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125 Jahre Stadtmuseum: Die übervolle Schatzkiste

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Das Zeughaus im Jahr 1958. Einstmals städtisches Arsenal, beherbergt es seit 1958 die Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums.  Foto: Rheinisches Bildarchiv
Von der Hahnentorburg ins Zeughaus: Das Kölnische Stadtmuseum blickt auf eine bewegte Geschichte mit spektakulären Ausstellungen und einem Dachstuhlbrand zurück. Geblieben ist eins: Viel zu wenig Platz für all seine Ausstellungsstücke.  Von
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Eine Kölner Institution feiert in diesem Jahr Geburtstag – das Kölnische Stadtmuseum, beheimatet im altehrwürdigen Zeughaus, wird 125 Jahre alt. Als es am 14. August 1888 eröffnet wurde, hieß es indessen „Historisches Museum“ und war in der Hahnentorburg untergebracht, später wurden Bestände auch in der Eigelsteintorburg gezeigt. Das Haus wurde anfangs ohnehin etwas stiefmütterlich behandelt; zunächst wurde es nur nebenamtlich von Arthur Pabst, dem Direktor des Kunstgewerbemuseums, geleitet (bis 1894), anschließend vom Direktor des Stadtarchivs, Josef Hansen.

„Die meisten Objekte stammten aus dem Stadtarchiv, »dreidimensionale« Dinge wie Stadtsiegel oder Fahnen“, sagt Werner Schäfke, von 1984 bis 2009 Direktor des Stadtmuseums, „dann Altertümer aus dem Wallraf-Richartz-Museum, etwa Waffen und Rüstungen, sowie Gemälde als Leihgaben.“ Hansen sei ein Glücksfall für das Museum gewesen, er habe klar definiert, was Aufgabe des Stadtarchivs sei, nämlich die Aufbewahrung schriftlicher Dokumente, und was ein Museum leisten könne – die Präsentation bildlichen und figürlichen Anschauungsmaterials zur „Kultur- und Sittengeschichte“. Mit Erfolg, so Schäfke: 1913 habe man schon 35 000 Besucher gezählt.

Die erste Erweiterung kam 1925

Infolge des Ersten Weltkriegs war dann an eine Museumserweiterung nicht zu denken. Diese Chance bot sich erst im Jahre 1925, als in Köln die „Jahrtausendausstellung der Rheinlande“ stattfand; mit der Ausstellung sollte an das Jahr 925 erinnert werden, als das damalige Herzogtum Lothringen (das den gesamten rheinischen Raum, von den Vogesen bis zur Nordsee, umfasste) an das Deutsche Reich gefallen war – die Ausstellung war in erster Linie eine politische Demonstration, die Rheinländer wollten ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reich bekunden.

Federführend bei dieser Schau war Wilhelm Ewald, seit dem 1. Januar 1925 auch Direktor des Historischen Museums; von Mai bis August 1925 wurden in den Messehallen mehr als 10 000 Exponate gezeigt. Die Ausstellung war ein Publikumsmagnet, etwa 1,3 Millionen Besucher wurden gezählt.

Der große Erfolg dieser Ausstellung ließ bei den Verantwortlichen der Stadt, allen voran Oberbürgermeister Konrad Adenauer, die Idee reifen, neben dem Historischen Museum ein größeres „Rheinisches Museum“ aufzubauen, das in der Deutzer Kürassierkaserne untergebracht werden sollte; dort fand 1928 die Internationale Presseausstellung (Pressa) statt. Seit 1929 wurde eine Vereinigung des Historischen Museums mit dem geplanten Rheinischen Museum diskutiert und eine entsprechende Konzeption ausgearbeitet. Doch die Pläne für das Museum, dem auch das 1926 gegründete Rheinische Bildarchiv angehören sollte, mussten im Verlauf der Weltwirtschaftskrise zurückgestellt werden.

„Volksmuseum im besten Sinne“

Es waren dann die Nazis, die sich des Themas bemächtigten. Sie machten Ewald schon im März 1933 zum Direktor des Rheinischen Museums – und der schaffte es, in der von Wilhelm Abel umgebauten Kaserne ein Museum mit mehr als 10 000 Quadratmetern einzurichten; dem Geist der Zeit entsprechend konnte Ewald, so die Historikerin Beatrix Alexander, „räumeweise Modelle von Gebäuden, Brücken, Städten und Schiffen mit instruktiven Schautafeln, Ansichten und Plänen präsentieren“.

Zur feierlichen Eröffnung des „Hauses der Rheinischen Heimat“, wie es offiziell hieß, kam am 21. Mai 1936 sogar Propagandaminister Goebbels. Ewald selbst lobte sein Haus in einer Broschüre als „ein Volksmuseum im besten Sinne und daher von nicht zu unterschätzender national politischer Bedeutung“. Die seit 1925 aufgebaute umfangreiche Judaica-Sammlung wurde natürlich nicht gezeigt – andererseits schaffte Ewald es auch, die Einrichtung einer von der Partei gewünschten Abteilung zur Geschichte der NSDAP lange zu verzögern. „Diese Abteilung wurde nie eröffnet – weil 1939 der Krieg ausbrach“, sagt Schäfke

Die Kölner Geschichte ist ihr Metier: Mario Kramp (l.) ist Nachfolger von Werner Schäfke als Direktor des Kölnischen Stadtmuseums.
Die Kölner Geschichte ist ihr Metier: Mario Kramp (l.) ist Nachfolger von Werner Schäfke als Direktor des Kölnischen Stadtmuseums.
Foto: Grönert

Während des Zweiten Weltkriegs waren Exponate und Depotbestände in mehr als 50 Standorte außerhalb Kölns ausgelagert. Eine der wichtigsten Aufgaben Ewalds war nach 1945, diese Bestände zurückzuführen. Die erste große Ausstellung, an der sich das nun wieder „Rheinische Museum“ genannte Haus beteiligte, war die „Stadtgeschichtliche Ausstellung“, die 1950 zur 1900-Jahr-Feier Kölns im Staatenhaus der Messe veranstaltet und von mehr als 250 000 Menschen besucht wurde.

Im Juni 1953 schließlich zeigte das Museum in seinen Räumlichkeiten in Deutz eine Ausstellung „Köln: Stadtbild und Stadtgeschichte“, aber es gab schon Planungen, das Haus wieder im linksrheinischen Stadtgebiet anzusiedeln; als neuer Standort wurde das halbwegs wiederaufgebaute Zeughaus in die engere Wahl genommen, in dem 1956 die Ausstellung „Der Kölner Dom – Bau- und Geistesgeschichte“ stattfinden konnte. Zwei Jahre später, am 11. Januar 1958, wurde das Museum im Zeughaus eröffnet, unter dem Namen „Kölnisches Stadtmuseum“, die Dauerausstellung – auf allerdings nur noch 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – trug den Titel „Köln als Reichsstadt“.

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Der damalige Direktor Franz Brill wie auch sein Nachfolger Günther Albrecht wurden mehrfach mit der Notwendigkeit konfrontiert, das Haus zu räumen – um Platz zu schaffen für Ausstellungen wie „Monumenta Judaica“ (1963/64). 1973 wurde Ausstellungsfläche gewonnen, als das provisorisch in der Alten Wache untergebrachte Römisch-Germanische Museum auszog und sein Haus auf der Domplatte bezog.

Tutanchamun und Dachstuhlbrand

Nach der großen Ausstellung „Tutanchamun in Köln“ , die 1980 gezeigt wurde und 1,3 Millionen Besucher anzog, wurde ein großzügiger Umbau begonnen – der jäh unterbrochen wurde. „Am 11. März 1983 – ich war im Urlaub – rief mich meine Schwiegermutter an: »Das Zeughaus brennt!« Ich hielt das erst für einen Scherz“, erzählt Werner Schäfke, der 1984 – nach Hugo Borger und Heiko Steuer – als neuer Direktor berufen werden sollte. „Der Dachstuhl brannte, die Hälfte musste erneuert werden – aber die eingebaute Betondecke verhinderte, dass die Sammlung beschädigt wurde.“

Die Konzeption für das am 1. September 1984 wiedereröffnete Haus hatten Steuer und Schäfke gemeinsam entworfen. „Von der ganz nahen Gegenwart retrospektiv in die Vergangenheit“ – so lässt sich die Neukonzeption kurz charakterisieren, die Gegenwart sollte sozusagen den Einstieg in den Rundgang ermöglichen. Im Obergeschoss verzichtete man auf eine Chronologie, hier wurden Themeninseln geschaffen, etwa Schulwesen, Handel, Religion.

„Mich hat Alltagsgeschichte immer besonders interessiert und fasziniert“, sagt Schäfke. Die Konzeption wurde bis heute keiner grundlegenden Neuordnung unterzogen. Als Folge der begrenzten Ausstellungsfläche mussten Sonderausstellungen, etwa „Der Name der Freiheit“, die 1988 an die Schlacht von Worringen erinnerte, und „Das Neue Köln 1945–1995“ (1995), in der Josef-Haubrich-Kunsthalle gezeigt werden.

Das wichtigste Museum für Köln

2005 gelang es endlich, den Parkplatz westlich der Alten Wache zu erwerben. Da sollte ein Erweiterungsbau entstehen, dessen Finanzierung ein Stifterpaar übernehmen wollte. Nach jahrelangen Diskussionen und Querelen zogen die Stifter ihr Angebot 2009 zurück. „Dass das nicht geklappt hat, ist natürlich sehr bedauerlich“, sagt Schäfke, der im gleichen Jahr in Ruhestand ging und von Mario Kramp „beerbt“ wurde.

Trotz aller Widrigkeiten glaubt Schäfke, der das berühmte „Flügelauto“ von HA Schult auf den Turm des Museums hieven ließ, dass das Kölnische Stadtmuseum weiterhin „nicht das wichtigste Museum in Köln, aber das wichtigste für Köln ist“.

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