25.08.2016
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Rechtsradikales Attentat auf OB-Kandidatin in Köln: Henriette Reker wird vollständig genesen

Die Kölner Uniklinik.

Die Kölner Uniklinik.

Foto:

Grönert

  • Die parteilose OB-Kandidatin Henriette Reker ist am Samstagmorgen bei einer Messer-Attacke auf einer Wahlkampfveranstaltung schwer am Hals verletzt worden.

  • Sie wurde in der Uniklinik operiert. Mittlerweile geht es ihr besser. Sie wird vollständig genesen Politiker aller Parteien sprechen ihr Genesungswünsche aus.

  • Der Täter Frank S. ist festgenommen worden. Er hat offenbar aus rechtsextremen Motiven gehandelt. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ war er Sympathisant der rechtsextremistischen FAP.

  • Die Polizei hat ein Wohnhaus in Köln-Nippes durchsucht.

  • Eine Menschenkette versammelte sich am Abend vor dem Rathaus, um ein Zeichen gegen Gewalt und Extremismus zu setzen.

Es berichten Tim Attenberger, Peter Berger, Sarah Brasack, Andreas Damm, Claudia Hauser, Christian Hümmeler, Detlef Schmalenberg, Tim Stinauer, Heribert Rösgen, Ismene Poulakos, Alexander Holecek und Niels Altenmüller (Text) sowie Martina Goyert, Arton Krasniqi, Peter Rakoczy und Stefan Worring (Fotos).

Am Samstagmorgen wurden auf dem Kölner Wochenmarkt in Braunsfeld bei einer Messerstecherei fünf Menschen verletzt – unter ihnen auch die OB-Kandidatin Henriette Reker, die einen Tag vor der Wahl mit schweren Verletzungen in der Uni-Klinik operiert werden musste. Nach der Operation stand jedoch fest: Sie wird wohl wieder völlig genesen.

Der Täter wurde festgenommen. Der arbeitslose 44-jährige Frank S. soll mit einem 30 Zentimeter langen Bowie-Messer und einem Butterfly-Messer gezielt auf Henriette Reker losgegangen sein. Die Ermittlungen nach dem Tatmotiv ergaben Hinweise auf rechtsextremistische Hintergründe des Täters. Auch ein psychologisches Gutachten wurde erstellt. Scheinbar handelt es sich bei Frank S. um einen Einzeltäter. Die Ermittlungen dauern an.

Bundesweit drückten Bürger und Politiker ihre Betroffenheit über das Attentat aus. In Köln versammelten sie sich vor dem Rathaus, um mit einer Menschenkette ein Zeichen gegen Gewalt und Extremismus zu setzen. Sowohl der amtierende Oberbürgermeister Jürgen Roters, als auch OB-Kandidat Jochen Ott zeigten sich bestürzt über den Vorfall.

Auf die Wahl am Sonntag hatte das Attentat keine direkten Auswirkungen. Sie wird wie geplant stattfinden. Hier geht's zu unserem Newsticker zur OB-Wahl am Sonntag

Alle Infos des Samstags zum Nachlesen:

+++23:55 Uhr: Update zum Gesundheitszustand der weiteren verletzten Personen: Laut Geschäftsführer der FDP-Ratsfraktion, Ulrich Breite, geht es den verletzten Personen den Umständen entsprechend gut.+++

+++23:30 Uhr: Unklarheit über weitere verletzte Personen: Am späten Samstagabend gibt es zum Gesundheitszustand der vier weiteren verletzten Personen keinen neuen Kenntnisstand.+++

+++23:02 Uhr: Am Sonntag fährt die Polizei an allen Wahllokalen Objektschutz, also verstärkt Streife. Das wurde den Beamten auf der Innenstadtwache gerade eben bei der Besprechung vor Beginn des Nachtdienstes mitgeteilt.+++

+++22:42 Uhr: Was hat den Attentäter dazu gebracht, Henriette Reker mit einem Messer zu verletzen?Laut eines renommierten Psychiaters wollte der offenbar unter Wahnhaftigkeit leidende Täter öffentlich ein Zeichen setzen.+++

+++22:25 Uhr: Auch das Social-Media-Team von Henriette Reker bestätigt jetzt die guten Nachrichten aus dem Krankenhaus.+++

+++21:42 Uhr: Neue Informationen aus dem Krankenhaus: „Die Operation von Frau Reker ist sehr gut verlaufen“, teilte Professor Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln, am Samstagabend mit. „Wir haben keinen lebensbedrohlichen Zustand mehr.“

Professor Karl-Bernd Hüttenbrink, Direktor der Klinik für Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde der Uniklinik, sagte zur Prognose für die 58-jährige Reker: „Wir halten zum jetzigen Stand und bei normalem Verlauf die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit von Frau Reker für wahrscheinlich.“ Auch der Kölner CDU-Chef Bernd Petelkau bestätigte am Samstagabend diese Informationen.+++

+++20:55 Uhr: Rechtlich darf Henriette Reker, sofern es ihr Gesundheitszustand zulässt, aus dem Krankenhaus ihre Stimme abgeben.Ein entsprechender Paragraph ist im Kommunalwahlrecht eingebaut.+++

+++20:49 Uhr: Hannelore Kraft kämpfte beim Besuch in Köln mit den Tränen: „Wir beten für Henriette Reker“, sagte die Ministerpräsidentin. Jeder Politiker kenne die unübersichtliche Momente am Wahlkampfstand: „Wir wollen in solchen Situationen ja keine Distanz. Wir Politiker leben ja davon, dass die Menschen zu uns kommen“, sagte Kraft dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Tat falle in eine besorgniserregende politische Atmosphäre, die sich offen gegen Politiker richte: „Ich habe schon mit Sorge die Galgen bei Pegida gesehen. Es ist unerträglich, dass es auch nach dem Attentat auf Henriette Reker höhnische Kommentare im Internet gibt.“+++

+++20:35 Uhr: In seiner Vernehmung soll der Täter sein Motiv noch einmal bestätigt haben. „Reker und Merkel fluten uns mit Ausländern und Flüchtlingen“, hat Frank S.nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeiger" sinngemäß ausgesagt.+++

+++19:50 Uhr: Auch der Synagogen-Verein Köln hat seine Solidarität mit den bei dem Attentat Verletzten erklärt. „Wir verurteilen die Tat dieses verirrten Menschen auf das Schärfste.“ Angesichts der offenbar rassistisch motivierten Tat fühlt sich der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln in seiner Sorge um die Sicherheit aller jüdischen Einrichtungen in Köln und NRW bestätigt.+++

+++19:21 Uhr: Der Reker-Attentäter Frank S. soll nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ Sympathisant der rechtsextremistischen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) gewesen sein, die im Februar 1995 verboten wurde. Dem Vernehmen nach wird dies momentan auch von den Ermittlern geprüft, die den Messerangriff aufklären sollen. Gemeinsam mit einigen der Neonazis soll S. in den 1990er Jahren bei Gedenkmärschen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in Fulda und Luxemburg gewesen sein, berichten Kenner der Szene.+++

+++18:45 Uhr: Menschenkette vor dem Rathaus: Mit einer Menschenkette vor dem Historischen Rathaus in der Kölner Innenstadt haben Politiker und Bürger am Samstag um 18 Uhr ein Zeichen gegen Gewalt und Extremismus gesetzt. SPD-OB-Kandidat Jochen Ott, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, FDP-Chef Christian Lindner und der NRW-CDU-Landesvorsitze Armin Laschet haben teilgenommen+++

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