29.07.2016
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Anschlag in der Probsteigasse: Wirbel um Fahndung zum NSU-Terror

Polizeibeamte kehren nach dem Bombenanschlag auf das Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln herumliegende Scherben zusammen.

Polizeibeamte kehren nach dem Bombenanschlag auf das Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln herumliegende Scherben zusammen.

Foto:

dpa

Köln -

Es ist verblüffend, wie sehr sich die Bilder ähneln: Eine Phantomzeichnung, im Januar 2001 angefertigt nach dem Bombenanschlag der neonazistischen NSU-Terrorgruppe in einem Kiosk an der Kölner Probsteigasse, wirkt nahezu wie das Passfoto eines bekannten Rechtsextremisten. Die Tatsache, dass der Mann damals nach einem Anfangsverdacht von der Polizei schon schnell von der Liste der Verdächtigen gestrichen wurde, sorgt jetzt für Aufregung.

Die Rechtsanwältinnen, die die Opfer des Attentats beim derzeit stattfindenden NSU-Prozess in München vertreten, haben vor Gericht beantragt, die ehemalige Leiterin des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes als Zeugin zu laden. Mitarbeiter des Nachrichtendienstes hatten die Ähnlichkeit damals bemerkt und diesen Hinweis an die Kölner Polizei weitergeleitet. Der Inhaber des deutsch-iranischen Kiosks, dessen Tochter durch den Sprengsatz schwer verletzt wurde, identifizierte den Verdächtigen damals aber nicht als jenen Mann, der die in einem Geschenkkorb versteckte Bombe Tage zuvor unter einem Vorwand im Laden zurückgelassen hatte. Das Foto des Neonazis, das dem Zeugen vorgelegt wurde, sei jedoch unscharf gewesen, sollen die Anwältinnen jetzt monieren.

Kioskbesitzer erinnert sich nicht

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat sich aber auch die Generalbundesanwaltschaft noch einmal mit dem Verdächtigen beschäftigt, nachdem die Behörde die NSU-Ermittlungen im Dezember 2011 übernommen hatte. Dabei habe sich erneut ergeben, dass der Mann als Mittäter des Mördertrios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe ausgeschlossen werden könne, heißt es in Sicherheitskreisen.

Unter anderem angeblich deshalb, weil er zum Tatzeitpunkt anders ausgesehen habe. Um ein Passfoto des Verdächtigen und das Phantombild leichter vergleichbar zu machen, sollen die Ermittler damals die Frisur des Mannes verändert und an die Phantomzeichnung angepasst haben. Der heute 47-Jährige ist dem Vernehmen nach 1985 wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt worden. Er soll zum Führungszirkel der rechtsextremistischen „Kameradschaft Walter Spangenberg/Freie Kräfte Köln“ gehört haben – die 2012 verbotene Vereinigung sogar angeführt haben, nachdem der bekannte Kölner Axel Reitz 2007 eine mehrjährige Haftstrafe antreten musste.

Vor drei Wochen, bei seiner Vernehmung im Prozess am Oberlandesgericht München, konnte sich der Kölner Kiosk-Inhaber nicht mehr genau an das Aussehen des Mannes erinnern, der den Korb mit der Bombe am 21. Dezember 2000 im Laden hinterlassen hat. Er wusste auch nicht mehr, dass die Polizei damals nach seinen Angaben noch ein zweites Phantombild anfertigte, das mit dem ersten wenig Ähnlichkeit hat.


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