31.07.2016
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15-jähriges Opfer: Totschlag an der Takustraße

Mord Ehrenfeld

Am Abend hatten sich beide Beteiligten laut Polizei aus bisher ungeklärten Gründen auf einem Platz an der Takustraße gestritten. Die Auseinandersetzung eskalierte, der Ältere zog plötzlich ein Messer und stach auf den 15-Jährigen ein. (Foto: Krasniqi)

Köln -

Mit nur 15 Jahren starb Marlon H. am Morgen des 12. April in der Kölner Uniklinik an mehrfachem Organversagen und einem kardialen Schock. Eine Notoperation hatte ihm nicht das Leben retten können, nachdem er am Vorabend Opfer eines brutalen Angriffs geworden war. Seit Donnerstag muss sich der mutmaßliche Täter vor der 5. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts verantworten. Am ersten Verhandlungstag geschah kaum mehr, als dass die Anklageschrift verlesen wurde. Zu den Vorwürfen des Totschlags und der versuchten gefährlichen Körperverletzung will Klaus P. (60) auf Anraten seiner Anwälte Marco Heymann und Abdou A. Gabbar zunächst schweigen. Nur zu seiner Person werde er sich am kommenden Montag, wenn der Prozess fortgesetzt wird, äußern.

Marlon H. war der Sohn einer Schaustellerfamilie, die seit langem auf dem Wohnwagenplatz an der Takustraße in Neuehrenfeld wohnt. Dort war auch Klaus P. zuhause, bevor er in Haft kam. Nach Angaben der Polizei war er früher ebenfalls im Schaustellergewerbe tätig, hat den Beruf aber aufgegeben und lebte seitdem „ziemlich isoliert unter den anderen“. Staatsanwalt Elmar Köstner geht davon aus, dass der Anlass der Bluttat ein nachbarschaftlicher Streit gewesen ist. Vater Heinz L. sei mit seinem Sohn zum Wohnwagen von Klaus P. gegangen, um in einer Aussprache die Sache zu klären. Der Nachbar habe den Vater aber weggeschubst, ein Klappmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge gezückt und Marlon L. in die Brust gerammt, so dass die linke Herzkammer getroffen wurde. Danach habe er versucht, auch Heinz L. mit der Stichwaffe zu verletzten, doch der habe den Angriff geistesgegenwärtig mit einem Schlag seiner Jacke abwehren können. Nach kurzer Flucht wurde Klaus P. gestellt.

Dem Vernehmen nach soll es bei dem Streit um einen Hund gegangen sein. Hatte Marlon L. das Tier geschlagen oder getreten? Oder hatte der Hund - ein Yorkshire, wie es heißt - Klaus P. angebellt und ihn deshalb aufgebracht? Ursprünglich angeklagt war sogar Mord. Die Verteidigung gehe davon aus, dass der Sachverhalt „deutlich anders“ sei, als er sich bisher darstelle, sagte Rechtsbeistand Heymann am Rande des Prozesses. Anwalt Frank Hatlé, der Marlons Vater im Prozess als Nebenkläger vertritt, betonte, wie sehr die Schaustellerfamilie leide. Jeden Tag müsse sie den Ort des Verbrechens auf dem Wohnwagenplatz sehen: Die Belastung sei „unvorstellbar hoch.“ Er halte daran fest, dass es sich um Mord handele, denn: „Die Heimtücke der Tat lässt sich nicht wegverteidigen.“