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Archäologische Zone: „Es brodelt in der Bürgerschaft“

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Werner Peters, Inhaber des Hotels Chelsea, plant eine Internet-Kampagne gegen den Bau der Archäologischen Zone. Foto: Worring
Der Bau des Jüdischen Museums wird auf etwa 50 Millionen Euro angesetzt. In der Bürgerschaft regt sich deutlich Widerwille. Eine Initiative, der auch Arsch Huh-Sprecher Karl-Heinz Pütz angehört, fordert Planungsstopp.  Von
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Zimmer 112 im Hotel Chelsea, eine Szene-Adresse im Belgischen Viertel. Inhaber Werner Peters sitzt an seinem Schreibtisch, ein gewaltiges Gemälde des Künstlers Andreas Schulze nimmt nahezu die gesamte Rückwand ein. „Es brodelt“, sagt Peters. Und es bedürfe „nur noch einer organisatorischen Initialzündung“, um den Protest aus der Bürgerschaft in Gang zu setzen. Peters und einige Mitstreiter planen eine Internet-Kampagne gegen den 50 Millionen Euro teuren Bau der Archäologischen Zone und des Jüdischen Museums; in den nächsten Tagen wollen sie sich zu einer Art Gründungsversammlung treffen.

Köln befinde sich in einer schweren Finanzkrise, die Stadt dürfe sich solche Prestigevorhaben nicht länger leisten, sagt Peters. Der Gründer und Vorsitzende der Partei der Nichtwähler steht nicht allein mit seiner Forderung nach einer Planungspause. Hörbuch-Verleger Karl-Heinz Pütz, der Sprecher der AG Arsch Huh, spricht sich für einen Aufschub aus, ebenso Frank Deja von der Bürgerplattform „Köln kann auch anders“, die nach dem Einsturz des Historischen Archivs gegründet worden ist. „Ich habe keine Lust auf eine kulturell noch so gut geschmückte Stadt, wenn die sozialen Verhältnisse nicht im Lot stehen“, sagt Pütz mit Blick auf die drohenden Millionenkürzungen im Sozialhaushalt.

Peters will eine Protestaktion „unterhalb eines formalen Bürgerbegehrens“ starten. Über das Internet will er in allen gesellschaftlichen Gruppen und auch in der Wirtschaft Unterstützer suchen. Sollte deren Zahl groß genug sein, werde sich die Politik dem Druck der Bevölkerung beugen müssen, hofft er. Die Politik – das ist in diesem Fall ein Bündnis der SPD, der Grünen und der FDP, das die Archäologischen Zone als „historische Chance“ preist, als gleichsam unverzichtbares Zukunftsprojekt.

Es sei eben diese Haltung im Rathaus, die vielen Bürgern missfalle, glaubt Peters. „Unser Appell lautet: Gebt endlich diese Großmannsucht auf. Jetzt ist eine Zeit der Verlangsamung vonnöten.“ Die Stadt sollte mit den kulturellen Zeugnissen wuchern, die sie bereits hat; dem Dom, den Romanischen Kirchen, den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer, den Museen. Zwar könnte die Archäologische Zone eine schöne Ergänzung sein – aber in Zeiten der Finanznot „muss das nicht unbedingt sein“.

„Es wirkt langsam lächerlich“

Das sehen die Vertreter der Initiative Köln kann auch anders genau so. „Solange nicht einmal das Geld dafür da ist, die bestehenden Museen zu unterhalten und angemessen zu sanieren, ist jedes neue Museumsprojekt verfehlt“, sagt Frank Deja. „Es ist wirkt langsam lächerlich, wenn die Stadt Köln auf dicke Hose macht und die Hose dabei schlottert.“

Im vorigen November kamen rund 70 000 Menschen zum Arsch Huh-Jubiläumskonzert und der Demo. Die Veranstaltung auf der Deutzer Werft richtete sich nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen das soziale Auseinanderbrechen der Stadtgesellschaft. „Wir haben in Köln eine Generation junger Menschen im Alter von 16 bis 20 Jahren, die drohen uns aus der Stadtgesellschaft wegzukippen“, sagt Organisator Pütz. Sollte dieses „akute Generationenproblem“ nicht gelöst werden, entstünden enorme Belastungen. Die – durchaus sinnvolle – Archäologische Zone „kann gut noch 15 Jahre warten, das hat sie schon 2000 Jahre getan“, sagt Pütz.

Im Vergleich zu anderen Römerstädten wie Speyer und Trier stehe Köln mit seinem Römisch Germanischen Museum und dem Prätorium ohnehin nicht schlecht da. „Ich bin dafür, einen Deckel über die Ausgrabungen zu legen und das Vorhaben dann später in besseren Zeiten zu vollenden.“ Der Rat müsse sich seiner Verantwortung stellen und Schwerpunkte setzen, fordert Pütz: Soll die Stadt zweistellige Millionenbeträge im Sozialetat kürzen oder auf den Museumsbau verzichten?

Im Februar planen die Arsch Huh-Macher eine Veranstaltung, die die Auswirkungen städtischer Sparpolitik aus Sicht der Beteiligten darstellen soll.

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