Stadt 2012“ fest. Zu den ausgezeichneten Bewerbungen gehört ein Kölner Projekt, das trotz allem nun von Kürzungen bedroht ist. Das 2006 von Stadtverwaltung und Wohlfahrtsverbänden gestartete Reformprojekt „Lebenswerte Veedel“ setzt das Prinzip der Sozialraumorientierung um – ein Ansatz für sozial schwache Stadtteile.

In Reportagen aus den einzelnen Stadtbezirken stellt der „Kölner Stadt-Anzeiger“ die unterschiedlichen Sozialräume vor:

Worum geht es in der Sozialraumkoordination?

Üblicherweise koordinieren Sozialarbeiter und Stadtverwaltung ihre Anstrengungen innerhalb eines thematisch eingegrenzten Bereiches wie Jugend, Frühförderung, Suchtkrankheiten oder Arbeitsvermittlung. Mit der Sozialraumkoordination nehmen sie zusammen mit Jugendamt, Polizei, Schulen, Kindergärten und auch Ehrenamtlichen hingegen ein bestimmtes Gebiet als Ganzes in den Blick.

So soll verhindert werden, dass ganze Stadtteile abgehängt werden. Das ist kein bahnbrechend neuer Ansatz. In seiner Konsequenz dürfte die Kölner Vorgehensweise jedoch recht einmalig sein, auch weil sie gemeinsam von Wohlfahrtsverbänden und Stadtverwaltung entwickelt wurde. Die „Soziale Stadt“-Jury würdigt mit ihrer Entscheidung nicht weniger, als dass „eine ganze Stadt sich strukturell neu orientiert“. Trotzdem steht nun die Fortführung des Programms, das Ende des Jahres ausläuft, zur Debatte.

Kölns Sozialraumgebiete. 

11 Stellen werden gestrichen

Einen entsprechenden Einsparvorschlag hat die Dezernentin für Jugend und Bildung, Agnes Klein, in die Haushaltsberatungen eingebracht. 660 800 Euro für die Stellen der elf Sozialraumkoordinatoren sollen gestrichen werden. Das Programm kostet jährlich knapp 1,2 Millionen. Gut angelegtes Geld, finden viele, die sich in den Sozialräumen auskennen. „Eine klassisch freiwillige Leistung der Stadt“, sagt Klein. Gleichzeitig will Klein die Chance für einen Umbau des Programms nutzen.

Die Sozialraummittel – Geld, mit dem die Koordinatoren kleinere Initiativen anschieben, Feste und Kurse finanzieren konnten – blieben demnach erhalten. Die Aufgaben der Koordinatoren sollen von den städtischen Bezirksjugendpflegern übernommen werden. Politiker aus den betroffenen Stadtteilen fürchten, dass die Errungenschaften der Sozialraumkoordinatoren damit zunichte gemacht werden. Sechs von neun Bezirksvertretungen haben sich explizit gegen Kürzungen bei diesem Programm ausgesprochen.

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Außer in den Bezirken Lindenthal, Innenstadt – hier wurden keine Sozialräume definiert – und Nippes gaben alle Stadtteilparlamente ihre Kritik an den Plänen mit in die Haushaltsberatungen der Ratsfraktionen. Ossi Helling, Ratsmitglied für die Grünen, hält die Übertragung der Aufgaben auf die Bezirksjugendpfleger für eine „Pseudo-Alternative“. Sie seien bereits jetzt voll ausgelastet. Von der SPD-Fraktion stammt der Vorschlag, die Koordinatorenstellen statt wie bisher bei den freien Trägern vor Ort bei den Bezirksrathäusern anzusiedeln.

Opposition für konstruktive Vorschläge

Ralf Heinen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sieht das als Chance, die Arbeit in den Sozialräumen „stärker an die Stadt anzubinden und mit den einzelnen Ämtern zu vernetzen“. Im Idealfall könne die Stadt die Koordinatoren, die bislang gute Arbeit geleistet hätten, übernehmen. „Wir wollen das durch andere Einsparungen gegenfinanzieren, zur Hälfte wissen wir auch schon wo“, zeigt sich Heinen zuversichtlich. Noch in der ersten Jahreshälfte entscheidet der Rat über den Haushalt für die Jahre 2013 und 2014.

Ulrich Bergmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband hat das Konzept seinerzeit mitentwickelt. „Der Sozialraumkoordinator ist das Herzstück“, sagt er. Auch er hält die Übertragung an den Bezirksjugendpfleger für „nicht tragfähig“. Die zusätzlichen Aufgaben gingen „weit über die Jugendhilfe hinaus“. Marc Ruda, Geschäftsführer des DRK und Sprecher der Wohlfahrtsverbände, fürchtet, dass Spielraum verloren gehe, wenn die Aufgabe von der Verwaltung übernommen werde. „Die Koordinatoren würden vor Ort dann ganz anders wahrgenommen“, so Ruda.

Die Opposition ist für konstruktive Vorschläge offen. „Wir wollen diese vernünftige Arbeit grundsätzlich erhalten“, sagt CDU-Chef Winrich Granitzka. Die Erreichbarkeit der Koordinatoren für die Bürger stehe an vorderster Stelle. Sylvia Laufenberg, jugendpolitische Sprecherin der Liberalen kann den Sparvorschlag nachvollziehen. Zum SPD-Vorstoß äußerte sie sich kritisch, schließlich sei er mit neuen Kosten verbunden.

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