31.07.2016
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40 Jahre Zirkus Roncalli: „Die Reise geht weiter“

Vivian Paul, die älteste Tochter des Zirkuschefs, im Luftring

Vivian Paul, die älteste Tochter des Zirkuschefs, im Luftring

Köln -

Der Circus Roncalli, dessen Erfolgsgeschichte von Köln aus startete, feiert runden Geburtstag. Mit der Jubiläums-Show „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ gastiert der Zirkus am 14. April auf dem Neumarkt. In den völlig neu zusammengestellten Programm wirken einige vertraute Artisten und Komödianten mit, aber auch einige junge Talente und neue Gesichter, die erstmals in Köln dabei sind.

Herr Paul, Sie sind als Zirkusdirektor und als Clown Zippo nun schon 40 Jahre auf der Reise zum Regenbogen. Wann kommen Sie an?

Das weiß ich doch auch nicht. Die Reise geht jedenfalls weiter. Am Ende des Regenbogens soll ja ein Schatz stehen. Da bin ich mal gespannt. Aber im Ernst, die Zeit ist so schnell verflogen. Für mich fühlen sich die Anfänge im Stollwerck so an, als lägen sie erst kurz zurück. Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern, auch an alle Namen und wer damals was gemacht hat. Und mit einem davon habe ich zum Jubiläum wieder zusammen gearbeitet. Christoph Müller, der früher schon Requisiten gebastelt und aufwendig bemalt hatte, hat nun ein riesiges Mobile mit mehreren Leinwänden gebaut. Darauf lassen wir vor dem Beginn der Vorstellung die Geschichte des Zirkus Revue passieren. Beim laufenden Gastspiel in Recklinghausen gibt’s das noch nicht, aber für die Kölner ist es fertig.

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Bernhard Paul in seinem Wohnzimmer.

Foto:

Thilo Schmülgen

Ist Recklinghausen so einen Art Probelauf für Köln?

So kann man das sehen. Das ist zum Warmspielen. Der Cirque du Soleil probt sechs Monate an einem Programm. Wir haben dafür eine Woche und dann vier weitere Wochen mit Publikum. Es wird ja noch viel verändert. So haben wir mit drei Stunden Programm angefangen und sind jetzt bei zweieinhalb - mit dem selben Programm, ohne Qualitätseinbußen.

Muss man nach 40 Jahren den Circus Roncalli neu erfinden?

Das wäre fatal. Die Leute wollen schon das Roncalli-Typische sehen. Aber auch stets etwas Neues. So habe ich diesmal mit Marlitt Werner eine ausgebildete Musical-Sängerin dabei und mit Robert Wicke einen Beatboxer, der auch jongliert. Der ist so einen Mischung aus Pi, Peter Shub und sich selbst und hat sich in Recklinghausen zum Publikumsliebling entwickelt. Das konnte man so nicht vorhersehen. Aber man muss als Zirkuschef auch die Eier haben, so etwas mal auszuprobieren. Das Neue muss ja auch harmonieren. Man muss sich schon immer ein Stück neu erfinden und etwas Spannendes riskieren. Aber wenn das dann in die falsche Richtung geht, kommt keiner mehr. Einige Zirkus-Unternehmen haben im letzten Jahr mangels Publikum aufgegeben, bei uns stehen die Leute immer noch Schlange.

Eine recht absurde Nummer von Aime Morales, der im Reifen schwebt

Eine recht absurde Nummer von Aime Morales, der im Reifen schwebt

Foto:

Roncalli

Können Sie noch mehr Neuigkeiten aus dem Programm verraten?

Da gibt es die recht absurde Nummer von Aime Morales aus Venezuel, der sich in einem Riefen bewegt. Und wir haben beim Duo Pykhov eine Seiltänzerin, die auf einer Mondsichel umher tänzelt, während ihr Mann als eine Art Zinnsoldat dazu den Takt trommelt. Das hat es so bislang noch nicht gegeben. Der 17-jährige Ty Tojo gilt als Wunderkind in der Jonglierwelt und auch meine beiden Töchter sind dabei. Vivian (26) im Luftring, Lili (17) mit einer Kontorsions-Akrobatik.

Treten sie selbst auch wieder als Clown Zippo auf?

Auf jeden Fall. Ich muss in Köln in den Ring. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich bei der letzten Premiere mit Rückenschmerzen passen musste und das ganze Publikum auf meine Entschuldigung mit mit „Ohhhh“ antwortete. Dieses Geräusch kriegt man nicht mehr aus dem Kopf. Allerdings steht die Nummer noch nicht. Es sind ja vier Clowns im Ensemble und da muss ich noch genau sehen, wer sich für was eignet.

Ungewöhliche Seiltanz-Darbietung des Duos Pykhov.

Ungewöhliche Seiltanz-Darbietung des Duos Pykhov.

Foto:

Roncalli

Köln ist für den Circus Roncalli ja auch ein Stück Heimat. Wie ist der Kontakt zur Stadt?

Das läuft alles gut und problemlos. Wir dürfen unser Zelt mitten in der City auf dem Neumarkt aufschlagen und der Neurather Weg in Mülheim, an dem unser Winterquartier liegt, wird schon bald in Circus-Roncalli-Weg umbenannt. Und neben den Roncalli-Aktivitäten in anderen Städten, so dem Weihnachtsmarkt und dem Café in Hamburg und dem Apollo-Varieté in Düsseldorf, will ich mich auch wieder mehr in Köln einbringen. So wollen wir in der Weihnachtszeit unser Spiegelzelt aufschlagen und eine Diner-Show anbieten. Zudem haben wir in Porz eine Filiale unser Winterquartiers, der der 5000 Kostüme gelagert sind. Ich habe ja kürzlich den gesamten Fundus der Königlich-Kaiserlichen Hofschneiderei Lambert Hofer aus Wien aufgekauft. Das war einst der größte Verleih von Theater- und Filmkostümen Österreichs. Was da jetzt an Kleiderstangen hängt und in Regalen liegt, muss ich alles noch sichten. Mit den Teilen und Uniformen, die nicht direkt für den Zirkus zu gebrauchen sind, veranstalte ich dann vor dem nächsten Karneval einen großen Kostümflohmarkt.