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1LIVE-Sendung: „Magische Momente“ mit Mike Litt

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Serviert an Heiligabend Knackwürstchen und „lupenreine Weihnachtslieder“: Mike Litt. Foto: Christoph Hennes
Alle Jahre wieder ist Mike Litt bei Radio Eins Live an Heiligabend in seiner Sendung „Der einsamste DJ der Welt“. Im Interview mit ksta.de spricht der Radio-Moderator über seine siebenstündige Live-Strecke und seinen Roman.
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Herr Litt, an Heiligabend schlüpfen Sie für 1LIVE zum 15. Mal in die Rolle des einsamsten DJs der Welt. Wie sind Sie an den Job gekommen?

Mike Litt: Durch einen Zufall. 1LIVE steckte in den 90ern noch in den Kinderschuhen und suchte nach einem anderen Weg, wie man an Heiligabend Programm machen kann. Der damalige Musikchef und heutige Wellenchef Jochen Rausch und der damalige Musikredakteur Stefan Laack haben rumgesponnen, was man am 24. abends machen kann, damit die Sendung eine persönliche Note bekommt.

Warum kamen Sie an dem Punkt ins Spiel?

Litt: Die Chefs wussten um meine persönlichen Befindlichkeiten, ich hatte gerade eine Beziehung an die Wand gefahren. Mein  familiäres Netz war ohnehin nie so gespannt, dass ich Heiligabend an einem Ort verbracht habe, ich musste die einzelnen Familienmitglieder immer nacheinander abhaken. Und dann haben wir zusammen auf die Schnelle eine Rampe gebaut, so auf die Art: Ich bin sehr allein auf dieser Welt, meine Freundin hat mit mir Schluss gemacht, und meine Familie fängt mich auch nicht auf. Und schon war „Der einsamste DJ der Welt“ geboren. 

Sie stemmen als Moderator eine siebenstündige Live-Strecke, Sie senden von 18 Uhr bis 1 Uhr morgens.  Ab wann und wie bereiten Sie sich vor?

Litt: Meistens geht es so Ende November los, spätestens um den 1. Advent herum wünschen sich die ersten Fans Songs, die sie unbedingt in der Sendung hören wollen. Das sind viele Lieder dabei, die jedes Jahr laufen, manche sogar vom Start der Sendung an. Manches davon habe ich mittlerweile digitalisiert, aber weil viele Songs dabei sind, die sonst nicht im Programm von 1LIVE laufen, packe ich auch immer wieder CDs ein, und ich spiele auch noch ein paar Vinylplatten.

In Ihrem Roman „Der einsamste DJ der Welt“ beschreiben Sie, dass sich das Zusammensuchen der Musik nicht immer einfach gestaltet.

Litt: Vor ein paar Jahren ist es mir passiert, dass ich „Silent Night“ in der A-capella-Version von Sinéad O’Connor gesucht habe. Der Song ist das Herzstück der Sendung, er läuft traditionell um Mitternacht und dann noch einmal als letztes Stück um kurz vor ein Uhr morgens. Diese Version muss von CD kommen, und ich weiß sogar noch, wo ich sie gekauft habe: In einem Dortmunder Industriegebiet, von einem Supermarkt-Grabbeltisch, damals für 4,99 DM.

Um die CD zu finden, haben Sie sich richtig ins Zeug gelegt.

Litt: Kann man wohl sagen. In einem Anfall von Aktionismus habe ich mein Musikzimmer mit tausenden CDs und Schallplatten verwüstet. Bis ich Sinéad O`Connors „Silent Night“ schließlich gefunden habe, es ist tatsächlich noch die erste CD aus den 90er Jahren. Das wird mir nicht mehr passieren, es gibt seitdem ein heiliges Fach für die Weihnachtssendung, in dem sich die CD immer finden wird.

Wie sieht die Nahrungsmittellage während der Sendung aus?

Litt: Viele Menschen sind an Heiligabend nicht im Sender, aber ich bringe traditionell ein karges Maurer-Buffet mit.

Frikadellen mit Senf?

Litt: Ich tendiere eher in die Würstchen-Richtung, die Knacker kann man sogar kalt genießen. Dazu ein klassisches Partybesteck, Chips, diverse Knabbereien, Käse und so weiter. Nach anderthalb Jahrzehnten ist das für mich längst Normalität. Andere fahren an dem Tag zu den Schwiegereltern ins Sauerland oder zur Oma in die Eifel, ich fahre an Heiligabend zu 1LIVE.

Sie sind mittlerweile verheiratet und Vater von Zwillingen. Was sagt die Familie, wenn der Papa ausgerechnet Heiligabend nicht da ist?

Litt: Ich befinde mich in einem Schonraum, meine Jungs sind erst 14 Monate alt, die können sich noch nicht beschweren. Wenn sie ein paar Geschenke aufreißen, hoffe ich, dass sie die Stimme im Radio erkennen. Und meine Frau wusste, worauf sie sich einlässt, als sie mich geheiratet hat. Die Sendung läuft, was in der Natur der Sache liegt, zwar nur einmal im Jahr. Aber es gibt tatsächlich nichts, was ich in meinem Leben länger gemacht hätte. Wenn man es ganz hart nimmt, ist „Der einsamste DJ der Welt“ meine längste Beziehung.

Wie wird sich diese Beziehung am Heiligen Abend 2012 gestalten?

Litt: In den ersten beiden Stunden, von sechs bis acht, kann musikalisch noch alles Mögliche passieren. Ich kann noch nicht sagen, mit welchem Song ich anfange. Nach acht spiele ich Songs, die auch im Rahmen der Sendung zu Klassikern geworden sind und von den Stammhörern längst als lupenreine Weihnachtslieder einsortiert werden – auch wenn sie es nicht immer sind. „Fairytale Of New York“ von Pogues gehört dazu, „The Power Of Love“ von Frankie Goes To Hollywood”, aber auch “The Ship Song” von Nick Cave.

Welcher Moment der Sendung geht Ihnen nach all den Jahren immer wieder an die Nierchen?

Litt: Es gibt immer wieder magische Momente, die ich nicht vorhersehen kann. Die Songs, die sich Hörer wünschen, müssen gar nicht traurig sein, es reicht, wenn sie emotional sind. Das soll jetzt nicht esoterisch klingen, ich empfinde das so: Wenn ganz normale Popsongs an einem Heiligabend-Moment gespielt werden, können sie eine andere Aura bekommen, und ganz sicher erfahren sie in einer solchen Situation eine Bedeutungsverschiebung. Und was den Moment für die Nierchen angeht: Das ist auch für mich immer wieder „Silent Night“ von Sinéad O`Connor.

Sie lesen in der Sendung Faxe und E-Mails von Hörern vor. Was machen Sie danach damit?

Litt: Ich habe das von Anfang an getan, und ich mache es im immer noch: Ich nehme sie mit nach Hause. Die Mail füllen inzwischen mehrere Kartons und Ordner. Es gibt Stammhörer, die jedes Jahr schreiben, die sind teilweise mit der Sendung aufgewachsen. Das ist für mich ein Riesenkompliment, aber es erschüttert mich natürlich auch, weil es mir deutlich macht, wie lange ich schon den einsamsten DJ der Welt mache. Das liegt wohl daran, dass ich der Verführungskunst der Popmusik total erlegen bin. Auch an Heiligabend.

Das Gespräch führte Martin Weber

Zur Person

Mike Litt, geboren 1967 in Washington, D.C., präsentiert bei 1LIVE immer wieder freitags die Literatursendung „Klubbing“ und ist außerdem als Moderator und mit seiner Show „Lärm by Litt“ bei DRadio Wissen zu hören. Der Journalist, Autor und DJ ist verheiratet, Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in Düsseldorf.

Mike Litt, Der einsamste DJ der Welt, Roman, DuMont, 8,99 € 

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