29.06.2016
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„Schulkrieg“: Abi-Gag mit 40.000 Euro Schaden

Bewaffnet mit Wasserpistolen: Abiturienten des Humboldt-Gymnasiums

Bewaffnet mit Wasserpistolen: Abiturienten des Humboldt-Gymnasiums

Foto:

Arton Krasniqi

Köln -

Die Schüler stehen Schulter an Schulter, vermummt mit Sturmmasken und schwarzen Kapuzenpullovern. Darauf gedruckt sind Logo und Name ihrer Gruppe: eine Steinschleuder, umrahmt vom Schriftzug „Kölsch Kraat Kommando“. Dann gehen sie zum Kofferraum eines Autos, um sich zu bewaffnen. Im nächsten Moment erkennt allerdings man, dass das Video einen ironischen Hintergrund hat: Statt Pistolen und Eisenstangen kommen Bananen und Gurken zum Vorschein.

„Kölsch Kraat Kommando“, abgekürzt KKK, nennt sich seit einigen Jahren der jeweilige Abiturjahrgang des Humboldt-Gymnasiums. Unter Kölner Gymnasiasten genießt die Gruppe einen zweifelhaften Ruf: Sie soll dafür verantwortlich sein, dass der sogenannte Schulkrieg in der letzten Woche vor den Osterferien immer weiter eskaliert. Bilanz bisher in diesem Jahr: fünf Anzeigen wegen Sachbeschädigung, Schäden in Höhe von etwa 40.000 Euro, die Polizei ermittelt.

Denn was eigentlich als harmloser Wettstreit zwischen den Oberstufenschülern gedacht ist, artet immer weiter aus. Statt sich nur mit Wasserbomben oder Spritzpistolen gegenseitig nass zu machen, kommen in letzter Zeit auch immer wieder Böller zum Einsatz, Farbballons werden geschmissen oder Schulfassaden mit Graffiti beschmiert. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurden etwa an der Liebfrauenschule Penisse in weißer und grüner Farbe gesprüht. „Das sind keine Streiche mehr, da sind wir im Bereich eines Straftatbestandes“, sagte Polizeisprecher Andreas Frische.

Angriffe werden koordiniert und geplant

Die Anzeigen wurden von den Schulen erstattet. Hört man sich um, kristallisiert sich schnell heraus, dass es Auseinandersetzungen zwischen fast allen Gymnasien gibt. „Das ist flächendeckend über die ganze Stadt verteilt“, bestätigt Uwe Kaven von der städtischen Gebäudewirtschaft. Die Angriffe werden koordiniert und geplant. Man verabredet sich über das Internet oder das Mobiltelefon. Schüler des Königin-Luise-Gymnasiums berichten, dass plötzlich neun Autos vor ihrer Schule aufgekreuzt seien. Die Insassen hätten die Fassade des Gebäudes mit Eiern beworfen. Abiturienten des Gymnasiums Kreuzgasse seien von der Polizei angehalten worden. In ihrem Kofferraum hätten Sturmhauben und Eier gelegen.

Neun Meldungen über Schäden sind bislang eingegangen. Insgesamt liegen die Schäden für Vandalismus an den Schulen der Stadt im Jahr zwischen 100.000 und 500.000 Euro.

Hintergrund der Eskalation ist offenbar das Auftreten des „Kölsch Kraat Kommandos“ vor zwei Jahren. „Die haben sich ziemlich danebenbenommen“, gesteht ein Abiturient des aktuellen Jahrgangs ein. Damals hätten Humboldt-Schüler vor anderen Schulen etwa ihre Notdurft verrichtet und damit provoziert. Seitdem verbünden sich Abiturienten verschiedener Schulen, um es dem Humboldt-Gymnasium heimzuzahlen. Und übertreten dabei offenbar selber Grenzen des Strafgesetzes: In der Nacht auf Dienstag sollen mehr als 100 Schüler mit Farbbeuteln, Kleister, Mehl und Böllern auf die Schule am Kartäuserwall losgegangen sein. Eine KKK-Nachtwache setzte sich zur Wehr, es soll vereinzelt zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sein. Erst als die Polizei kam, löste sich die Gruppe auf.

„Wir distanzieren uns von jeglicher Form der Gewalt“, sagt ein Mitglied des KKK am Dienstag und ruft die anderen Schulen dazu auf, sich ebenso zu verhalten. Die Eskalationsspirale könnte sich dennoch weiterdrehen. Die sogenannte Mottowoche, in der sich die Schulen gegenseitig aufs Korn nehmen, läuft noch bis Freitag. Schüler des Gymnasiums Rodenkirchen haben mittlerweile auf das KKK-Video reagiert und einen eigenen Film gedreht. Ebenfalls maskiert und mit schwarzen Kapuzenpullis bekleidet, spielen sie das Video der Humboldt-Konkurrenz nach. Doch aus dem Kofferraum holen sie keine Bananen und Gurken, sondern einen Baseballschläger und zwei Pumpguns.