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„Schulkrieg“: Wasserschlachten und Böllerwürfe

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Mehrere Hundert Schüler hatten sich vor dem Humboldt-Gymnasium verabredet.  Foto: Arton Krasniqi, KSTA
Was im Zuge der Mottowoche als humorvolle Provokation gemeint war, endete mit Ausschreitungen. Während es den meisten nur um Wasserschlachten ging, haben andere Abiturienten deutlich über die Stränge geschlagen.  Von
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In diesem Jahr begann es schon zwei Wochen vor den Osterferien: Abiturienten machten sich auf den Weg, um andere Schulen „anzugreifen“ – so nennen die Schüler ihre gegenseitigen Besuche. „Wir hatten schon 14 Tage vor den Ferien Unruhe“, berichtete die Schulleiterin des Gymnasiums Rodenkirchen, Almuth Roselieb. Eigentlich soll an den letzten fünf regulären Schultagen vor den Abiprüfungen noch mal „der Spaß“ an den Schulen regieren, wie eine Schülerin sagt. Mottowoche nennt sich das. Es wird gefeiert, gegrillt, und Schüler anderer Schulen sollen höchstens mit Wasserbomben aufs Korn genommen werden.

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Doch auch 2013 haben in der Mottowoche wieder einige Schüler über die Stränge geschlagen − und auch schon davor, wie das Beispiel Rodenkirchen zeigt. Während es den meisten nur um Wasserschlachten ging, haben andere Abiturienten mit Eiern, Farbbeuteln oder Mehlbomben geworfen, Schulen mit Graffiti beschmiert und Urin oder Essig statt Wasser in ihre Wasserpistolen gefüllt.

„Die Situation ist völlig entgleist“

Nach einem Buttersäureanschlag wurde der Eingang des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums in Sülz zeitweise gesperrt. Das Apostelgymnasium musste wegen Schmierereien an der Schulmauer viermal eine externe Reinigungsfirma beauftragen. „Die Situation ist völlig entgleist“, sagt Schulleiter Klaus Zimmermann.

Was wohl meist leichtsinnig als Spaß gedacht ist, stellt in vielen Fällen eine Straftat dar. 17 Anzeigen wegen Sachbeschädigung zählte die Stadt im Jahr 2013, der Schaden beläuft sich laut Amt für Gebäudewirtschaft auf insgesamt 50.000 Euro. Gleichwohl: Da die Täter bei ihren nächtlichen Aktionen unerkannt bleiben, muss die Allgemeinheit die entstehenden Kosten tragen.

Eine neue Dimension erreichten die Aktionen der Mottowoche am späten Abend des 21. März. Bei einer als Wasserschlacht geplanten Auseinandersetzung vor dem Humboldt-Gymnasium am Kartäuserwall wurden drei Polizisten durch Böller verletzt. Laut einem Sprecher der Behörde erlitten die Beamten Knalltraumata und mussten ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

Etwa 500 Schüler hatten sich gegen 22 Uhr im Volksgarten getroffen, die meisten von ihnen mit Wasserpistolen und Wasserbomben ausgerüstet. Insgesamt sollen sich Abiturienten von zwölf Kölner Gymnasien versammelt haben. Eine Polizeistreife hatte den Massenauflauf bemerkt und Verstärkung durch Beamte der Einsatzhundertschaft angefordert, um die Situation zu beobachten. Der Ring wurde zwischenzeitlich gesperrt, als die Schüler sich auf den Weg machten.

Aus der Menge wurden immer wieder Böller geworfen, die Situation eskalierte. Schließlich mussten die Beamten die Versammlung auflösen. Einige Humboldt-Schüler warfen den Polizisten anschließend unterlassene Hilfeleistung vor (siehe auch Interview). Ein Polizeisprecher sagt, dass von Anzeigen gegen die eingesetzten Beamten nichts bekannt sei. Auch von verletzten Schülern ist im Einsatzbericht nicht die Rede.

Ein möglicher Grund für die Eskalation sind zwei Videos der Abiturjahrgänge des Humboldt-Gymnasiums und des Gymnasiums Rodenkirchen, in dem sich die Schulen in einer Persiflage gegenseitig aufs Korn nehmen. Offenbar haben einige Abiturienten das Video aber als Aufruf verstanden, sich gegen das Humboldt-Gymnasium zu verbünden.

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