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Abfallwirtschaft: Kölner produzieren weniger Müll

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In der Niehler Müllverbrennungsanlage können jährlich bis zu 720 000 Tonnen Abfall verfeuert werden. Foto: stefan worring
In Kölner Haushalten wird weniger Müll produziert. Was gut für die Umwelt klingt, bringt die Niehler Müllverbrennungsanlage wiederum in die Bredouille -und könnte sich sogar im Preis für die Abfalltonnen niederschlagen.  Von
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Die Kölner produzieren immer weniger Haus- und Sperrmüll. 2013 werden nach den Prognosen der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (AVG) die Mengen, die in der Müllverbrennungsanlage in Niehl verheizt werden, um weitere 20 000 auf 290 000 Tonnen sinken. Mit seinen vier Verbrennungslinien hat der Ofen eine Kapazität von bis zu 720 000 Tonnen.

„Die Haus- und Sperrmüllmengen werden auch in den kommenden Jahren weiter sinken“, sagt AVG-Vorstandssprecher Andreas Freund. Allein die geplante Änderung des Abfallwirtschaftsplans durch die Landesregierung werde dazu führen, dass die Recyclingquote weiter steige, der Biomüll konsequenter getrennt werde als bisher und man noch stärker auf Abfallvermeidung setze.

Weniger Müll, höhere Kosten

Grundsätzlich unterstützt die AVG diese Pläne. Sie haben allerdings einen Haken. Der Niehler Müllofen muss zu einem immer größeren Anteil mit Gewerbemüll gefüttert werden, um eine möglichst hohe Auslastung zu erreichen. Je weniger Müll verbrannt wird, desto höher steigen die Gebühren, weil 80 Prozent der Kosten für den Betrieb Fixkosten sind, die sich nicht verringern lassen. Die Anlage, in den 1990er Jahren geplant und 1998 in Betrieb gegangen, sollte ursprünglich rund 421 000 Tonnen Kölner Haus- und Sperrmüll verbrennen. Dieser Wert wurde jedoch nie erreicht.

Mit diesem Problem stehen die Kölner nicht alleine da. Der Bund der Steuerzahler NRW hat errechnet, dass die Verbrennungsanlagen im Land rund 7,6 Millionen Tonnen Abfall verarbeiten können. Das Aufkommen an Haus- und Sperrmüll dagegen liegt aber nur bei 4,2 Millionen Tonnen. Die Folge: Alle Anlagenbetreiber suchen händeringend nach Gewerbeabfällen auf dem freien Markt – und das drückt die Preise. Während die Kölner Bürger für jede Tonne Müll derzeit 144,14 Euro als Verbrennungsentgelt zahlen, sieht sich die AVG gezwungen, Gewerbemüll zu weitaus günstigeren Preisen anzunehmen. Ein Teil davon kommt inzwischen längst aus dem Ausland. Derzeit hat das Unternehmen einen Liefervertrag über 3500 Tonnen Gewerbeabfall aus den Niederlanden abgeschlossen.

Vom Konkurrenzkampf profitieren auch jene Kommunen, die in den 1990er Jahren mit dem Bau eigener Müllöfen gezögert haben. So hat der Kreis Viersen kürzlich mit Remondis und Schönmackers abgeschlossen und zahlt von Januar 2015 an pro Tonne nur rund 70 Euro einschließlich Abholung. Die Abfälle werden dann in Köln und Krefeld verbrannt. „Auf Dauer kann es nicht sein, dass die Kommunen bestraft werden, die die Anlagen vorhalten“, sagt AVG-Chef Freund. Deshalb müsse schon aus Gründen der Gebührengerechtigkeit der freie Wettbewerb für kommunale Abfälle im neuen Abfallwirtschaftsplan eingeschränkt werden.

Besserer Brandschutz
Land setzt auf ökologische Abfallwirtschaft

Der Neubau der Niehler Müllsortieranlage, die bei einem Großbrand im Juli 2012 zerstört wurde, soll im Herbst 2014 abgeschlossen sein. Die AVG hat ein neues Brandschutzkonzept für die Sortieranlagen in Niehl und Heumar erarbeiten lassen. Die neue Brandschutztechnik, die mit der Feuerwehr, der Bezirksregierung Köln und den Versicherern gemeinsam entwickelt wurde, wird nach Angaben der AVG rund zwei Millionen Euro kosten. Davon entfallen allein 1,3 Millionen Euro auf den Standort in Niehl. (pb)

Die rot-grüne Landesregierung will den Abfallwirtschaftsplan (AWP) 2014 so verändern, dass möglichst viel Müll vermieden wird. Der neue AWP soll vor allem an ökologischen Kriterien ausgerichtet werden. Bioabfälle sollen noch stärker getrennt erfasst werden. Zudem plant das Umweltministerium, dass der Müll künftig da verbrannt werden soll, wo er anfällt. Das „Prinzip der Nähe“ soll verbindlich werden. Das Land könnte den Kommunen vorschreiben, in welcher Anlage sie ihren Müll verbrennen müssen, um Mülltransporte zu vermeiden. Zurzeit können die Kommunen den billigsten Anbieter wählen. Davon profitieren vor allem Städte, die keine eigenen Öfen betreiben. Die verbindliche Zuweisung stößt beim Bund der Steuerzahler und der Opposition im Landtag auf Kritik. Sie fürchten steigende Gebühren. (pb)

„Das muss ja nicht so weit gehen, dass jeder Kommune vorgeschrieben wird, in welcher Anlage sie ihre Abfälle verbrennen muss.“ Die Abfallexperten im Verband kommunaler Unternehmen schlagen vor, das Land in Entsorgungsregionen aufzuteilen, um einen – wenn auch eingeschränkten – Wettbewerb zwischen den Anlagenbetreibern zu ermöglichen. „Auf Dauer werden wir auch über die Stilllegung von Anlagen nachdenken müssen“, sagt Freund. Dabei müssten in erster Linie umweltpolitische Kriterien eine Rolle spielen. „Die Anlagenbetreiber, die besonders viel in die Rauchgasreinigung investiert haben und deutlich mehr als die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, müssen davon profitieren.“ Bei der AVG hat man berechnet, ob sich es lohnt, eine Verbrennungslinie stillzulegen und so den Durchsatz des Ofens zu verkleinern. Wegen des hohen Fixkosten-Anteils sei das aber unwirtschaftlich. „Wir müssten dann zwar weniger Gewerbemüll zu Marktpreisen annehmen, die deutlich unter dem liegen, was die Kölner bezahlen“, sagt Freund. Das würde sich aber auch sofort auf die Erlöse auswirken. Derzeit speist die Anlage pro Jahr rund 350 000 Megawattstunden in Form von Strom und Dampf in das Netz der Rhein-Energie ein. „Damit kann man 250 000 Menschen mit Strom versorgen.“

Gewerbemüll aus dem europäischen Ausland in Köln zu verbrennen macht aus Sicht der AVG nur so lange Sinn, bis dort eigene Verbrennungs- und Recyclingkapazitäten errichtet sind. „Im Grunde brauchen wir ein EU-gefördertes Verbrennungskonzept.“ Die schlechteste Variante der Müllentsorgung sei die Deponierung. Vor allem in den Ländern Osteuropas liege die Deponie-Quote zwischen 70 und 90 Prozent. Aber in Italien und England lande noch jede zweite Tonne Abfall auf einer Deponie. Da mache es schon aus Umweltgründen Sinn, den Müll auf Reisen zu schicken.

Foto: Kölner-M. / Grafik
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