27.09.2016
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Kommentar zu den Übergriffen in der Silvesternacht: Die unwürdige Informationspolitik der Kölner Polizei

Vor dem Kölner Dom waren nicht bloß „Fremde“ unterwegs, die mit sich und ihrer neuen Welt (noch) nicht zurechtkommen. Es waren Feinde dieser Gesellschaft. Der deutsche Staat, der sonst gern kleinste Fehltritte ahndet – er war abwesend, als es darum ging, seine Bürger vor brutaler, sexistischer Gewalt zu schützen und elementare Rechte zu verteidigen. Man muss sich die Drastik des Geschehens klarmachen, dem Entsetzen und der Ohnmacht der Opfer nachspüren, um das Versagen zu ermessen.

Die Silvesternacht wirft Fragen auf, auf deren Beantwortung mittlerweile ein ganzes Land drängt. Einer entfesselten Meute Einhalt zu gebieten, wie es die Politik unisono gerade fordert, ist ja nur das eine, Selbstverständliche. Weitaus beunruhigender ist der Gedanke, was das für Leute sind, die inzwischen in großer Zahl bei uns sind und weiter zu uns kommen. Wo kommen sie her? Was bringen sie mit? Auf welcher Grundlage sind sie hier?

Die Fakten gehören auf den Tisch

Antworten sind von offizieller Stelle notwendig – wenn man Autorität und Deutungshoheit nicht aufs Spiel setzen will. Mit Beschwichtigung und Verkleisterung ist niemandem gedient. Die Fakten gehören auf den Tisch. Wer jetzt auf Fragen nicht seriös und detailliert eingeht, dem werden die Antworten aus dem Internet und von Verschwörungstheoretikern entgegentönen.

Vor kurzer Zeit wurde am Kölner Rheinufer, wo die Touristen flanieren, ein Fotograf des „Kölner Stadt-Anzeiger“ von den dort seit langem notorischen Drogenhändlern überfallen und seiner Ausrüstung beraubt. Er versuchte, einen der Angreifer zu stellen. Ohne Erfolg. „Gut so“, sagte hernach die Polizei. „Die stechen schnell mit dem Messer zu.“

Im Umkehrschluss bedeutet das: Mitten in Köln hat sich eine Szene von Gewaltverbrechern etabliert – und die Polizei weiß es. Aber was unternimmt sie dagegen? Das ist keine rhetorische Frage. Kriminalität, die man duldet, breitet sich aus. Die Silvesternacht ist ein schlimmer Beleg dafür.

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